Sihlfeld

Quelle: Quartierspiegel der Stadt Zürich

Das Quartier Sihlfeld ist das am nördlichsten gelegene Quartier von Wiedikon. Die Grenze zu Alt-Wiedikon verläuft vom Triemli entlang der Birmensdorferstrasse bis zur Schmiede Wiedikon, folgt von dort der Zurlindenstrasse bis zum Sihlhölzli und setzt sich in der Anlage fort bis zum neu errichteten Hermann-Herter-Steg. Dann bildet die Sihl bis zur Sihlhölzlibrücke die Grenze zur Enge. Die Grenze zu Aussersihl wurde von dort aus entlang der Schimmelstrasse bis zum Bahnhof Wiedikon, dem Bahneinschnitt der Seebahnlinie bis zur Badenerstrasse und der Badenerstrasse bis zum Letzigraben gezogen. Der Letzigraben bildet einerseits auf einem kurzen Abschnitt die Grenze zu Altstetten, andererseits - bis zur Kreuzung mit der Albisriederstrasse - die Grenze zu Albisrieden. Der letzte Teil der Grenze folgt der Gutstrasse und ungefähr dem Triemlifussweg wieder zurück zum Triemli. Die Bezeichnung dieses spezifischen Quartiers als Sihlfeld ist eine Verlegenheitslösung. Natürlich liegen die Sihlfeldstrasse und der Friedhof Sihlfeld in diesem Quartier, doch wurde einst die ganze Ebene zwischen Limmat und Sihl und dem Uetlibergfuss Sihlfeld genannt. Der westlichste Punkt des Quartiers befindet sich im Triemli oben. Von dort führt der Triemlifussweg in einem langen Korridor mitten durch ruhige Wohnquartiere an die Gutstrasse hinunter. Dieser Grünstreifen wurde für eine Fernverkehrsstrasse freigehalten, die vom Triemli unter dem oder durch den Friedhof Sihlfeld mit Anschluss am Hardplatz an die Westtangente vorgesehen war. Der negative Volksentscheid über den Ausbau des Hardplatzes von 19721 liess diese Planung zur Illusion werden. Doch erst vor 20 Jahren wurden die wirklichen Konsequenzen gezogen und der Fussweg hergerichtet. Seit 1985 heisst er offiziell Triemlifussweg.

Zwischen der Birmensdorferstrasse und dem Letzigraben standen um 1930 noch kaum Häuser. Die Baugenossenschaft Im Gut konnte deshalb die Siedlung Gutstrasse mit ihrem markanten Hochhaus aus dem Jahre 1954 noch auf der grünen Wiese erstellen. Ebenso konnten die Baugenossenschaft St. Jakob und Eigengrund, die Stadt Zürich und die Nura AG zwischen 1950 und 1955 nördlich der Albisriederstrasse verfahren, als sie im Heiligenfeld in der Kombination von genossenschaftlichen und kommunalen Wohnkolonien, privaten Hochhäusern und einer Parkanlage eine Einheit gestalten konnten, die als die grosszügigste Quartierbebauung dieser Zeit in der Schweiz gilt. Gleich südlich davon kauften die Stadtzürcher Kirchgemeinden Grossmünster, Fraumünster und Prediger im Jahre 1873 einen grossen Landkomplex für einen neuen Friedhof, da ihre Friedhöfe in der Altstadt überfüllt waren. Mit der Revision der Bundesverfassung von 1874 wurde das Friedhofswesen jedoch den politischen Gemeinden übertragen, weshalb die Stadt den drei Kirchgemeinden das bis dahin landwirtschaftlich genutzte Land abkaufte und 1877 den Zentralfriedhof gründete. Seit 1896 trägt der Friedhof den heutigen Namen als Friedhof Sihlfeld. Schon von Anfang an war geplant, ein Krematorium zu bauen. Weil dies aber eine ungewohnte und besonders von religiösen Kreisen stark bekämpfte Bestattungsart war, überliess die Stadt die Initiative dazu dem Feuerbestattungsverein. Zwischen 1887 und 1889 errichtete dieser hier das erste Krematorium der Schweiz und eines der ältesten in Europa. Um die Akzeptanz durch das Publikum zu fördern, wurden unentgeltliche Führungen angeboten, damit sich die Leute ein Bild von dieser Bestattungsart machen konnten. Weil der Friedhof ziemlich weit weg von der Stadtgrenze lag, wurde 1882, als in Zürich das Rösslitram eingeführt wurde, auch eine Verbindung vom Helmhaus über den Paradeplatz zum Friedhof gebaut. Die Endstation lag an der Badenerstrasse ungefahr bei der heutigen Station Zypressenstrasse.

