Kleines ABC vom alten Wiedikon

Zeitdokument aus dem Jahr 1970 von Pfarrer Paul Etter

Abtei Die Beziehungen Wiedikons zur Abtei Felix und Regula (Fraumünster) waren hauptsächlich wirtschaftlicher Art. Im Jahr 889 vermachte Perchtelo von seinem Besitz in "Vviedinc hova" Güter an dieses Kloster. Diesem fiel auch bis ins 19. Jahrhundert der Zehnten von Wiedikon zu.
Albis Bei der Erwähnung dieses Namens dachten die Leute im alten Wiedikon nicht an den Bergzug, den wir als Albis kennen, sondern an ihren eigenen Albis, d.h. ihre Äcker im Friesenberg. Solange diese in der früher üblichen "Dreifelderwirtschaft" bebaut wurden, lag eine der drei "ZeIgen" im grossen oder kleinen Albis, die beiden andern im obern Sihlfeld (zwischen Saum- und Hohlstrasse) und im untern Sihlfeld (zwischen Hohlstrasse und Sihl). Die "Zelgen" wurden abwechslungsweise mit Winter- oder Sommergetreide bebaut und lagen im dritten Jahr brach.
Alemannen Im späteren 8. Jahrhundert (Ortsnamen auf -ikon) haben sich auf dem Gebiet der späteren Gemeinde Wiedikon Alemannen angesiedelt. Nach dem Alemannen Wiedo wurde der Hof benannt, aus welchem sich das Dorf und später das Stadtquartier entwickelten. Alemannengräber fanden sich an der Wiedingstrasse und an der Kernstrasse.
Alter Zürichkrieg Dieser leidige Span der Eidgenossen mit Zürich ist hier darum besonderer Erwähnung wert, weil 1444 die Schlacht bei St. Jakob an der Sihl auf einstmaligem Wiedikerboden stattfand, und weil die Eidgenossen, als ihnen trotz allen Bemühungen die Eroberung der Stadt Zürich nicht gelang, ihren Hass an der Umgebung ausliessen und Wiedikon samt Albisrieden verbrannten.
Aussersihl Das ganze Gebiet von Aussersihl samt dem davon abgetrennten Industriequartier (Kreise 4 und 5) gehörte ursprünglich zu Wiedikon. Die hier vorhandenen Bauernhöfe (z.B. Werd, Hard, Kreuel) wurden von Leuten bebaut, welche nicht in Wiedikon Bürger waren. Daraus ergaben sich Spannungen. Als die Bevölkerungszahl zugenommen hatte, erfolgte 1787 die Abtrennung der inneren Vogtei Aussersihl von der inneren Vogtei Wiedikon. Es waren dafür aber die gleichen Obervögte zuständig.
Bahnhöfe Wiedikon wurde verhältnismässig spät an den Bahnverkehr angeschlossen. 1875 wurde die linksufrige Seebahn gebaut, aber Wiedikon bekam seinen Bahnhof an dieser Linie erst 1891. Ebenfalls 1875 wurde auch die Üetlibergbahn gebaut, welche auf Wiediker Boden die Bahnhöfe Giesshübel und Binz bekam.
Berufe Die Annahme, dass sich im alten Wiedikon selbstverständlich alle Einwohner in der Landwirtschaft betätigt hätten, lässt sich eindeutig widerlegen. Handwerk und Gewerbe waren zwar in der Nähe der Stadt stark eingeschränkt. Aber diese bot schon im 17. und 18. Jahrhundert den kleinen Bauern Gelegenheit, einem regelmässigen Verdienst nachzugehen. Andere betrieben Heimarbeit. Wir finden Buchdrucker, Brunnenmacher, Färber, Feldschreiber, Gassenbsetzer, einen Glockengiesser, einen Hufschmied, verschiedene Küfer, Leinenweber, Mahlmeister, Maurer, Metzger, Pfister, Sackträger und Sackfuhrmann, Schneider, sehr viele Schuhmacher, mehrere Seidenmüller und Seidenfärber, einen Steinhauer, Strehlmacher, mehrere Strumpfweber, Tischmacher, einen Uhrmacher, auch Weber, Wollenkämmler und Wollenleser, Zimmerleute. Im 18. Jahrhundert kamen verschiedene Wagnereien auf, von welchen die Wagnerei Meyer gegenüber dem Bethaus die berühmteste wurde und blieb. Mehrere Bauernhöfe waren auch mit Ziegelhütten verbunden. Eine Schmiede gab es erst seit 1808.
Bethaus Das heute noch stehende Bethaus an der Schlossgasse wurde am 1.Mai 1791 durch den berühmten st. Peterpfarrer J.C. Lavater eingeweiht und diente der Gemeinde bis 1896 (Bau der Bühlkirche) als eigentliche Kirche, jedoch nur bis 1842 (Bau des Gotthelfschulhauses) auch als Schulhaus. Nach dem Bau der Bühlkirche schien es überflüssig geworden zu sein, aber als die Gemeinde immer grösser wurde, fand sie dafür doch immer wieder Verwendung. Ein erstes Bethaus entstand um 1720 auf dem Platz des heutigen Kreisgebäudes an der Zweierstrasse. Im 19. Jahrhundert befand sich darin die Gemeindekanzlei.
