Wiedikon

Wiediker Panorama vom Turm der Bühlkirche

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Geschichte

Aus der Geschichtsdokumentation zum Anlass des 25-jährigen Jubiläums der UBS Wiedikon im Jahr 1983

Der Alemannenhof

vor 800 Der Alemanne Wiedo siedelt sich an.
889 Erste urkundliche Erwähnung von Wiedikon: Perchtelo vermacht einen Teil seines Besitzes an das Stift Felix und Regula in Zürich.
1210/18 Zweite urkundliche Erwähnung von Wiedikon in einem Zehntenbeschrieb der Kirche St. Peter.

Der Reichshof

1259 Ritter Jakob Mülner verkauft den zum Reichshof Wiedikon gehörenden Talacker an das Kloster Selnau. Erste Angabe über die Rechtsverhältnisse in Wiedikon: Als kaiserliches Gut ist der Hof den Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg zur Leihe gegeben. Sie sind als Vögte die Inhaber der hohen und der niederen Gerichtsbarkeit.
vor 1429 Die "Offnung" von Wiedikon wird aufgeschrieben. Es handelt sich offenbar um eine Revision der bisherigen Offnung mit Anpassung an die neuen Rechtsverhältnisse.
1442/43 Wiedikon erscheint erstmals in einem Rodel über die militärische Macht Zürichs. Es hat 4 Armbrustschützen und 12 Mann mit Hellebarden zu stellen.
1443 Auf Wiediker Boden wird die Schlacht bei St. Jakob an der Sihl ausgetragen.
1463 Aesch wird der Vogtei Wiedikon angeschlossen.
1488 Wiedikon und Aesch haben 10 Gulden an den Ausbau der Grossmünstertürme zu zahlen.

Die innere Vogtei von Zürich

1504 Das grosse Eidgenössische Freischiessen wird auf dem Sihlfeld abgehalten. Wetzel von Wiedikon gewinnt den 4. Preis von 35 Gulden. Rudi Zerlinden erscheint als erster urkundlich nachweisbarer Untervogt von Wiedikon.
1527 Zürich übernimmt vom Grossmünsterstift die Vogtei Albisrieden und schliesst diese mit Wiedikon zusammen.
1531 Aus Wiedikon und Enge werden 6 Männer gemeldet, die in der Schlacht bei Kappel gefallen sind.
1599 Die Bürger von Wiedikon richten mit solchen aus Enge und Albisrieden und den Stadtquartieren herwärts der Limmat zusammen eine Eingabe an den Rat. Sie erbitten eine zweite deutsche Schule.
1620 Die Gemeinde Wiedikon kauft mit Erlaubnis des Rates von Zürich das Haus Heinrich Kellers, um fortan darin Gericht und Schule zu halten (heute "Falken").
1637 Das älteste Bevölkerungsverzeichnis von Wiedikon umfasst etwa 440 Einwohner.
1667 Auf der zweiten Ausgabe von Gygers Kantonskarte erscheint zum ersten Mal der Reichsapfel als Wappen von Wiedikon.
1674 Im Meyerschen Wappenbuch wird das Gemeindewappen mit dem Reichsapfel aufgenommen.
ca. 1720 Bau des ersten Bet- und Schulhauses an der heutigen Zweierstrasse, das alte Schul- und Gerichtshaus wird Gesellenhaus.
1731 Im Gesellenhaus wird eine Schildtafel mit den Wappen der Bürger gegründet.
1752 Das alte Schul- und Gerichtshaus wird als Gesellenhaus erweitert.
1756 Am Gesellenhaus wird ein Schild mit dem Wappen des Reichsapfels angebracht.
1764 Hans Jakob Bachmann, Säckelmeister, errichtet den jetzt vor dem Bethaus stehenden Brunnen
1787 Aussersihl wird von Wiedikon abgetrennt und zur eigenen Vogtei unter den gleichen Obervögten wie Wiedikon-Albisrieden.
1799 Wiedikon wird eine selbständige Gemeinde.

Selbstständige Gemeinde

1803 Ein erster Gemeinderat wird gewählt und vereidigt. Erster Gemeindepräsident: Konrad Hausheer.
1806 Die Einbürgerung wird gesetzlich geregelt.
1812 Die Brandversicherung wird eingeführt, alle Häuser bekommen ihre Assekuranznummern. Wiedikon hat 59 Häuser.
1815 Die alten Stroffelweidzinsen (Abgaben für eingehegtes Gemeindeland) werden abgelöst.
1817/18 Ingenieur Dietzinger erstellt einen genauen Plan der Gemeinde.
1818 Gemeindebeschluss: Die sechs ältesten Gemeindebürger werden von der Pflicht zu Frondiensten befreit.
1823 Gründung des Gemischten Chores. Wiedikon besitzt 1 Taverne und 4 Weinschenken.
1830 Eine Nachtwächterordnung wird beschlossen.
1831 Es wird eine Schulpflege gegründet. Gründung des Männerchores.
1834 Die Einrichtung einer Metzgerei im Gesellenhaus wird bewilligt. Gründung der Papierfabrik an der Sihl auf dem alten "Moosgut", erste Industrieniederlassung in Wiedikon.
1836 Der spätere Bundespräsident Jonas Furrer wird aus dem Wahlkreis Wiedikon in den Grossrat gewählt.
1840 Wiedikon hat 1 Taverne und 11 Weinschenken.
1842 Das Gesellenhaus wird renoviert und erhält den aus Gelegenheitskauf stammenden "Falken"-Schild.
1847 Bau der Birmensdorferstrasse.
1848 Die Bundesverfassung wird einstimmig angenommen (wie in 40 anderen Gemeinden).
1849 Neues Schützenhaus im Sihlhölzli.
1852 Friesenberg, Döltschi, Au, Halde, Binz und Giesshübel, die 1787 bei der Abtrennung von Aussersihl diesem zugeteilt worden waren, kommen an Wiedikon zurück.
1859 Gründung einer Schützengesellschaft.
1861 Gründung des Frauenhülfsvereins.
1870 Wiedikon hat 2848 Einwohner.
1874 Gründung des Turnvereins.
1875 Einweihung der Üetlibergbahn. Einweihung der linksufrigen Zürichseebahn, die Wiedikon, welches noch keinen Bahnhof hat, durchfährt.
1876 Letzte grosse Überschwemmung an der Sihl.
1878 Gründung eines landwirtschaftlichen Vereins. Beginn der Sihlkorrektion.
1880 Die Gemeinde verkauft den "Falken".
1881 Bau des alten Bahnhofes Wiedikon.
1892 Letzter Bürgertrunk. Erste Anfänge einer Gemeindekrankenpflege. Stadtvereinigung : Wiedikon stimmt mit 1113 Ja gegen 22 Nein zu. Es gibt seine Selbständigkeit, die es 1799 erhalten hatte, auf.

Stadtquartier

1894 Wiedikon hat 8925 Einwohner. Bau der Wiedingstrasse und Entdeckung eines Kelten-und Alemannenfriedhofes.
1896 Einweihung der Kirche auf dem Bühl.
1897 Gründung der Zunft zu Wiedikon.
1898 Das erste Tram kommt nach Wiedikon.
1899 Abbruch des Kehlhofes.
1917 Gründung des Quartiervereines
1922 Gründung des Vereinskartells.
1957 Das achte Hochhaus in Wiedikon entsteht.
1958 Eröffnung SBG: Erster Autoschalter in der Schweiz.
1974 300 Jahre Wappen von Wiedikon.
1983 Wiedikon hat 13676 Einwohner.

Historische Häuser

Nachfolgend das Modell von Wiedikon um 1800, welches im Ortsmuseum ausgestellt ist.