Zwischen der Tramstation und dem FriedhofSihlfeld hatte die Gemeinde Aussersihl ihren Friedhof eingerichtet. Heute sind diese Grundstücke Teil der Fritschiwiese, die nach Benjamin Fritschi, dem Aussersihler Vorkämpfer der Stadtvereinigung von 1893, benannt ist. Entlang dieser Wiese baute die Stadt Zürich nach dem 1. Weltkrieg Arbeiterwohnungen, um die damals drückende Wohnungsnot zu lindern. Da das Geld knapp war, wurde die grosszügige Anlage so einfach gestaltet, dass sogar auf Badezimmer verzichtet wurde. Ganz anders präsentiert sich die Gegend zwischen Aemtler- und Sihlfeldstrasse um den Idaplatz.ln damals ruhiger Wohnlage und mit Tramanschluss wurden um 1900 repräsentative, grosszügige und manchmal sogar luxuriöse Blockrandsiedlungen erstellt. Leider wurde der Genuss dieser Wohnlage in den letzten 40 Jahren sehr gemindert durch die innerstädtische Autobahnverbindung, die seit 1967 über die Seeebahn- und Weststrasse abgewickelt wird. Mindestens die Anwohnerinnen und Anwohner in der Umgebung der Weststrasse können allerdings hoffen, von der Abklassierung und Verkehrsberuhigung der Strasse im Zusammenhang mit der Eröffnung des Uetlibergtunnels profitieren zu können.

Das Quartier jenseits der Aemtlerstrasse, zwischen Friedhof Sihlfeld und der Kalkbreitestrasse gelegen, wurde ursprünglich als nicht so attraktiv angesehen, weshalb hier vermehrt der Wohnungsbau für Familien im Vordergrund stand. 1908 liess die Stadt durch den Architekten Gustav Gull die grosse Schulhausanlage des Aemtlerschulhauses in prächtigem Heimatstil erbauen.ln gleichem Stil baute die Baugenossenschaft zur Beschaffung billiger Wohnungen, später Genossenschaft Berowisa, an der Bertastrasse eine der frühesten Genossenschaftssiedlungen von Zürich. 20 Jahre später folgten die Bauten der Genossenschaft Rotach zwischen Wiesendanger- und Nussbaumstrasse. Gegen Ende der 1970er Jahre mussten die Höfe der Genossenschaft Rotach saniert werden. Das Projekt weitete sich aus und umfasste mit der Zeit die ganze Umgebung. Nun lief es unter der Projektbezeichnung Wohninsel Rotach. In der Folge wurden auch die Strassen beruhigt und Wohnstrassen errichtet. Der Prozess konnte 1985 erfolgreich abgeschlossen werden und brachte eine merkliche Qualitätssteigerung der ganzen Wohngegend. Zwischen der Birmensdorfer- und der Seebahnstrasse, der Zurlinden- und der Schimmelstrasse wur de die Quartierentwicklung von 1875 an stark durch die linksufrige Seebahn - vom Hauptbahnhof in die Enge - geprägt. Wirkte diese Eisenbahnlinie anfangs eher trennend, so löste 1891 die Eröffnung der Bahnstation eine gewisse Euphorie im Quartier aus. 1880 wurde die parallel zur Eisenbahnlinie verlaufende Strasse Zentralstrasse getauft. 1894 wurde eine Stationsstrasse eröffnet. An der Seebahnstrasse wurden - wie um den Idaplatz herum - Wohnungen für gutbetuchte Einwohnerinnen und Einwohner errichtet. Weil die Bahnschranken ständig geschlossen waren, wirkte sich die ebenerdige Linienführung der Eisenbahn um die Jahrhundertwende zunehmend störend auf den kreuzenden Verkehr im Quartier aus. Die Tieferlegung der Eisenbahn wurde durch die Turbulenzen des 1. Weltkrieges verzögert und konnte erst 1928 vollendet werden. Die Veränderungen durch die Tieferlegung der Eisenbahn waren gewaltig. Die Sihl wurde von der heutigen Manessestrasse ins Bett des ehemaligen Sihlkanals jenseits des Sihlhölzlis verlegt, das Sihlhölzli selbst vom Schiess- zum Sportplatz aufgewertet. Den Bahnhofsbetrieb verlegte die SBB in den Reiter­bahnhof an die Birmensdorferstrasse. Und schliesslich liess die Stadt über dem Bahntunnel zwischen dem Bahnhof und dem Sihlhölzli die Schimmelstrasse als Prachtsstrasse mit zwei Eingangstürmen errichten. Beim Sihlhölzli waren sogar Qbelisken vorgesehen. Leider wurde die Lösung des Eisenbahnproblems durch das ständige Anschwellen des Autoverkehrs zunichte gemacht. Seit 1967 sind die Seebahn- und Schimmelstrasse Teile der innerstädtischen Autobahnverbindung, der Westtangente. Für die Anwohnerinnen und Anwohner wird sich mit der Eröffnung des Uetlibergtunnels lediglich eines ändern: der Verkehr wird nicht mehr zweispurig in einer Richtung, sondern einspurig in beiden Richtungen fahren.