Bühlkirche Sie wurde 1895/96 auf dem Moränenhügel oberhalb des Dorfes erbaut, wo ausser den wenigen Bauernhöfen des "Wyl" noch keine Gebäude standen, während die Abhänge beidseits mit Reben bepflanzt waren. Der Name Bühl findet sich urkundlich erstmals 1292 im Zusammenhang mit einem Landabtausch zwischen dem Kloster Oetenbach und dem deutschen Kaiser.
Chridegladi und böse Else In einem alten fasnächtlichen Brauch zogen die Wiediker Buben einst an einem Seil ein Rad in die Stadt, auf welchem Chridegladi und böse Else als zwei Strohpuppen angebracht waren. Während der "Fahrt" drehte sich das Rad und die Puppen, die einander zu bedrohen schienen, waren abwechselnd oben und unten. Es handelte sich dabei um eine alt-heidnische Symbolik des Kampfes zwischen Winter und Frühling resp. Böse und Gut. Im Neujahrsblatt der Musikgesellschaft der deutschen Schule auf das Jahr 1786 ist dieser alte Brauch abgebildet und beschrieben. Vor einigen Jahren führten Wiediker Kinder das Rad mit den beiden Puppen wieder am Kinderumzug des Sechseläutens in einer Nachbildung mit.
Chronik Leider gibt es für Wiedikon keine gültige Chronik mehr. 1911 gab Conrad Escher seine "Chronik Wiedikon-Aussersihl" heraus, welche aber in ihren historischen Teilen gänzlich überholt ist. Wertvoll bleiben darin neben den Bildern die Mitteilungen von Zeitgenossen des Verfassers. Auch Arnold Schaufelbergers 1941 herausgegebene Schrift "Gemeinde Wiedikon und 150 Jahre Kirche-Schule" ist weithin überholt. Die Ansätze zu einer neuen Chronik durch genaue Erforschung der eigentlichen historischen Quellen finden sich seit einigen Jahren in den "Heimatblättern von Wiedikon", Beilage zur "Wiediker Post". So wären die Unterlagen für eine neue Chronik eigentlich vorhanden.
Eidgenössisches Schützenfest Da sich für den Buchstaben E fast nichts finden liess, sei das glanzvolle Eidg. Schützenfest von 1834 erwähnt. Das erste, welches in Zürich stattfand. Festplatz war die Aegertenwiese. Am 17. Juli wurde das Fest von der ganzen Tagsatzung besucht. Im Zusammenhang damit sei auch berichtet, dass das letzte grosse Schützenfest der alten Eidgenossenschaft vor der Glaubensspaltung ebenfalls auf dem Boden von Wiedikon stattfand. Es war das grosse Freischiessen von 1504 auf dem Sihlfeld. Auf der Aegertenwiese fanden früher auch Knabenschiessen statt.
Einbürgerungen Die alten Wiediker waren mit der Verleihung des Bürgerrechtes sehr sparsam und haben die Einkaufssummen immer höher angesetzt, um den Bürgernutzen nicht auf allzuviele "Dorfgerechtigkeiten" verteilen zu müssen. Diese kamen nur denjenigen zu, welche innerhalb des Dorfbannes Haus und eigene Feuerstelle besassen. Aus den daraus erfolgenden Spannungen erfolgte 1787 die Abtrennung von Aussersihl. Seit dem 17. Jahrhundert haben sich aber trotzdem Geschlechter eingebürgert, welche später z.T. sehr einflussreich wurden wie die Abegg, Höhn, Hottinger, Koller. 1845 wurde der Luzerner Polizeikorporal Joseph Birrer, welcher Dr. Steiger in Luzern zur Flucht verholfen hatte, das Bürgerrecht geschenkt. Im 19. Jahrhundert gab es dann allerdings von Jahr zu Jahr mehr Einbürgerungen, manchmal ein Dutzend und mehr pro Jahr, auch von Ausländern. Ein solcher soll einmal, kaum selbst zum Bürger aufgenommen, an einer nächsten Bürgerversammlung lautstark gegen weitere Einbürgerungen opponiert haben: "I bin dagege, i mein, wir sans jetz gnue alte Wiediker".
Falken siehe Gesellenhaus
Friesenberg Auf der "Goldbrunnenegg" benannten Kuppe am Üetliberghang wurde im 12. Jahrhundert die Burg Friesenberg erbaut, wahrscheinlich als Teil der äusseren Stadtbefestigung, d.h. als Hindernis für eine allfällige Umgehung des Letzigrabens durch einen Feind. Die Burg war Lehen der Ritter Mülner und ging später in ihren Besitz über. Die Umstände der bereits 1317 bekundeten Zerstörung sind unbekannt. Die Ruinen wurden 1925/29 ausgegraben und erwiesen sich als bedeutender als ursprünglich erwartet wurde. Weitere Forschungen sind seither immer noch vorgesehen. Ein Modell der Burganlage (Rekonstruktion der ursprünglichen Gestalt) von H. Defatsch befindet sich als Leihgabe des baugeschichtlichen Museums in der ortsgeschichtlichen Sammlung bzw. im Ortsmuseum Wiedikon. Zur Burg gehörten auch eine Mühle und ein sehr grosser Bauernhof. Heute kommt der Name Friesenberg der Kirchgemeinde zu, welche nach Überbauung des ganzen Gebietes 1950 von Wiedikon abgetrennt wurde.