Modell von Wiedikon um 1800

Aus dem Heimatbuch Wiedikon von Paul Etter

Zweierstrasse 86

Zweierstrasse 98/102

Zweierstrasse 109

Zweierstrasse 118/129

Zweierstrasse 122/124

Zentralstrasse 18

Zweierstrasse 130

Zweierstrasse 132

Zurlindenstrasse 88

Zurlindenstrasse 88/82/84

Zurlindenstrasse 85

Zweierstrasse 146

Zweierstrasse 154/156

Zweierstrasse 164

Zweierstrasse 165/167

Zweierstrasse 174/176

Zweierstrasse 174/176

Zweierstrasse 186

Rotachstrasse 1

Zweierstrasse 190

Zweierstrasse 198

Zweierstrasse 195

Schrennengasse 1

Schrennengasse 10

Haldenstrasse 145

Haldenstrasse 144

Haldenstrasse 122/126

Haldenstrasse 122

Haldenstrasse 116

Bühlstrasse 25/27

Schlossgasse / Wiedingstrasse

Schlossgasse 34

Schlossgasse 41 (jetzt Kollerwiese)

Schlossgasse 24

Steinstrasse 2 / Schlossgasse 19

Steinstrasse 8

Steinstrasse 10

Schlossgasse 11 / Gotthelfstrasse 54

Schlossgasse 14

Schlossgasse 9

Schlossgasse 10, Bethaus

Schlossgasse 7

Schlossgasse 4

Schlossgasse 3, 5

Zurlindenstrasse 59

Birmensdorferstrasse 146 "Schmiede"

Zurlindenstrasse 57

Birmensdorferstrasse 133, 135 / Zurlindenstrasse 57

Birmensdorferstrasse 129 "Frohsinn"

Birmensdorferstrasse 134

Birmensdorferstrasse 125

Aegertenstrasse 56

Zentralstrasse 2 / Birmensdorferstrasse 120

Zentralstrasse 1 / Birmensdorferstrasse 126

Zentralstrasse 5

Zentralstrasse 6, 8

Kleines ABC vom alten Wiedikon

Abtei Die Beziehungen Wiedikons zur Abtei Felix und Regula (Fraumünster) waren hauptsächlich wirtschaftlicher Art. Im Jahr 889 vermachte Perchtelo von seinem Besitz in "Vviedinc hova" Güter an dieses Kloster. Diesem fiel auch bis ins 19. Jahrhundert der Zehnten von Wiedikon zu.
Albis Bei der Erwähnung dieses Namens dachten die Leute im alten Wiedikon nicht an den Bergzug, den wir als Albis kennen, sondern an ihren eigenen Albis, d.h. ihre Äcker im Friesenberg. Solange diese in der früher üblichen "Dreifelderwirtschaft" bebaut wurden, lag eine der drei "ZeIgen" im grossen oder kleinen Albis, die beiden andern im obern Sihlfeld (zwischen Saum- und Hohlstrasse) und im untern Sihlfeld (zwischen Hohlstrasse und Sihl). Die "Zelgen" wurden abwechslungsweise mit Winter- oder Sommergetreide bebaut und lagen im dritten Jahr brach.
Alemannen Im späteren 8. Jahrhundert (Ortsnamen auf -ikon) haben sich auf dem Gebiet der späteren Gemeinde Wiedikon Alemannen angesiedelt. Nach dem Alemannen Wiedo wurde der Hof benannt, aus welchem sich das Dorf und später das Stadtquartier entwickelten. Alemannengräber fanden sich an der Wiedingstrasse und an der Kernstrasse.
Alter Zürichkrieg Dieser leidige Span der Eidgenossen mit Zürich ist hier darum besonderer Erwähnung wert, weil 1444 die Schlacht bei St. Jakob an der Sihl auf einstmaligem Wiedikerboden stattfand, und weil die Eidgenossen, als ihnen trotz allen Bemühungen die Eroberung der Stadt Zürich nicht gelang, ihren Hass an der Umgebung ausliessen und Wiedikon samt Albisrieden verbrannten.
Aussersihl Das ganze Gebiet von Aussersihl samt dem davon abgetrennten Industriequartier (Kreise 4 und 5) gehörte ursprünglich zu Wiedikon. Die hier vorhandenen Bauernhöfe (z.B. Werd, Hard, Kreuel) wurden von Leuten bebaut, welche nicht in Wiedikon Bürger waren. Daraus ergaben sich Spannungen. Als die Bevölkerungszahl zugenommen hatte, erfolgte 1787 die Abtrennung der inneren Vogtei Aussersihl von der inneren Vogtei Wiedikon. Es waren dafür aber die gleichen Obervögte zuständig.
Bahnhöfe Wiedikon wurde verhältnismässig spät an den Bahnverkehr angeschlossen. 1875 wurde die linksufrige Seebahn gebaut, aber Wiedikon bekam seinen Bahnhof an dieser Linie erst 1891. Ebenfalls 1875 wurde auch die Üetlibergbahn gebaut, welche auf Wiediker Boden die Bahnhöfe Giesshübel und Binz bekam.
Berufe Die Annahme, dass sich im alten Wiedikon selbstverständlich alle Einwohner in der Landwirtschaft betätigt hätten, lässt sich eindeutig widerlegen. Handwerk und Gewerbe waren zwar in der Nähe der Stadt stark eingeschränkt. Aber diese bot schon im 17. und 18. Jahrhundert den kleinen Bauern Gelegenheit, einem regelmässigen Verdienst nachzugehen. Andere betrieben Heimarbeit. Wir finden Buchdrucker, Brunnenmacher, Färber, Feldschreiber, Gassenbsetzer, einen Glockengiesser, einen Hufschmied, verschiedene Küfer, Leinenweber, Mahlmeister, Maurer, Metzger, Pfister, Sackträger und Sackfuhrmann, Schneider, sehr viele Schuhmacher, mehrere Seidenmüller und Seidenfärber, einen Steinhauer, Strehlmacher, mehrere Strumpfweber, Tischmacher, einen Uhrmacher, auch Weber, Wollenkämmler und Wollenleser, Zimmerleute. Im 18. Jahrhundert kamen verschiedene Wagnereien auf, von welchen die Wagnerei Meyer gegenüber dem Bethaus die berühmteste wurde und blieb. Mehrere Bauernhöfe waren auch mit Ziegelhütten verbunden. Eine Schmiede gab es erst seit 1808.
Bethaus Das heute noch stehende Bethaus an der Schlossgasse wurde am 1.Mai 1791 durch den berühmten st. Peterpfarrer J.C. Lavater eingeweiht und diente der Gemeinde bis 1896 (Bau der Bühlkirche) als eigentliche Kirche, jedoch nur bis 1842 (Bau des Gotthelfschulhauses) auch als Schulhaus. Nach dem Bau der Bühlkirche schien es überflüssig geworden zu sein, aber als die Gemeinde immer grösser wurde, fand sie dafür doch immer wieder Verwendung. Ein erstes Bethaus entstand um 1720 auf dem Platz des heutigen Kreisgebäudes an der Zweierstrasse. Im 19. Jahrhundert befand sich darin die Gemeindekanzlei.
Bühlkirche Sie wurde 1895/96 auf dem Moränenhügel oberhalb des Dorfes erbaut, wo ausser den wenigen Bauernhöfen des "Wyl" noch keine Gebäude standen, während die Abhänge beidseits mit Reben bepflanzt waren. Der Name Bühl findet sich urkundlich erstmals 1292 im Zusammenhang mit einem Landabtausch zwischen dem Kloster Oetenbach und dem deutschen Kaiser.
Chridegladi und böse Else In einem alten fasnächtlichen Brauch zogen die Wiediker Buben einst an einem Seil ein Rad in die Stadt, auf welchem Chridegladi und böse Else als zwei Strohpuppen angebracht waren. Während der "Fahrt" drehte sich das Rad und die Puppen, die einander zu bedrohen schienen, waren abwechselnd oben und unten. Es handelte sich dabei um eine alt-heidnische Symbolik des Kampfes zwischen Winter und Frühling resp. Böse und Gut. Im Neujahrsblatt der Musikgesellschaft der deutschen Schule auf das Jahr 1786 ist dieser alte Brauch abgebildet und beschrieben. Vor einigen Jahren führten Wiediker Kinder das Rad mit den beiden Puppen wieder am Kinderumzug des Sechseläutens in einer Nachbildung mit.
Chronik Leider gibt es für Wiedikon keine gültige Chronik mehr. 1911 gab Conrad Escher seine "Chronik Wiedikon-Aussersihl" heraus, welche aber in ihren historischen Teilen gänzlich überholt ist. Wertvoll bleiben darin neben den Bildern die Mitteilungen von Zeitgenossen des Verfassers. Auch Arnold Schaufelbergers 1941 herausgegebene Schrift "Gemeinde Wiedikon und 150 Jahre Kirche-Schule" ist weithin überholt. Die Ansätze zu einer neuen Chronik durch genaue Erforschung der eigentlichen historischen Quellen finden sich seit einigen Jahren in den "Heimatblättern von Wiedikon", Beilage zur "Wiediker Post". So wären die Unterlagen für eine neue Chronik eigentlich vorhanden.
Eidgenössisches Schützenfest Da sich für den Buchstaben E fast nichts finden liess, sei das glanzvolle Eidg. Schützenfest von 1834 erwähnt. Das erste, welches in Zürich stattfand. Festplatz war die Aegertenwiese. Am 17. Juli wurde das Fest von der ganzen Tagsatzung besucht. Im Zusammenhang damit sei auch berichtet, dass das letzte grosse Schützenfest der alten Eidgenossenschaft vor der Glaubensspaltung ebenfalls auf dem Boden von Wiedikon stattfand. Es war das grosse Freischiessen von 1504 auf dem Sihlfeld. Auf der Aegertenwiese fanden früher auch Knabenschiessen statt.
Einbürgerungen Die alten Wiediker waren mit der Verleihung des Bürgerrechtes sehr sparsam und haben die Einkaufssummen immer höher angesetzt, um den Bürgernutzen nicht auf allzuviele "Dorfgerechtigkeiten" verteilen zu müssen. Diese kamen nur denjenigen zu, welche innerhalb des Dorfbannes Haus und eigene Feuerstelle besassen. Aus den daraus erfolgenden Spannungen erfolgte 1787 die Abtrennung von Aussersihl. Seit dem 17. Jahrhundert haben sich aber trotzdem Geschlechter eingebürgert, welche später z.T. sehr einflussreich wurden wie die Abegg, Höhn, Hottinger, Koller. 1845 wurde der Luzerner Polizeikorporal Joseph Birrer, welcher Dr. Steiger in Luzern zur Flucht verholfen hatte, das Bürgerrecht geschenkt. Im 19. Jahrhundert gab es dann allerdings von Jahr zu Jahr mehr Einbürgerungen, manchmal ein Dutzend und mehr pro Jahr, auch von Ausländern. Ein solcher soll einmal, kaum selbst zum Bürger aufgenommen, an einer nächsten Bürgerversammlung lautstark gegen weitere Einbürgerungen opponiert haben: "I bin dagege, i mein, wir sans jetz gnue alte Wiediker".
Falken siehe Gesellenhaus
Friesenberg Auf der "Goldbrunnenegg" benannten Kuppe am Üetliberghang wurde im 12. Jahrhundert die Burg Friesenberg erbaut, wahrscheinlich als Teil der äusseren Stadtbefestigung, d.h. als Hindernis für eine allfällige Umgehung des Letzigrabens durch einen Feind. Die Burg war Lehen der Ritter Mülner und ging später in ihren Besitz über. Die Umstände der bereits 1317 bekundeten Zerstörung sind unbekannt. Die Ruinen wurden 1925/29 ausgegraben und erwiesen sich als bedeutender als ursprünglich erwartet wurde. Weitere Forschungen sind seither immer noch vorgesehen. Ein Modell der Burganlage (Rekonstruktion der ursprünglichen Gestalt) von H. Defatsch befindet sich als Leihgabe des baugeschichtlichen Museums in der ortsgeschichtlichen Sammlung bzw. im Ortsmuseum Wiedikon. Zur Burg gehörten auch eine Mühle und ein sehr grosser Bauernhof. Heute kommt der Name Friesenberg der Kirchgemeinde zu, welche nach Überbauung des ganzen Gebietes 1950 von Wiedikon abgetrennt wurde.