Gerichtsbarkeit Im Mittelalter unterstand jedes Dorf einer hohen und einer niederen Gerichtsbarkeit, die meist in verschiedenen Händen lagen. Für Wiedikon weiss man seit 1259 um die genaueren Verhältnisse Bescheid. Das Dorf, dessen Besitz das Gebiet der heutigen Stadtkreise 3, 4 und 5 ausmachte, war ein dem deutschen Kaiser gehöriger Reichshof, verliehen den Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg, von diesen weiter verliehen den Rittern Mülner von Zürich. Diese Ritter besassen bis 1386 die hohe und bis ca. 1406 die niedere Gerichtsbarkeit über Wiedikon. Sie kamen als Vögte zu den Gerichtsversammlungen. Gerichtsplatz war der lindenbestandene "Sarbiplatz", auf welchem heute das Bethaus steht. Die Zunft zu Wiedikon erinnert in ihrer Kostümierung am Sechseläuten an den einstigen Aufmarsch des Vogtes und der Dorfbevölkerung zum Gerichtsplatz. Das hohe Gericht fiel 1386 nach dem Tode des letzten Ritters Mülner (Gottfried III.), der bei Sempach auf der Seite Herzog Leopolds fiel, an die Stadt Zürich. Das niedere Gericht wurde offenbar von seinen Erben kurz nach 1400 an den Bürgermeister Glentner von Zürich verkauft und kam dann durch Erbschaft an den Bürgermeister Heinrich Schwend, dessen Nachkommen es 1491 an die Stadt Zürich verkauften. Weiteres siehe Obervögte.
Geschworene Die in früheren Jahrhunderten oft erwähnten Geschworenen (auch einfach "die vier" genannt), haben nichts mit den Richtern aus dem Volke zu tun, welche heutzutage das Geschworenengericht bilden. Es war die Amtsbezeichnung für die Männer, welche man später Gemeinderäte genannt hat.
Gesellenhaus 1620 kaufte die Gemeinde Wiedikon mit Erlaubnis des Rates von Zürich das Bauernhaus Heinrich Kellers, um es fortan als; Gerichts- und Schulhaus zu benützen. Trotzdem das Wirten von Anfang an nur bei besonderen Gelegenheiten erlaubt war, entwickelte sich daraus das "Gesellenhaus" genannte Dorfwirtshaus, das gegen Zins dem Gesellenwirt verpachtet wurde. Neben dem Schulmeister amtete hier seit 1647 auch der Katechet, der Kinderlehre und Unterweisung hielt. Nachdem um 1720 Schule und Kirche in ein eigenes Bethaus ausgezogen waren, wurde das Gesellenhaus zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Gemeinde. Hier wurden Gemeindeversammlungen und Bürgertrünke abgehalten, hier wurden die Silberbecher der Bürger aufbewahrt, hier befand sich auch die Schildtafel mit deren Familienwappen. Im Dezember 1970 jährte sich der Ankauf des Hauses zum 350. Mal und eine besondere Publikation berichtet näher über das Gesellenhaus. Das 1620 gekaufte Haus hatte den Grunddriss des heutigen Weinkellers. 100 Jahre später wurde es vergrössert. Nach einer 1842 erfolgten Renovation wurde das alte Schild mit dem Wappen der Gemeinde durch einen "Falken" ersetzt, der damals als Gelegenheitskauf günstig zu erwerben war. 1880 wurde der "Falken" verkauft und kam aus privaten Händen 1907 an die Stadt Zürich.
Helvetier (Kelten) 1894 wurden beim Bau der Wiedingstrasse auf deren höchstem Punkt Gräber entdeckt und ausgegraben, die von den Helvetiern stammen. Das Grab einer helvetischen Frau wurde beim Bau der Bühlkirche entdeckt. Aus diesen Funden lässt sich schliessen, dass sich auf unserem Boden eines der 400 helvetischen Dörfer befunden hat, welche alle verbrannt wurden, als die Helvetier auszogen, um in einem milderen Klima eine neue Heimat zu suchen. Als sie von Cäsar bei Bibracte geschlagen wurden und unter römischer Oberherrschaft heimkehren mussten, haben sie es unter Umständen auch hier wieder aufgebaut. Die Funde stammen jedenfalls alle aus der vorrömischen Zeit.
HJB.S Wo hat man diese 4 seltsamen Buchstaben schon gesehen? Natürlich: sie stehen eingemeisselt am Stock des Brunnens vor dem Bethaus. Neben der Jahrzahl 1764 und dem Gemeindewappen. Aber wie sind sie zu deuten? Hans Jakob Bachmann, 1718 - 1788, war von 1760 bis 1767 Säckelmeister (Gutsverwalter) der Gemeinde. In seine Amtszeit fiel offenbar eine Erneuerung des Brunnens. Es sind keine Gemeinderechnungen aus jener Zeit erhalten. Darum ist nicht auszumachen, ob er sich mit den Initialen seines Namens und Amtes verewigt hat, weil er für diese Erneuerung sorgte, oder ob er gar den Brunnen gestiftet und aus dem eigenen Sack bezahlt hat. Er wohnte selbst an der Schlossgasse. Es gibt noch heute Nachkommen, welche die Bedeutung der Buchstaben kennen und sie mit ihrem Ahnen in Verbindung bringen.