Gerichtsbarkeit Im Mittelalter unterstand jedes Dorf einer hohen und einer niederen Gerichtsbarkeit, die meist in verschiedenen Händen lagen. Für Wiedikon weiss man seit 1259 um die genaueren Verhältnisse Bescheid. Das Dorf, dessen Besitz das Gebiet der heutigen Stadtkreise 3, 4 und 5 ausmachte, war ein dem deutschen Kaiser gehöriger Reichshof, verliehen den Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg, von diesen weiter verliehen den Rittern Mülner von Zürich. Diese Ritter besassen bis 1386 die hohe und bis ca. 1406 die niedere Gerichtsbarkeit über Wiedikon. Sie kamen als Vögte zu den Gerichtsversammlungen. Gerichtsplatz war der lindenbestandene "Sarbiplatz", auf welchem heute das Bethaus steht. Die Zunft zu Wiedikon erinnert in ihrer Kostümierung am Sechseläuten an den einstigen Aufmarsch des Vogtes und der Dorfbevölkerung zum Gerichtsplatz. Das hohe Gericht fiel 1386 nach dem Tode des letzten Ritters Mülner (Gottfried III.), der bei Sempach auf der Seite Herzog Leopolds fiel, an die Stadt Zürich. Das niedere Gericht wurde offenbar von seinen Erben kurz nach 1400 an den Bürgermeister Glentner von Zürich verkauft und kam dann durch Erbschaft an den Bürgermeister Heinrich Schwend, dessen Nachkommen es 1491 an die Stadt Zürich verkauften. Weiteres siehe Obervögte.
Geschworene Die in früheren Jahrhunderten oft erwähnten Geschworenen (auch einfach "die vier" genannt), haben nichts mit den Richtern aus dem Volke zu tun, welche heutzutage das Geschworenengericht bilden. Es war die Amtsbezeichnung für die Männer, welche man später Gemeinderäte genannt hat.
Gesellenhaus 1620 kaufte die Gemeinde Wiedikon mit Erlaubnis des Rates von Zürich das Bauernhaus Heinrich Kellers, um es fortan als; Gerichts- und Schulhaus zu benützen. Trotzdem das Wirten von Anfang an nur bei besonderen Gelegenheiten erlaubt war, entwickelte sich daraus das "Gesellenhaus" genannte Dorfwirtshaus, das gegen Zins dem Gesellenwirt verpachtet wurde. Neben dem Schulmeister amtete hier seit 1647 auch der Katechet, der Kinderlehre und Unterweisung hielt. Nachdem um 1720 Schule und Kirche in ein eigenes Bethaus ausgezogen waren, wurde das Gesellenhaus zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Gemeinde. Hier wurden Gemeindeversammlungen und Bürgertrünke abgehalten, hier wurden die Silberbecher der Bürger aufbewahrt, hier befand sich auch die Schildtafel mit deren Familienwappen. Im Dezember 1970 jährte sich der Ankauf des Hauses zum 350. Mal und eine besondere Publikation berichtet näher über das Gesellenhaus. Das 1620 gekaufte Haus hatte den Grunddriss des heutigen Weinkellers. 100 Jahre später wurde es vergrössert. Nach einer 1842 erfolgten Renovation wurde das alte Schild mit dem Wappen der Gemeinde durch einen "Falken" ersetzt, der damals als Gelegenheitskauf günstig zu erwerben war. 1880 wurde der "Falken" verkauft und kam aus privaten Händen 1907 an die Stadt Zürich.
Helvetier (Kelten) 1894 wurden beim Bau der Wiedingstrasse auf deren höchstem Punkt Gräber entdeckt und ausgegraben, die von den Helvetiern stammen. Das Grab einer helvetischen Frau wurde beim Bau der Bühlkirche entdeckt. Aus diesen Funden lässt sich schliessen, dass sich auf unserem Boden eines der 400 helvetischen Dörfer befunden hat, welche alle verbrannt wurden, als die Helvetier auszogen, um in einem milderen Klima eine neue Heimat zu suchen. Als sie von Cäsar bei Bibracte geschlagen wurden und unter römischer Oberherrschaft heimkehren mussten, haben sie es unter Umständen auch hier wieder aufgebaut. Die Funde stammen jedenfalls alle aus der vorrömischen Zeit.
HJB.S Wo hat man diese 4 seltsamen Buchstaben schon gesehen? Natürlich: sie stehen eingemeisselt am Stock des Brunnens vor dem Bethaus. Neben der Jahrzahl 1764 und dem Gemeindewappen. Aber wie sind sie zu deuten? Hans Jakob Bachmann, 1718 - 1788, war von 1760 bis 1767 Säckelmeister (Gutsverwalter) der Gemeinde. In seine Amtszeit fiel offenbar eine Erneuerung des Brunnens. Es sind keine Gemeinderechnungen aus jener Zeit erhalten. Darum ist nicht auszumachen, ob er sich mit den Initialen seines Namens und Amtes verewigt hat, weil er für diese Erneuerung sorgte, oder ob er gar den Brunnen gestiftet und aus dem eigenen Sack bezahlt hat. Er wohnte selbst an der Schlossgasse. Es gibt noch heute Nachkommen, welche die Bedeutung der Buchstaben kennen und sie mit ihrem Ahnen in Verbindung bringen.
Jubiläen Das Interesse an der Vergangenheit ist leider gegenwärtig so gering, dass selbst Gedenktage leicht vergessen werden könnten. Im Juni 1959 waren es z.B. 700 Jahre her, dass Wiedikon als Reichshof erstmals urkundlich genannt wurde. Unter dem Titel "700 Jahre Reichsapfel" - das Wappen geht ja auf jene Zeit zurück, auch wenn es erst später entstand - hielt der Verfasser einen Lichtbildervortrag vor Mitgliedern der Zunft zu Wiedikon und des Quartiervereins. Auch "50 Jahre Bühlkirche" wurde 1946 nur beiläufig gefeiert. Da aber Gedenktage doch geeignet sind, das Interesse zu wecken, sei hier festgehalten, welche Jubiläen in der Zukunft zu beachten sind:
1970 Dezember: 350 Jahre Gesellenhaus ("Falken")
1982 Neujahr: 100 Jahre Kirchgemeinde Wiedikon
1989 Juni: 1100 Jahre Wiedikon (die 1. urkundliche Erwähnung einer Gemeinde gilt als deren "Geburtsschein")
1991 1. Mai: 200 Jahre Bethaus
1992 Neujahr: 100 Jahre Stadtquartier
1996 November: 100 Jahre Bühlkirche
Katechet Solange Wiedikon zum St. Peter kirchgenössig war, gab es hier kein besonderes kirchliches Amt. Um aber die Jugend in Kinderlehre und Unterweisung besser unterrichten zu lassen, wurde. 1647 das Amt des Katecheten geschaffen, der vom Pfarrer zu St. Peter gewählt wurde. Mancher junge Pfarrer, der mit vielen andern lange auf eine Anstellung zu warten hatte, bekam dadurch die Gelegenheit eines bescheidenen kirchlichen Dienstes zu einer ganz bescheidenen Entlöhnung. Bis 1720 amtete der Katechet im Gesellenhaus. Von da bis 1791 im alten und dann im neuen Bethaus. Im 19. Jahrhundert hatte er auch sonntäglich Gottesdienst zu halten. Durch ein neues Kirchengesetz wurden 1861 die Katechetenstellen abgeschafft und der letzte Katechet von Wiedikon (Kaspar Ruckstuhl) wurde auf Neujahr 1862 dessen erster Pfarrer.
Kehlhof Im Mittelalter besass jede Vogtei einen Meyerhof und einen Kehl- oder Kelnhof. Wie der Meyer war auch der Keller oder Kelner eine Amtsperson zwischen der Dorfbevölkerung und dem Vogt. Ihm oblag es, die Naturalzinsen der Bauern einzuziehen und in seiner besonders grossen Scheune zu verwahren. Der Kehlhof von Wiedikon wurde aber schon durch den Ritter Rudolf Mülner an Ulrich Dietschi in Zürich verkauft, 1373 verkaufte Konrad Dietschi ihn an das Kloster Selnau. Als Erblehen des Spitals kam er nach und nach in privaten Besitz. 1899 wurde er abgebrochen. Er stand an der Ecke Kehlhof-/Zweierstrasse.
Kirchgemeindehaus Die Kirchgemeinde Wiedikon besass seit 1925 an der Aemtlerstrasse 23 das Zwinglihaus mit seinem Kirchensaal und etlichen Räumen für die übrige Gemeindearbeit. Als dieses aber 1952 zum Mittelpunkt der abgetrennten Kirchgemeinde Sihlfeld wurde, hatte die Muttergemeinde Wiedikon keine Räumlichkeiten mehr für ihr Gemeindeleben. Im gleichen Jahr aber erfolgte der Baubeginn für ein eigenes Kirchgemeindehaus an der Bühlstrasse, das im Oktober 1953 eingeweiht werden konnte.
Kohlbenhof Der Kolbenhof im Friesenberg gehört zu den ältesten äusseren Höfen von Wiedikon. Es ist schon vermutet worden, dass sich hier ein Alemanne namens Kolb angesiedelt und dem Hof seinen Namen hinterlassen habe. Im Mittelalter gehörte der Kolbenhof der Abtei, später wurde er Privatbesitz. 1582 wurde er jedoch von der Gemeinde Wiedikon gekauft, die ihn fortan verpachtete. Darum wurde er 1787 bei der Abtrennung von Aussersihl nicht wie alle anderen äusseren Höfe dieser neuen Gemeinde zugeteilt, sondern verblieb bei Wiedikon. 1807 wurde er wieder Privatbesitz.
Landwirtschaftlicher Verein Gegründet 1874 hatte er während Jahrzehnten eine grosse gesellschaftliche Bedeutung. Wenn es auch nicht möglich ist, hier alle Wiediker Vereine aufzuführen, so gebührt doch dem landwirtschaftlichen Verein ein besonderes Gedenkwort. 1964 haben ihn die letzten Mitglieder aufgelöst und neben einem Silberbecher ein grosses, 11 kg schweres Photoalbum der ortsgeschichtlichen Sammlung übergeben, welches seltene Aufnahmen vom alten Wiedikon enthält.
Lehm In der letzten Eiszeit wurde am Rang des Uetliberges viel Lehm abgelagert, der aber keinen soliden Untergrund hatte, so dass er etwa 7000 Jahre vor Chr. ins Rutschen kam und die bisher von der Sihl durchflossene Mulde zwischen Rebhügel/Bühl und dem Friesenberg ausfüllte. Die Sihl wurde abgedrängt und musste sich ein neues Bett suchen. Die Lehmvorräte aber wurden später für die Zwecke der Ziegelei ausgebeutet. Dabei kam zu Tage, dass der Lehm einen Föhrenwald zerstört hatte, die Strünke der Föhren blieben aber erhalten. Überreste von solch 9000-jährigem Holz befinden sich in der ortsgeschichtlichen Sammlung (Ortsmuseum Wiedikon). Noch heute ist der Lehm die Ursache dafür, dass im Friesenberg und z.T. weit nach Wiedikon hinab der Baugrund sehr schlecht ist, Häuser Risse bekamen und geflickt oder gar abgetragen werden mussten und für Neubauten sehr starke Pfählungen nötig sind (Friesenberg = Lehmbodenalp).
Meyerhof Vertreter des mittelalterlichen Vogtes innerhalb der Vogtei war der Meyer auf dem Meyerhof. Während in vielen Gemeinden der Meyerhof heute noch ein Begriff ist (z.B. in Höngg), ist er in Wiedikon leider immer noch unbekannt. Er muss im 15. Jahrhundert in zwei Höfe geteilt worden sein. Genauere Untersuchungen der Hofgeschichte von Wiedikon lassen erhoffen, dass auch der einstige Meyerhof noch bestimmt werden kann. Er dürfte in der Gegend des heutigen Schmiedeplatzes zu finden sein, vermutlich dort, wo heute die Schmiedenapotheke und der "Frohsinn" (heute Restaurant Desperado) stehen. Der Meyerhof von Wiedikon könnte eine gewisse literarische Berühmtheit für sich in Anspruch nehmen. C.F. Meyer erwähnt seine Verschonung durch eine Feuersbrunst der benachbarten Scheune im 7. Abschnitt seiner Novelle "Der Heilige". Was hier auf den 29. Dezember 1191 datiert ist, entbehrt aber höchstwahrscheinlich historischer Grundlage und ist ins Reich der Dichtung zu verweisen.
Mülner Die reichen und berühmten Ritter Mülner, deren Stammhaus später zum Hotel "Schwert" (später Samen-Mauser) wurde, besassen seit spätestens 1259 bis 1386 die hohe Gerichtsbarkeit über Wiedikon als Unterlehen der Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg, seit 1365 direkt vom deutschen Kaiser, bis kurz nach 1400 auch die niedere Gerichtsbarkeit. An den letzten Ritter Mülner (Gottfried III.) erinnern in der Schlachtkapelle Sempach und in der Klosterkirche Königsfelden sowie in deren Schatzkammer die gemalten Wappen. In Königsfelden, befindet sich auch sein Steingrab.
Obervogt Nachdem die Stadt Zürich schon 1386 die hohe und 1491 die niedere Gerichtsbarkeit über Wiedikon erhalten hatte, machte sie daraus eine sogenannte "innere Vogtei" und setzte darüber zwei Obervögte, welche sie von Jahr zu Jahr abwechselnd zu verwalten hatten. Diese Obervögte waren Ratsherren aus der Stadt und behielten - im Gegensatz zur Gepflogenheit in den "äusseren Vogteien" ihren Wohnsitz in der Stadt. Obervögte gab es bis zum Umsturz und zur Blldung einer selbständigen Gemeinde Wiedikon im Jahr 1799.
Ortsgeschichtliche Kommission und -Sammlung Am 30. November 1959 wurde in Wiedikon eine ortsgeschichtliche Kommission des Quartiervereins gegründet, bestehend aus Vertretern des Vorstands des Quartiervereins und der Vorsteherschaft der Zunft zu Wiedikon sowie an der Ortsgeschichte interessierten weiteren Mitgliedern. Sie übernahm die schon innerhalb der Kirchgemeinde angefangene kleine ortsgeschichtliche Sammlung und sucht diese ständig zu erweitern durch Dokumente und Gegenstände, welche der Nachwelt ein Bild und einen Eindruck der dörflichen Vergangenheit Wiedikons vermitteln können. Während in anderen Stadtquartieren eigentliche Heimatmuseen geschaffen werden konnten, ist bei uns der Zeitpunkt dafür verpasst worden. Die Sammlung befindet sich in der Wiedikerstube des Kirchgemeindehauses und kann Interessenten auf Wunsch gezeigt werden.
Perchtelo So hiess der Mann, welcher im Juni des Jahres 889 einen Teil seines Besitzes in Vviedinc hova der Abtei Felix und Regula vermacht hat. Es handelt sich um die alte Form des Namens Berchthold. Wer dieser Mann gewesen ist, der das Vermächtnis um seines Seelenheiles willen gemacht hat (vgl. Sgraffito am Hause Bühlstr. 191), ist schwer abzuklären. Wäre er ein freier Alemanne gewesen, hätte er keines Vormunds bedurft, wie ihn die betreffende Urkunde nennt. Eines Vormunds bedurfte aber bei weltlichen Geschäften ein Geistlicher. Einen solchen dieses Namens gab es damals unter den Chorherren des Grossmünsterstiftes, der übrigens Hofkaplan von König Karl III. (dem Dicken) war. Wenn auch die näheren Umstände dieses Vermächtnisses im Dunkeln bleiben, so enthält die betreffende Urkunde doch die erste geschichtlich nachweisbare Verwendung des Namens Vviedinc hova (Wiedikon).
Quartierverein 1867 wurde dieser Verein gegründet, um die Interessen der Gemeinde durch den Zusammenschluss ihrer Einwohner zu wahren. Seit der Stadtvereinigung von 1892 setzt er sich in besonderer Weise für alles ein, was für das Quartier wichtig ist, und vertritt die Interessen seiner Einwohner bei den Behörden. Würde seine Mitgliederzahl grösser sein als ein halbes Tausend, so könnte er einen bedeutend grösseren Einfluss gewinnen und auch mehr Mittel einsetzen. Die ortsgeschichtliche Kommission ist ein besonderes Organ des Quartiervereins.
Relief (Dorfmodell) von Wiedikon Wie das Dorf Wiedikon um 1790 ausgesehen hat, ist durch ein grosses Relief anschaulich dargestellt, das Pfr. Robert Epprecht um1970 in mühsamer Kleinarbeit unter Verwendung der Pläne von Hirzel und Dietzinger und aller erreichbaren Photographien erstellt hat. Es steht im ersten Stock des Kirchgemeindehauses im Korridor. Heute steht es im Ortsmuseum Wiedikon.
Römer Auf unserem eigentlichen Gemeindegebiet lassen sich kaum Spuren der Römer feststellen. Im 19. Jahrhundert werden vier römische Münzen genannt (Meyer von Knonau, Der Kanton Zürich), welche bei uns gefunden worden sein sollen, doch ist im Landesmuseum nur eine davon vorhanden. Eine römische Villa ist nur an der Grenze zwischen Wiedikon und Altstetten bekannt geworden. Sollte das helvetische Dorf nicht mehr aufgebaut worden sein, wäre unser Gebiet zur Römerzeit nicht besiedelt gewesen, und erst die Alemannen hätten die Wälder wieder urbar gemacht.
Schildtafel Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hatten die Bürger im Gesellenhaus eine Schildtafel. Jeder Bürger besass darin ein Täfelchen mit seinem Familienwappen, wie es da und dort noch in Zunftstuben üblich ist. Während z.B. die Schildtafel von Fluntern als Ganzes erhalten geblieben ist (neben der Eingangstüre zum Stadtarchiv im Stadthaus), haben die Wiediker die Familienwappen 1880 an die Bürger zurückgegeben, als sie den "Falken" verkauften. Eine Anzahl davon ist noch erhalten und wird von den betreffenden Familien sorgsam aufbewahrt. An die 20 konnten ermittelt werden und sollen in einer farbigen Reproduktion wieder zusammengestellt werden. Wer über den Verbleib noch nicht bekannter Wappentäfelchen etwas weiss, möge es bitte dem Verfasser (heute dem Ortsmuseum) melden. Zwei solcher Wappen (Koller und Ganz) sind der ortsgeschichtlichen Sammlung geschenkt worden.
Schmiede "Schmiede Wiedikon" ist vielbenützte Tramhaltestelle und vielbefahrener und -begangener Verkehrsknotenpunkt. Der Name geht auf die Dorfschmiede zurück, die an der Ecke Birmensdorferstrasse/Schlossgasse stand. An sie erinnert ein Mosaik an der Front des seitherigen Neubaus. Unter der alten Ordnung war es allerdings so nahe der Stadt kaum erlaubt, in einem Dorf eine Schmiede zu haben. Erst 1808 ist eine solche als Anbau an einen Bauernhof nachweisbar. Dieser lässt sich auf ein Erblehen der Brüder Zurlinden von 1512 zurückführen und war im 15. Jahrhundert "Des Schwenden Hof", um 1400 wurde er "Hühnerberghof" genannt.
Sihl Die Sihl hatte einst für Wiedikon eine grosse Bedeutung. Sie bildete auf weiter Strecke die Gemeindegrenze, so dass die alten Wiediker Pflichten hatten, um den Gefahren des Hochwassers und der mächtigen "Eisscharreten" zu wehren. Bei Überschwemmungen kam das Sihlwasser oft bis ins Dorf. Früher kannte man noch die "wilde" und die "zahme" Sihl, zwischen welchen das "Sihlhölzli" noch Gelegenheit zu echter Bubenromantik bot. Bis ca. 1000 vor Chr. hatte die Sihl einen anderen Lauf. Sie floss hinter dem Moränenhügel des Bühl gegen Altstetten und vereinigte sich erst dort mit der Limmat. Durch den vom Uetliberg herabgerutschten Lehm wurde sie abgedrängt und musste sich ein neues Bett schaffen.
Schwend Da noch ein "Schwendenweg" an den Namen des berühmten Zürcher Geschlechtes erinnert, seien hier auch die Beziehungen desselben zu Wiedikon dargestellt. Wie unter Gerichtsbarkeit ausgeführt, erbte Bürgermeister Heinrich Schwend 1429 die niedere Gerichtsbarkeit über Wiedikon und war damit (neben dem Reichsvogt) Gerichtsherr bis zu seinem 1470 erfolgten Tod. Ein Nachkomme, Johannes Schwend, verkaufte sie dann 1491 um 600 Pfund an die Stadt Zürich.
St. Peter Bis 1882 gehörte Wiedikon, zusammen mit Enge und Leimbach, kirchlich zum St. Peter, wo die Gemeindeglieder seit uralter Zeit das ausserordentliche Vorrecht besassen, Pfarrer, Stillstand (Kirchenpflege), Sigrist und Totengräber frei zu wählen. Die Loslösung erfolgte ganz allmählich: seit 1647 durch Übernahme des Unterrichtes und der Kinderlehre durch die Katecheten, später wurden jährlich viermal an hohen Feiertagen in Wiedikon Nachmittagsgottesdienste gehalten. Seit 1830 gab es jeden Sonntag Morgenpredigt im Bethaus. Seit 1789 konnten die Beerdigungen auf dem eigenen Friedhof durch den eigenen Katecheten erfolgen. Seit 1862 durften durch den nunmehr eigenen Pfarrer im Bethaus auch die Taufen gehalten werden. Seit 1879 waren hier auch eigene Abendmahlsfeiern erlaubt. So gab es 1882 nur noch die formelle Trennung und die Teilung des Kirchengutes nach Anzahl der Gemeindeglieder.