Jubiläen Das Interesse an der Vergangenheit ist leider gegenwärtig so gering, dass selbst Gedenktage leicht vergessen werden könnten. Im Juni 1959 waren es z.B. 700 Jahre her, dass Wiedikon als Reichshof erstmals urkundlich genannt wurde. Unter dem Titel "700 Jahre Reichsapfel" - das Wappen geht ja auf jene Zeit zurück, auch wenn es erst später entstand - hielt der Verfasser einen Lichtbildervortrag vor Mitgliedern der Zunft zu Wiedikon und des Quartiervereins. Auch "50 Jahre Bühlkirche" wurde 1946 nur beiläufig gefeiert. Da aber Gedenktage doch geeignet sind, das Interesse zu wecken, sei hier festgehalten, welche Jubiläen in der Zukunft zu beachten sind:
1970 Dezember: 350 Jahre Gesellenhaus ("Falken")
1982 Neujahr: 100 Jahre Kirchgemeinde Wiedikon
1989 Juni: 1100 Jahre Wiedikon (die 1. urkundliche Erwähnung einer Gemeinde gilt als deren "Geburtsschein")
1991 1. Mai: 200 Jahre Bethaus
1992 Neujahr: 100 Jahre Stadtquartier
1996 November: 100 Jahre Bühlkirche
Katechet Solange Wiedikon zum St. Peter kirchgenössig war, gab es hier kein besonderes kirchliches Amt. Um aber die Jugend in Kinderlehre und Unterweisung besser unterrichten zu lassen, wurde. 1647 das Amt des Katecheten geschaffen, der vom Pfarrer zu St. Peter gewählt wurde. Mancher junge Pfarrer, der mit vielen andern lange auf eine Anstellung zu warten hatte, bekam dadurch die Gelegenheit eines bescheidenen kirchlichen Dienstes zu einer ganz bescheidenen Entlöhnung. Bis 1720 amtete der Katechet im Gesellenhaus. Von da bis 1791 im alten und dann im neuen Bethaus. Im 19. Jahrhundert hatte er auch sonntäglich Gottesdienst zu halten. Durch ein neues Kirchengesetz wurden 1861 die Katechetenstellen abgeschafft und der letzte Katechet von Wiedikon (Kaspar Ruckstuhl) wurde auf Neujahr 1862 dessen erster Pfarrer.
Kehlhof Im Mittelalter besass jede Vogtei einen Meyerhof und einen Kehl- oder Kelnhof. Wie der Meyer war auch der Keller oder Kelner eine Amtsperson zwischen der Dorfbevölkerung und dem Vogt. Ihm oblag es, die Naturalzinsen der Bauern einzuziehen und in seiner besonders grossen Scheune zu verwahren. Der Kehlhof von Wiedikon wurde aber schon durch den Ritter Rudolf Mülner an Ulrich Dietschi in Zürich verkauft, 1373 verkaufte Konrad Dietschi ihn an das Kloster Selnau. Als Erblehen des Spitals kam er nach und nach in privaten Besitz. 1899 wurde er abgebrochen. Er stand an der Ecke Kehlhof-/Zweierstrasse.
Kirchgemeindehaus Die Kirchgemeinde Wiedikon besass seit 1925 an der Aemtlerstrasse 23 das Zwinglihaus mit seinem Kirchensaal und etlichen Räumen für die übrige Gemeindearbeit. Als dieses aber 1952 zum Mittelpunkt der abgetrennten Kirchgemeinde Sihlfeld wurde, hatte die Muttergemeinde Wiedikon keine Räumlichkeiten mehr für ihr Gemeindeleben. Im gleichen Jahr aber erfolgte der Baubeginn für ein eigenes Kirchgemeindehaus an der Bühlstrasse, das im Oktober 1953 eingeweiht werden konnte.
Kohlbenhof Der Kolbenhof im Friesenberg gehört zu den ältesten äusseren Höfen von Wiedikon. Es ist schon vermutet worden, dass sich hier ein Alemanne namens Kolb angesiedelt und dem Hof seinen Namen hinterlassen habe. Im Mittelalter gehörte der Kolbenhof der Abtei, später wurde er Privatbesitz. 1582 wurde er jedoch von der Gemeinde Wiedikon gekauft, die ihn fortan verpachtete. Darum wurde er 1787 bei der Abtrennung von Aussersihl nicht wie alle anderen äusseren Höfe dieser neuen Gemeinde zugeteilt, sondern verblieb bei Wiedikon. 1807 wurde er wieder Privatbesitz.
Landwirtschaftlicher Verein Gegründet 1874 hatte er während Jahrzehnten eine grosse gesellschaftliche Bedeutung. Wenn es auch nicht möglich ist, hier alle Wiediker Vereine aufzuführen, so gebührt doch dem landwirtschaftlichen Verein ein besonderes Gedenkwort. 1964 haben ihn die letzten Mitglieder aufgelöst und neben einem Silberbecher ein grosses, 11 kg schweres Photoalbum der ortsgeschichtlichen Sammlung übergeben, welches seltene Aufnahmen vom alten Wiedikon enthält.
Lehm In der letzten Eiszeit wurde am Rang des Uetliberges viel Lehm abgelagert, der aber keinen soliden Untergrund hatte, so dass er etwa 7000 Jahre vor Chr. ins Rutschen kam und die bisher von der Sihl durchflossene Mulde zwischen Rebhügel/Bühl und dem Friesenberg ausfüllte. Die Sihl wurde abgedrängt und musste sich ein neues Bett suchen. Die Lehmvorräte aber wurden später für die Zwecke der Ziegelei ausgebeutet. Dabei kam zu Tage, dass der Lehm einen Föhrenwald zerstört hatte, die Strünke der Föhren blieben aber erhalten. Überreste von solch 9000-jährigem Holz befinden sich in der ortsgeschichtlichen Sammlung (Ortsmuseum Wiedikon). Noch heute ist der Lehm die Ursache dafür, dass im Friesenberg und z.T. weit nach Wiedikon hinab der Baugrund sehr schlecht ist, Häuser Risse bekamen und geflickt oder gar abgetragen werden mussten und für Neubauten sehr starke Pfählungen nötig sind (Friesenberg = Lehmbodenalp).
Meyerhof Vertreter des mittelalterlichen Vogtes innerhalb der Vogtei war der Meyer auf dem Meyerhof. Während in vielen Gemeinden der Meyerhof heute noch ein Begriff ist (z.B. in Höngg), ist er in Wiedikon leider immer noch unbekannt. Er muss im 15. Jahrhundert in zwei Höfe geteilt worden sein. Genauere Untersuchungen der Hofgeschichte von Wiedikon lassen erhoffen, dass auch der einstige Meyerhof noch bestimmt werden kann. Er dürfte in der Gegend des heutigen Schmiedeplatzes zu finden sein, vermutlich dort, wo heute die Schmiedenapotheke und der "Frohsinn" (heute Restaurant Desperado) stehen. Der Meyerhof von Wiedikon könnte eine gewisse literarische Berühmtheit für sich in Anspruch nehmen. C.F. Meyer erwähnt seine Verschonung durch eine Feuersbrunst der benachbarten Scheune im 7. Abschnitt seiner Novelle "Der Heilige". Was hier auf den 29. Dezember 1191 datiert ist, entbehrt aber höchstwahrscheinlich historischer Grundlage und ist ins Reich der Dichtung zu verweisen.
Mülner Die reichen und berühmten Ritter Mülner, deren Stammhaus später zum Hotel "Schwert" (später Samen-Mauser) wurde, besassen seit spätestens 1259 bis 1386 die hohe Gerichtsbarkeit über Wiedikon als Unterlehen der Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg, seit 1365 direkt vom deutschen Kaiser, bis kurz nach 1400 auch die niedere Gerichtsbarkeit. An den letzten Ritter Mülner (Gottfried III.) erinnern in der Schlachtkapelle Sempach und in der Klosterkirche Königsfelden sowie in deren Schatzkammer die gemalten Wappen. In Königsfelden, befindet sich auch sein Steingrab.
Obervogt Nachdem die Stadt Zürich schon 1386 die hohe und 1491 die niedere Gerichtsbarkeit über Wiedikon erhalten hatte, machte sie daraus eine sogenannte "innere Vogtei" und setzte darüber zwei Obervögte, welche sie von Jahr zu Jahr abwechselnd zu verwalten hatten. Diese Obervögte waren Ratsherren aus der Stadt und behielten - im Gegensatz zur Gepflogenheit in den "äusseren Vogteien" ihren Wohnsitz in der Stadt. Obervögte gab es bis zum Umsturz und zur Blldung einer selbständigen Gemeinde Wiedikon im Jahr 1799.
Ortsgeschichtliche Kommission und -Sammlung Am 30. November 1959 wurde in Wiedikon eine ortsgeschichtliche Kommission des Quartiervereins gegründet, bestehend aus Vertretern des Vorstands des Quartiervereins und der Vorsteherschaft der Zunft zu Wiedikon sowie an der Ortsgeschichte interessierten weiteren Mitgliedern. Sie übernahm die schon innerhalb der Kirchgemeinde angefangene kleine ortsgeschichtliche Sammlung und sucht diese ständig zu erweitern durch Dokumente und Gegenstände, welche der Nachwelt ein Bild und einen Eindruck der dörflichen Vergangenheit Wiedikons vermitteln können. Während in anderen Stadtquartieren eigentliche Heimatmuseen geschaffen werden konnten, ist bei uns der Zeitpunkt dafür verpasst worden. Die Sammlung befindet sich in der Wiedikerstube des Kirchgemeindehauses und kann Interessenten auf Wunsch gezeigt werden.
Perchtelo So hiess der Mann, welcher im Juni des Jahres 889 einen Teil seines Besitzes in Vviedinc hova der Abtei Felix und Regula vermacht hat. Es handelt sich um die alte Form des Namens Berchthold. Wer dieser Mann gewesen ist, der das Vermächtnis um seines Seelenheiles willen gemacht hat (vgl. Sgraffito am Hause Bühlstr. 191), ist schwer abzuklären. Wäre er ein freier Alemanne gewesen, hätte er keines Vormunds bedurft, wie ihn die betreffende Urkunde nennt. Eines Vormunds bedurfte aber bei weltlichen Geschäften ein Geistlicher. Einen solchen dieses Namens gab es damals unter den Chorherren des Grossmünsterstiftes, der übrigens Hofkaplan von König Karl III. (dem Dicken) war. Wenn auch die näheren Umstände dieses Vermächtnisses im Dunkeln bleiben, so enthält die betreffende Urkunde doch die erste geschichtlich nachweisbare Verwendung des Namens Vviedinc hova (Wiedikon).
Quartierverein 1867 wurde dieser Verein gegründet, um die Interessen der Gemeinde durch den Zusammenschluss ihrer Einwohner zu wahren. Seit der Stadtvereinigung von 1892 setzt er sich in besonderer Weise für alles ein, was für das Quartier wichtig ist, und vertritt die Interessen seiner Einwohner bei den Behörden. Würde seine Mitgliederzahl grösser sein als ein halbes Tausend, so könnte er einen bedeutend grösseren Einfluss gewinnen und auch mehr Mittel einsetzen. Die ortsgeschichtliche Kommission ist ein besonderes Organ des Quartiervereins.