Tenntörli Wer das alte "Tenntörli", eine kleine Dorfwirtschaft, noch gekannt hat, wird bei Nennung des Namens an alte dörfliche Romantik erinnert, welche erst in den Dreissigerjahren dem Bau der Kantonalbankfiliale Wiedikon weichen musste. Es war ein kleines, verträumtes Haus, das wie alle andern alten Häuser zeitweise bis zu vier Besitzer hatte.
Untervogt Zwischen dem Verschwinden der Meyer im frühen Mittelalter und dem Aufkommen der Gemeindepräsidenten in der neueren Zeit hatte der Untervogt das höchste Amt in der Gemeinde. Er wurde aus einem Dreiervorschlag der Gemeindebürger durch den Rat von Zürich gewählt und trug zu amtlichen Verrichtungen einen von der Stadt geschenkten Mantel.
Uster Zu diesem grossen und wichtigen Ort am Greifensee besteht nicht nur jetzt die Beziehung, dass wir für seinen "Wagerenhof" sammeln. Uster war die erste Gemeinde im Kanton Zürich, welche im Zeichen der Modernisierung schon 1850 die alten, hölzernen Abendmahlsbecher und -teller durch silberne ersetzte. Als die Wiediker zu Ostern 1879 zum ersten Mal im Bethaus Abendmahl feiern durften, fehlten zunächst noch die dazugehörigen Geräte. Durch irgend eine Beziehung kam man darauf, dass in Uster noch die alten, hölzernen vorhanden seien. Diese wurden der Gemeinde Wiedikon geschenkweise überlassen und dienten ihr, bis 1896 für die Bühlkirche neue aus Silber geschenkt wurden. Sie befinden sich jetzt in der ortsgeschichtlichen Sammlung, gehören aber der Kirchgemeinde.
Wappen Das Wappen der alten Gemeinde Wiedikon ist ein Reichsapfel, obere Hälfte rot, untere Hälfte weiss, die Fassung und das zum Kreuz führende Band wie das Kreuz in der Zwinge gelb, alles auf blauem Grund. Für Nachbildungen ist wichtig zu wissen, dass nach heraldischen Gesetzen Gelb nur mit Weiss und Gold nur mit Silber zusammen verwendet werden sollte. Eine Mischung von Gold und Weiss ist heraldisch falsch. Zum ersten Mal erscheint der "Wiedikerapfel" auf der Gygerschen Kantonskarte von 1667, aber erst in deren zweiter Auflage 1674 und 1743 wurde er erstmals in Wappenbüchern verzeichnet. In der Gemeinde selbst ist er erst 1752 bekannt (roh eingehauen in Eichenbalken im Weinkeller des "Falken") und seit 1764 eingemeisselt am Bethausbrunnen. Da er sowohl auf dem Murerplan als auch auf allen Vogteischeiben Zürichs fehlt, ist anzunehmen, dass man vor der Gygerkarte kein Wappen von Wiedikon kannte. Die Beziehung ist klar: es erinnert daran, dass Wiedikon einst ein Reichshof war und dem Kaiser gehörte (vgl. Gerichtsbarkeit). Der oft gelesene Hinweis, dass es die einstige Zugehörigkeit Wiedikons zur Reichsvogtei Zürich bezeichne, war nur so lange haltbar, als man noch nichts von einem besonderen Reichshof Wiedikon wusste.
Wiedo, Wieding Wenn 889 der Name Vviedinc hova erstmals urkundlich feststellbar ist (vgl. Perchtelo), heisst das "Hof der Wiedinge", d.h. der Sippe des Wiedo. Dieser war offenbar der Alemanne, welcher hier den Wald gerodet und einen Hof gebaut hat. Die Deutung, dass Wiedo "Gott geweiht" heissen solle, ist absolut unzutreffend, so sinnreich sie auch schon ausgelegt wurde. Durch Umstellung der alemannischen Silben "do-wie" wurde versucht, das Wort mit dem lateinischen "devotus" gleichzusetzen.
Wiediker Post Unser Quartierblatt mit einem Leitartikel und Anzeigen wie Berichten unserer Vereine wird vertragsgemäss jeden Monat gratis an die Haushaltungen einmal dieser, einmal jener Strassen verteilt und hat darüber hinaus ein paar hundert Abonnenten vor allem aus den Kreisen der Vereine. Seit 1954 enthält es die, Heimatblätter von Wiedikon" als Beiblatt mit Beiträgen aus der Lokalgeschichte.
X, Y Für diese beiden Buchstaben gibt es weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart Wörter, welche eine Beziehung zu Wiedikon haben könnten. In Mathematik und Geometrie werden sie aber gern für die "unbekannten Grössen" verwendet, die errechnet werden sollten. Auch für die Dinge, welche auf diesen Blättern zusammengestellt vvorden sind, gibt es "unbekannte Grössen". X und Y sind hier die Antworten auf die Frage, wie es möglich gemacht werden könnte, die interessanten Entdeckungen und neuen Forschungen aus dem Gebiet unserer Lokalgeschichte zu publizieren, von welchen hier eine kleine Auslese geboten wird. Der Verfasser sucht nach dem X und dem Y, welche helfen könnten, einen kleinen Bildband über die Häuser von Alt-Wiedikon und ihre Geschichte sowie eine neue Chronik herauszugeben, ohne dass sehr hohe Druckzuschüsse a fonds perdu geleistet werden müssten und der Preis trotzdem noch viel zu teuer würde.
Ziegeleien Der Lehm, der vom Üetliberg abgerutscht ist und stellenweise bis in eine Tiefe von 15 bis 20 Metern abgebaut werden konnte, verschaffte dem Ziegeleigewerbe von jeher das nötige Rohmaterial. Die Nachfrage begann im päteren Mittelalter, als man anfing, den unteren Teil der Häuser aus Stein zu bauen und die Dächer mit Ziegeln zu belegen, um die Brandgefahr zu verkleinern. Zu Zeiten bestanden auf Wiediker Boden bis zu 10 Ziegelhütten, von denen einige der Stadt Zürich gehörten, während andere als Erblehen von Wiediker Bauern betrieben wurden. Auch als die mechanischen Ziegeleien aufkamen und die handwerklichen Betriebe verdrängten, entstanden sie dort, wo das Rohmaterial in der Nähe zu finden war. Von den Ziegeleien im Binz, im Giesshübel, beim Sihlhölzli (Bockhorn), im Heuried und im Tiergarten besteht allerdings nur noch die letztere. Der Abbau des Lehmes hat die Topographie unserer Gegend sehr stark verändert, aber durch die Ueberbauungen (Binz- und Grubenstrasse) und die Auffüllungen (Heuried) sind die Veränderungen nicht mehr so augenfällig.
Zünfte Die berufsständische Ordnung der Zünfte Zürichs hatte auf Wiedikon starken Einfluss, da sie in der Nähe der Stadt die Entwicklung von Handwerk und Gewerbe stark einschränkte, wenn nicht gar unterband. So durfte z.B. der Gesellenwirt an Fremde keine warmen Speisen verabreichen. Damit dürfte auch zusammenhängen, dass vor 1808 keine Schmiede in Wiedikon bekannt war. Während der Mediationszeit war der Kanton Zürich von 1803 bis 1813 in 5 Bezirke eingeteilt, von welchen jeder 13 Wahlkreise hatte, die Zünfte genannt wurden, wie auch von 1833 bis 1866 die Wahlkreise Zünfte genannt wurden. Wenn in dieser Zeit der Name einer Zunft Wiedikon erscheint oder wenn es hier gar einen Zunftgerichtspräsidenten gab, war dies ein politischer Begriff. Von diesem Begriff her wird auch der Zunftverein Wiedikon zu verstehen sein, der 1834 bei der Gründung der Sparkasse Limmattal beteiligt war. Die Zunft zuWiedikon wurde 1891 gegründet. Sie nimmt nicht nur im gesellschaftlichen Leben des Quartiers eine wichtige Stellung ein, sondern fühlt sich auch den Traditionen von Alt-Wiedikon verpflichtet. So entschloss sie sich bei der Frage einer Kostümierung, den Aufmarsch der Dorfbevölkerung mit dem Vogt zum Gerichtsplatz zur Darstellung zu bringen, während die Reitergruppe den Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg mit seinen Gästen auf der Jagd zeigt. Dies alles unter Bezugnahme auf jene Urkunde von 1259, welche Wiedikon erstmals als Reichshof nennt.
Zürich Die Beziehungen Wiedikons zu Zürich haben sich im Lauf der Jahrhunderte mannigfach verändert. Ganz ursprünglich scheint Wiedikon einmal zum Reichshof Zürich gehört zu haben, wie ihn 853 Ludwig der Deutsche der Abtei schenkte. Wenn wir 1259 aber einen eigenen Reichshof Wiedikon vorfinden, muss dieser in der Zwischenzeit, vielleicht 1218 nach dem Tode Berchtolds V. von Zähringen, aus dem Hof Zürich gelöst worden sein. Die näheren Umstände sind von hier aus nicht zu erforschen, sondern dürften sich ergeben, wenn einmal die Geschichte des Hofes Zürich genauer ergründet wird. 1386 fiel Zürich die hohe Gerichtsbarkeit über Wiedikon zu. Seit um 1406 die niedere Gerichtsbarkeit von den Rittern Mülner an Bürgermeister Glentner übergegangen war, wurden die Wiediker gegenüber der Stadt steuer- und wohl auch militärdienstpflichtig. Nach dem Ankauf der niederen Gerichtsbarkeit durch die Stadt wurde Wiedikon zu deren innerer Vogtei und blieb es bis 1799. Aber es blieb nicht einmal 100 Jahre lang eine selbständige Gemeinde, da es 1892 anlässlich der Stadtvereinigung endgültig zum Stadtquartier wurde. Die Wiediker stimmten dieser mit 1113 Ja gegen nur 22 Nein zu. Die Abhängigkeit des Quartiers von der Stadt zeigt sich auch weiterhin darin, dass ein Stadtkreis von der Grösse und Bevölkerungszahl einer grösseren Schweizerstadt wirtschaftlich (Geschäfte) und kulturell (Theater, Museen, Konzerte, Kinos, grosse Säle usw.) auf die "City"angewiesen ist. Die Weiterentwicklung dieser "City" wirkt sich auch bereits darin aus, dass wie in der Altstadt auch im Kreis 3 die Bevölkerungszahl abnimmt, weil Büros und Geschäfte die Wohnungen verdrängen.

Lehrblätter

Die folgenden Lehrblätter können im pdf und docx Format herungeladen werden.


für
Schüler
für
Lehrpersonen
Das Dorf Wiedikon pdficon large Word large Word large
Das Wappen von Wiedikon pdficon large Word large Word large
Kirche und Schule pdficon large Word large Word large
Lehm und Ziegel
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Die Burg und der Hof Friesenberg
Friesenburgweg
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    Aus den Skizzenbüchern des Malers Karl Meili (1871 - 1919)

    Das "Skizzenbuch" wurde 1964 von der Ortsgeschichtlichen Kommission des Quartiervereins Wiedikon herausgegeben.

    Die Texte stammen aus dieser Zeit und sind selber schon Geschichte d.h. sie sind teilweise schon wieder überholt.

    Die Zentralbibliothek Zürich besitzt unter der Bezeichnung PAS 1023 und 1024 zwei Skizzenbücher von Karl Meili. Wir danken der Direktion der Zentralbibliothek, daß sie freundlicherweise die Erlaubnis gegeben hat, die ausgewählten Skizzen zu publizieren.

    Bethaus

    Bethaus
    Blick auf das am 1. Mai 1791 eingeweihte Bethaus, bis 1842 (Bau des Gotthelf-schulhauses) das Schulhaus und bis 1896 (Bau der Bühlkirche) die Kirche des Dorfes. Als Kirche wird es jetzt noch von der Kirchgemeinde Wiedikon und von der Chiesa evangelica di lingua italiana verwendet. Die einstige Lehrerwohnung im 1. Stock ist jetzt Sigristenwohnung, wo sich das Schulzimmer befand, sind jetzt Büros der Gemeindehelfer und -helferinnen. Davor das abgebrochene Haus Nr. 45, dahinter das abgebrochene Haus Nr. 41.

    Äussere Au

    Äussere Au
    Dieses Haus stand dort, wo die Bachtobelstrasse in die Üetlibergstrasse einmündet. 1787 wurde dieses Gut, weil ausserhalb des eigentlichen Dorfkerns, der neu von Wiedikon abgetrennten Gemeinde Aussersihl zugeteilt und kam erst 1852 an Wiedikon zurück. Hier wohnte nach Dr. Konrad Escher (S. 100) der Aussersihler Friedensrichter Köchli, der in der weiten Entfernung seiner Wohnstätte den Vorteil sah, die streitenden Parteien könnten sich auf dem langen Weg besser verständigen.

    Blick über die Dächer

    Blick über die Dächer
    Das breite Dach im Vordergrund unten gehört zum Haus Nr. 58 (Zentralstrasse), dahinter die Dächer der Häuser Nr. 56 und Nr. 57, dazwischen verläuft die heutige Zentralstraße. Das links sich anschließende Dach mit der Lukarne ist Haus Nr. 52 (Birmensdorferstrasse 130). Links am Rand ist die Hausfront von Birmensdorferstrasse 129 (Frohsinn) erkennbar. In der Fortsetzung der Hausfront sehen wir die Häuser, welche heute durch die Schmieden-Apotheke und das Gebäude der Volksbank ersetzt sind. Der breite Dachgiebel in der Mitte gehört zum Hause Nr. 52, dahinter Dach und Turm des Bethauses. Auf dem Rebhügel ist ausser den Gebäuden der Brauerei Üetliberg, jetzt Metzgerei Ruf, noch nichts gebaut.

    Zweierstrasse 124, 122, 120, 118

    Zweierstraße 124, 122, 120, 118
    Zu Karl Meilis Zeit Üetlistrasse 34, 32, 30 und 28 im alten dörflichen Aussehen mit gemütlichen Vorgärten, alte Nummern 4 und 5. Heute steht nur noch das Haus 118. Im Hause Zweierstrasse 120 dürfte zur Zeit der Entstehung der Bilder Karl Meili selbst gewohnt haben; es ist 1875 als Besitz von Theodor Meili eingetragen. Verschiedene nicht veröffentlichte Skizzen zeigen Details von Giebeln, Scheunen und allerlei Anbauten dieser Gegend, vgl. Nr. 14.

    Birmensdorferstrasse gegen Schmiede

    Birmensdorferstrasse gegen Schmiede
    Mitten im Bild einer der alten Dorfbrunnen, der an der Einmündung der Zentralstrasse in die Birmensdorferstrasse stand, wo sich früher ein Sodbrunnen befunden hatte. Links sehen wir die zum Haus Nr. 53 gehörige Scheune, seit 1848 Besitz der Familie Hausheer (1851 bis 1884 Gemeindepräsident J. R. Hausheer). Diese Scheune hat während Jahren als Feuerwehrdepot gedient. Das Haus rechts davon ist der «Frohsinn», Nr. 51. Rechts steht, von Baum verdeckt, Haus Nr. 56, dahinter Haus Nr. 52. Dessen Name «Hämikerhaus» ist seit 1853 berechtigt, da einem Heinrich Hämiker zwei Fünftel gehörten; ein Fünftel gehörte damals einem Kaspar Wismann, der Rest einem Jakob Bischoff, seit 1880 ist das ganze Haus als Besitz von Hämikers Erben eingetragen, 1895 war es W ohnhaulS und Bäckerei von F. Hämiker. Es steht noch wie ein erratischer Block am Schmiedeplatz. Der Kamin mitten im Bild gehört zur Schmiede, dahinter ist das Bethaus sichtbar. Auf dem Rebhügel sieht man kein Haus.

    Zweierstrasse 124, 122, 120, 116/8, 114, 102/98, 90

    Zweierstrasse 124, 122, 120, 116/8, 114, 102/98, 90
    Hier treffen wir die von Bild 3 bekannten Häuser an der Zweierstrasse. Dazu aber noch, durch die Perspektive sehr verkleinert, die Häuserreihe bis zur heutigen Seebahnstraße, d.h. die alten Häuser 1 und 2. Haus Nr.2, das zweitletzte der Reihe, das Heimathaus von Dr. E. Dubs, ist schon 1828 zur einen Hälfte als Besitz von H. J. Duhs eingetragen, 1832 gehörte es dem Tierarzt, 1879 dem Arzt Dr. Dubs. In der anderen Hälfte des Hauses wohnte 1812 Gemeindeammann Heinrich Meyer bei Errichtung des Brandkatasters und Einführung der Hausnummern, von 1842 bis 1865 Armenpfleger J. J. Meyer, dessen Kassenbücher erhalten geblieben sind und interessante Einblicke bieten (Heimatblätter von Wiedikon Nr. 4/ 1958, 5/1959). In diesem Hause fanden sich am 1. Mai 1791 auch die zur Einweihung des Bethauses Geladenen zusammen, darunter der St. Peter-Pfarrer J. C. Lavater (Dokument in der Turmkugel des Bethauses). Dieses Bild zeigt, wie Wiedikon einst ein eigentliches Strassendorf war, auf der andern Strassenseite befand sich nur das Haus Nr. 3, das einem Neubau weichen musste (Bild 7).