Relief (Dorfmodell) von Wiedikon Wie das Dorf Wiedikon um 1790 ausgesehen hat, ist durch ein grosses Relief anschaulich dargestellt, das Pfr. Robert Epprecht um1970 in mühsamer Kleinarbeit unter Verwendung der Pläne von Hirzel und Dietzinger und aller erreichbaren Photographien erstellt hat. Es steht im ersten Stock des Kirchgemeindehauses im Korridor. Heute steht es im Ortsmuseum Wiedikon.
Römer Auf unserem eigentlichen Gemeindegebiet lassen sich kaum Spuren der Römer feststellen. Im 19. Jahrhundert werden vier römische Münzen genannt (Meyer von Knonau, Der Kanton Zürich), welche bei uns gefunden worden sein sollen, doch ist im Landesmuseum nur eine davon vorhanden. Eine römische Villa ist nur an der Grenze zwischen Wiedikon und Altstetten bekannt geworden. Sollte das helvetische Dorf nicht mehr aufgebaut worden sein, wäre unser Gebiet zur Römerzeit nicht besiedelt gewesen, und erst die Alemannen hätten die Wälder wieder urbar gemacht.
Schildtafel Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hatten die Bürger im Gesellenhaus eine Schildtafel. Jeder Bürger besass darin ein Täfelchen mit seinem Familienwappen, wie es da und dort noch in Zunftstuben üblich ist. Während z.B. die Schildtafel von Fluntern als Ganzes erhalten geblieben ist (neben der Eingangstüre zum Stadtarchiv im Stadthaus), haben die Wiediker die Familienwappen 1880 an die Bürger zurückgegeben, als sie den "Falken" verkauften. Eine Anzahl davon ist noch erhalten und wird von den betreffenden Familien sorgsam aufbewahrt. An die 20 konnten ermittelt werden und sollen in einer farbigen Reproduktion wieder zusammengestellt werden. Wer über den Verbleib noch nicht bekannter Wappentäfelchen etwas weiss, möge es bitte dem Verfasser (heute dem Ortsmuseum) melden. Zwei solcher Wappen (Koller und Ganz) sind der ortsgeschichtlichen Sammlung geschenkt worden.
Schmiede "Schmiede Wiedikon" ist vielbenützte Tramhaltestelle und vielbefahrener und -begangener Verkehrsknotenpunkt. Der Name geht auf die Dorfschmiede zurück, die an der Ecke Birmensdorferstrasse/Schlossgasse stand. An sie erinnert ein Mosaik an der Front des seitherigen Neubaus. Unter der alten Ordnung war es allerdings so nahe der Stadt kaum erlaubt, in einem Dorf eine Schmiede zu haben. Erst 1808 ist eine solche als Anbau an einen Bauernhof nachweisbar. Dieser lässt sich auf ein Erblehen der Brüder Zurlinden von 1512 zurückführen und war im 15. Jahrhundert "Des Schwenden Hof", um 1400 wurde er "Hühnerberghof" genannt.
Sihl Die Sihl hatte einst für Wiedikon eine grosse Bedeutung. Sie bildete auf weiter Strecke die Gemeindegrenze, so dass die alten Wiediker Pflichten hatten, um den Gefahren des Hochwassers und der mächtigen "Eisscharreten" zu wehren. Bei Überschwemmungen kam das Sihlwasser oft bis ins Dorf. Früher kannte man noch die "wilde" und die "zahme" Sihl, zwischen welchen das "Sihlhölzli" noch Gelegenheit zu echter Bubenromantik bot. Bis ca. 1000 vor Chr. hatte die Sihl einen anderen Lauf. Sie floss hinter dem Moränenhügel des Bühl gegen Altstetten und vereinigte sich erst dort mit der Limmat. Durch den vom Uetliberg herabgerutschten Lehm wurde sie abgedrängt und musste sich ein neues Bett schaffen.
Schwend Da noch ein "Schwendenweg" an den Namen des berühmten Zürcher Geschlechtes erinnert, seien hier auch die Beziehungen desselben zu Wiedikon dargestellt. Wie unter Gerichtsbarkeit ausgeführt, erbte Bürgermeister Heinrich Schwend 1429 die niedere Gerichtsbarkeit über Wiedikon und war damit (neben dem Reichsvogt) Gerichtsherr bis zu seinem 1470 erfolgten Tod. Ein Nachkomme, Johannes Schwend, verkaufte sie dann 1491 um 600 Pfund an die Stadt Zürich.
St. Peter Bis 1882 gehörte Wiedikon, zusammen mit Enge und Leimbach, kirchlich zum St. Peter, wo die Gemeindeglieder seit uralter Zeit das ausserordentliche Vorrecht besassen, Pfarrer, Stillstand (Kirchenpflege), Sigrist und Totengräber frei zu wählen. Die Loslösung erfolgte ganz allmählich: seit 1647 durch Übernahme des Unterrichtes und der Kinderlehre durch die Katecheten, später wurden jährlich viermal an hohen Feiertagen in Wiedikon Nachmittagsgottesdienste gehalten. Seit 1830 gab es jeden Sonntag Morgenpredigt im Bethaus. Seit 1789 konnten die Beerdigungen auf dem eigenen Friedhof durch den eigenen Katecheten erfolgen. Seit 1862 durften durch den nunmehr eigenen Pfarrer im Bethaus auch die Taufen gehalten werden. Seit 1879 waren hier auch eigene Abendmahlsfeiern erlaubt. So gab es 1882 nur noch die formelle Trennung und die Teilung des Kirchengutes nach Anzahl der Gemeindeglieder.
Tenntörli Wer das alte "Tenntörli", eine kleine Dorfwirtschaft, noch gekannt hat, wird bei Nennung des Namens an alte dörfliche Romantik erinnert, welche erst in den Dreissigerjahren dem Bau der Kantonalbankfiliale Wiedikon weichen musste. Es war ein kleines, verträumtes Haus, das wie alle andern alten Häuser zeitweise bis zu vier Besitzer hatte.
Untervogt Zwischen dem Verschwinden der Meyer im frühen Mittelalter und dem Aufkommen der Gemeindepräsidenten in der neueren Zeit hatte der Untervogt das höchste Amt in der Gemeinde. Er wurde aus einem Dreiervorschlag der Gemeindebürger durch den Rat von Zürich gewählt und trug zu amtlichen Verrichtungen einen von der Stadt geschenkten Mantel.
Uster Zu diesem grossen und wichtigen Ort am Greifensee besteht nicht nur jetzt die Beziehung, dass wir für seinen "Wagerenhof" sammeln. Uster war die erste Gemeinde im Kanton Zürich, welche im Zeichen der Modernisierung schon 1850 die alten, hölzernen Abendmahlsbecher und -teller durch silberne ersetzte. Als die Wiediker zu Ostern 1879 zum ersten Mal im Bethaus Abendmahl feiern durften, fehlten zunächst noch die dazugehörigen Geräte. Durch irgend eine Beziehung kam man darauf, dass in Uster noch die alten, hölzernen vorhanden seien. Diese wurden der Gemeinde Wiedikon geschenkweise überlassen und dienten ihr, bis 1896 für die Bühlkirche neue aus Silber geschenkt wurden. Sie befinden sich jetzt in der ortsgeschichtlichen Sammlung, gehören aber der Kirchgemeinde.
Wappen Das Wappen der alten Gemeinde Wiedikon ist ein Reichsapfel, obere Hälfte rot, untere Hälfte weiss, die Fassung und das zum Kreuz führende Band wie das Kreuz in der Zwinge gelb, alles auf blauem Grund. Für Nachbildungen ist wichtig zu wissen, dass nach heraldischen Gesetzen Gelb nur mit Weiss und Gold nur mit Silber zusammen verwendet werden sollte. Eine Mischung von Gold und Weiss ist heraldisch falsch. Zum ersten Mal erscheint der "Wiedikerapfel" auf der Gygerschen Kantonskarte von 1667, aber erst in deren zweiter Auflage 1674 und 1743 wurde er erstmals in Wappenbüchern verzeichnet. In der Gemeinde selbst ist er erst 1752 bekannt (roh eingehauen in Eichenbalken im Weinkeller des "Falken") und seit 1764 eingemeisselt am Bethausbrunnen. Da er sowohl auf dem Murerplan als auch auf allen Vogteischeiben Zürichs fehlt, ist anzunehmen, dass man vor der Gygerkarte kein Wappen von Wiedikon kannte. Die Beziehung ist klar: es erinnert daran, dass Wiedikon einst ein Reichshof war und dem Kaiser gehörte (vgl. Gerichtsbarkeit). Der oft gelesene Hinweis, dass es die einstige Zugehörigkeit Wiedikons zur Reichsvogtei Zürich bezeichne, war nur so lange haltbar, als man noch nichts von einem besonderen Reichshof Wiedikon wusste.
Wiedo, Wieding Wenn 889 der Name Vviedinc hova erstmals urkundlich feststellbar ist (vgl. Perchtelo), heisst das "Hof der Wiedinge", d.h. der Sippe des Wiedo. Dieser war offenbar der Alemanne, welcher hier den Wald gerodet und einen Hof gebaut hat. Die Deutung, dass Wiedo "Gott geweiht" heissen solle, ist absolut unzutreffend, so sinnreich sie auch schon ausgelegt wurde. Durch Umstellung der alemannischen Silben "do-wie" wurde versucht, das Wort mit dem lateinischen "devotus" gleichzusetzen.
Wiediker Post Unser Quartierblatt mit einem Leitartikel und Anzeigen wie Berichten unserer Vereine wird vertragsgemäss jeden Monat gratis an die Haushaltungen einmal dieser, einmal jener Strassen verteilt und hat darüber hinaus ein paar hundert Abonnenten vor allem aus den Kreisen der Vereine. Seit 1954 enthält es die, Heimatblätter von Wiedikon" als Beiblatt mit Beiträgen aus der Lokalgeschichte.
X, Y Für diese beiden Buchstaben gibt es weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart Wörter, welche eine Beziehung zu Wiedikon haben könnten. In Mathematik und Geometrie werden sie aber gern für die "unbekannten Grössen" verwendet, die errechnet werden sollten. Auch für die Dinge, welche auf diesen Blättern zusammengestellt vvorden sind, gibt es "unbekannte Grössen". X und Y sind hier die Antworten auf die Frage, wie es möglich gemacht werden könnte, die interessanten Entdeckungen und neuen Forschungen aus dem Gebiet unserer Lokalgeschichte zu publizieren, von welchen hier eine kleine Auslese geboten wird. Der Verfasser sucht nach dem X und dem Y, welche helfen könnten, einen kleinen Bildband über die Häuser von Alt-Wiedikon und ihre Geschichte sowie eine neue Chronik herauszugeben, ohne dass sehr hohe Druckzuschüsse a fonds perdu geleistet werden müssten und der Preis trotzdem noch viel zu teuer würde.
Ziegeleien Der Lehm, der vom Üetliberg abgerutscht ist und stellenweise bis in eine Tiefe von 15 bis 20 Metern abgebaut werden konnte, verschaffte dem Ziegeleigewerbe von jeher das nötige Rohmaterial. Die Nachfrage begann im päteren Mittelalter, als man anfing, den unteren Teil der Häuser aus Stein zu bauen und die Dächer mit Ziegeln zu belegen, um die Brandgefahr zu verkleinern. Zu Zeiten bestanden auf Wiediker Boden bis zu 10 Ziegelhütten, von denen einige der Stadt Zürich gehörten, während andere als Erblehen von Wiediker Bauern betrieben wurden. Auch als die mechanischen Ziegeleien aufkamen und die handwerklichen Betriebe verdrängten, entstanden sie dort, wo das Rohmaterial in der Nähe zu finden war. Von den Ziegeleien im Binz, im Giesshübel, beim Sihlhölzli (Bockhorn), im Heuried und im Tiergarten besteht allerdings nur noch die letztere. Der Abbau des Lehmes hat die Topographie unserer Gegend sehr stark verändert, aber durch die Ueberbauungen (Binz- und Grubenstrasse) und die Auffüllungen (Heuried) sind die Veränderungen nicht mehr so augenfällig.
Zünfte Die berufsständische Ordnung der Zünfte Zürichs hatte auf Wiedikon starken Einfluss, da sie in der Nähe der Stadt die Entwicklung von Handwerk und Gewerbe stark einschränkte, wenn nicht gar unterband. So durfte z.B. der Gesellenwirt an Fremde keine warmen Speisen verabreichen. Damit dürfte auch zusammenhängen, dass vor 1808 keine Schmiede in Wiedikon bekannt war. Während der Mediationszeit war der Kanton Zürich von 1803 bis 1813 in 5 Bezirke eingeteilt, von welchen jeder 13 Wahlkreise hatte, die Zünfte genannt wurden, wie auch von 1833 bis 1866 die Wahlkreise Zünfte genannt wurden. Wenn in dieser Zeit der Name einer Zunft Wiedikon erscheint oder wenn es hier gar einen Zunftgerichtspräsidenten gab, war dies ein politischer Begriff. Von diesem Begriff her wird auch der Zunftverein Wiedikon zu verstehen sein, der 1834 bei der Gründung der Sparkasse Limmattal beteiligt war. Die Zunft zuWiedikon wurde 1891 gegründet. Sie nimmt nicht nur im gesellschaftlichen Leben des Quartiers eine wichtige Stellung ein, sondern fühlt sich auch den Traditionen von Alt-Wiedikon verpflichtet. So entschloss sie sich bei der Frage einer Kostümierung, den Aufmarsch der Dorfbevölkerung mit dem Vogt zum Gerichtsplatz zur Darstellung zu bringen, während die Reitergruppe den Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg mit seinen Gästen auf der Jagd zeigt. Dies alles unter Bezugnahme auf jene Urkunde von 1259, welche Wiedikon erstmals als Reichshof nennt.
Zürich Die Beziehungen Wiedikons zu Zürich haben sich im Lauf der Jahrhunderte mannigfach verändert. Ganz ursprünglich scheint Wiedikon einmal zum Reichshof Zürich gehört zu haben, wie ihn 853 Ludwig der Deutsche der Abtei schenkte. Wenn wir 1259 aber einen eigenen Reichshof Wiedikon vorfinden, muss dieser in der Zwischenzeit, vielleicht 1218 nach dem Tode Berchtolds V. von Zähringen, aus dem Hof Zürich gelöst worden sein. Die näheren Umstände sind von hier aus nicht zu erforschen, sondern dürften sich ergeben, wenn einmal die Geschichte des Hofes Zürich genauer ergründet wird. 1386 fiel Zürich die hohe Gerichtsbarkeit über Wiedikon zu. Seit um 1406 die niedere Gerichtsbarkeit von den Rittern Mülner an Bürgermeister Glentner übergegangen war, wurden die Wiediker gegenüber der Stadt steuer- und wohl auch militärdienstpflichtig. Nach dem Ankauf der niederen Gerichtsbarkeit durch die Stadt wurde Wiedikon zu deren innerer Vogtei und blieb es bis 1799. Aber es blieb nicht einmal 100 Jahre lang eine selbständige Gemeinde, da es 1892 anlässlich der Stadtvereinigung endgültig zum Stadtquartier wurde. Die Wiediker stimmten dieser mit 1113 Ja gegen nur 22 Nein zu. Die Abhängigkeit des Quartiers von der Stadt zeigt sich auch weiterhin darin, dass ein Stadtkreis von der Grösse und Bevölkerungszahl einer grösseren Schweizerstadt wirtschaftlich (Geschäfte) und kulturell (Theater, Museen, Konzerte, Kinos, grosse Säle usw.) auf die "City"angewiesen ist. Die Weiterentwicklung dieser "City" wirkt sich auch bereits darin aus, dass wie in der Altstadt auch im Kreis 3 die Bevölkerungszahl abnimmt, weil Büros und Geschäfte die Wohnungen verdrängen.