    Üetlistrasse 25, heute Zweierstrasse 119

    Üetlistrasse 25, heute Zweierstrasse 119
    Das Bild dieses Hauses zeigt, auf welche Weise das einst ganz dörfliche Wiedikon, das seinen Charakter weitgehend bis zur Jahrhundertwende erhalten hatte, durch Neubauten zur Vorstadt und schliesslich zum Stadtquartier wurde.

    Sihlhölzli

    Sihlhölzli
    Am linken Ufer der Sihl erkennt man die einstige Brauerei Uetliberg, heute Metzgerei Ruf, daneben stehen die Häuser Manessestrasse 69 und 75.

    Überblick in Richtung nach der Enge

    Überblick in der Richtung nach der Enge
    Hier orientieren wir uns am besten nach dem Aegertenschulhaus (erbaut 1873) und seiner Turnhalle in der Mitte des Bildes. Der Horizont wird flankiert von der Kirche Enge auf dem Bürgli und dem rauchenden Kamin der Brauerei Uetliberg. Im Vordergrund Front und Dach der Scheune an der Birmensdorferstrasse 110 (besteht offenbar auf dem Plan von 1800 noch nicht), die Scheune mit dem Kamin links am Rand gehört zu Haus Nr. 54, (Aegertenstrasse 54, Hasler).

    Birmensdorferstrasse

    Birmensdorferstrasse
    Im Vordergrund links die halbe Front der alten Schmiede, anschliessend ein Haus, das mit ihr fiel und dem grossen Neubau Platz machen musste. Das Haus mit dem darüber sichtbaren Giebel und das Haus in der Mitte des Bildes mussten dem Hochhaus Platz machen. Rechts am Rand ist noch das Haus "Wintsch" sichtbar, das dem "Falken" vorgelagert auf dem Platz von dessen heutiger Gartenwirtschaft stand.

    Erikastrasse/Weststrasse

    Erikastrasse/Weststrasse
    Ein Stück "Neu-Wiedikon" - das Haus links ist Erikastrasse 16, wo sich noch die Wagnerei Gut befindet. Das Haus in der Mitte beherbergte die Schmiede von Jean Frei, rechts hinten wohnte Konditor Meier, die Hauskante rechts (Kante heute nicht mehr so ausgeprägt) gehört zum Hause Weststrasse 95.

    Überblick in der Richtung nach Albisrieden

    Überblick in der Richtung nach Albisrieden
    Vorn haben wir die Fortsetzung der bereits bekannten Häuser an der Zweierstrasse, heute die Nummern 128, 130, 132 und 140, einst 12, 13, 14. Daneben viele Neubauten des wachsenden Dorfes, links die Kamine der Ziegelei im Heuried. An dieser Stelle würde sich dem Betrachter heute ein ganzes Häusermeer darbieten.

    Der alte Kolbenhof

    Der alte Kolbenhof
    An diesem einsamen Hof am Waldrand scheinen die Jahrhunderte spurlos vorbeigegangen zu sein. Wie er sich einst dem Künstler noch darbot, so hat man ihn gewiss vor Jahrhunderten schon gekannt. Das Bild ist im Original sehr dunkel getönt. Bei der Reproduktion zeigt sich dem linken Rand entlang das Wasserzeichen des Zeichenpapiers.

    Hinterseite von Zweierstrasse 122/4

    Hinterseite von Zweierstrase 122/4
    So ländlich, ja fast romantisch, sah es einst hinter den Häusern der Zweierstrasse aus. Da kannte Karl Meili wohl jeden Winkel aus Bubenzeiten her; darum ist auch diese "Kehrseite" mit viel Liebe gezeichnet.

    Im Wyl

    Im Wyl
    Hier haben wir einmal ein Sujet, das auch sonst oft abgebildet worden ist. Die Brunnenstube mit der Pappel "im Wyl" befand sich aber nicht da, wo die Strasse jetzt so benannt ist, sondern hinter den Häusern der heutigen Haldenstrasse 108, 110, 112, wo die alte Haldenstrasse als Privatstrasse noch ein Stück weit erhalten geblieben ist. Links das Haus Nr. 28 des Dorfplanes von 1800, 1861 als Besitz von Gottfried Wegmann eingetragen. Hier wurde nach Dr. Konrad Escher sonntags gewirtet. Er schreibt: "Da gab es noch Portionen für Kind und Kegel und keine Portiönli, wie sie vielerorts üblich sind". Der Brunnen im Wyl ist schon seit 1526 urkundlich nachgewiesen. Die Liegenschaft war einst wohl das «Kapitelshöfli» des Fraumünsters; vielleicht standen hier sogar die ersten keltischen oder alemannischen Hütten, deutet doch der Name Wyl meist auf uralte Besiedlung.

    Der alte Bahnhof Wiedikon

    Der alte Bahnhof Wiedikon
    Wir nennen dieses Gebäude den "alten" Bahnhof; als Karl Meili ihn 1893 zeichnete, war er aber noch ganz neu. Obwohl die linksufrige Bahnlinie schon 1875 erstellt worden war, wurde Wiedikon noch ohne Halt durchfahren. Erst 1891 wurde der Bahnhof erstellt und Wiedikon zur Bahnstation. Links am Rand noch das Haus Nr. 1, welches der neuen Bahnführung weichen musste.

    Der alte Friesenberg

    Der alte Friesenberg
    Die Höfe im Friesenberg haben das alte Gesicht noch am längsten bewahrt. Aber mit Renovationen, Abbrüchen und Umbauten und Umbauten ist der "Zahn der Zeit" nun auch hier am Werk.

    Alte Mühle im Friesenberg

    Alte Mühle im Friesenberg
    Auch dieses Bild ist der Gegenwart noch vertraut. Doch wer das Haus sieht, möchte wohl gerne wissen, wie es einst noch altertümlicher ausgesehen haben wird, als die Mühle noch im Betrieb war. Auch hier sind wir auf uralt bebautem Boden, gehörte die Mühle doch zu der im 12. Jahrhundert erbauten Burg Friesenberg. Nach Dr. Konrad Escher (S. 119) ist ein alter Mühlstein noch in das rechtseitige Widerlager der Brücke eingemauert.

    Kehlhof und Zweierstrasse

    Kehlhof und Zweierstrasse
    An der Ecke der heutigen Kehlhof-/Zweierstraße stand einst der Kehl- oder Kelnhof. Nach der mittelalterlichen Rechtsordnung waren der Meyer auf dem Meyer- und der Kelner auf dem Kelnhof die Vertreter der Vögte innerhalb der Vogtei. Dem Kelner lag es ob, die Naturalabgaben der Einwohner einzuziehen und in seiner besonders grossen Scheune zu verwahren. Schon im 14. Jahrhundert haben die Ritter Mülner den Kelnhof an das Kloster Selnau verkauft. Er ist ein besonders gutes Beispiel für die verwickelten Besitzverhältnisse, gehörte er doch 1812 vier verschiedenen Bürgern, 1823 wurde ein Viertelbesitz noch in zwei Achtelbesitze unterteilt. 1842 bildete ein durch Umbau erhöhtes Viertel mit einem halben Dachboden zusammen ein Stockwerk! Der Kehlhof ist sonst das einzige alte Gebäude von Wiedikon, von dem als Kupferstich von J. Pfenninger noch ein Bild erhalten ist. Er wurde 1899 abgebrochen. Auf der rechten Bildseite sehen wir die alten Häuser Nr. 16 bis Nr. 22. Nr. 22 ist das gegenwärtig zum Abbruch bestimmte "Schlössli", von dem ein kleines Stück Dach sichtbar ist. Die beiden Häuser mit Frontansichten sind abgebrochen. Leicht angedeutet sind die noch stehenden Häuser Zweierstrasse 174, 176 und 178.

    Die Häuser zum "Schlössli"

    Die Häuser zum
    Auf dem Plan mit Nr. 30 bezeichnet, haben diese beiden alten Häuser dem Bau der Bühlkirche weichen müssen, nachdem sie von David Schneider an die Kirchgemeinde Wiedikon um Fr. 65'151.- (!) verkauft worden waren. Sie standen aber nicht auf dem eigentlichen Kirchplatz, sondern die Bauten erstreckten sich von der Kirchentreppe über die Wiedingstraße bis in das Areal des Pfarrhausgartens Wiedingstrasse 3. Bei der Reparatur der Kirchentreppe kam ein alter Küchenboden zum Vorschein, welcher als feste Grundlage für einen Treppenabsatz dienen muss.

    Ehemaliges Rebhäuschen

    Ehemaliges Rebhäuschen
    Wer heute in Wiedikon oder gar auf dem Rebhügel wohnt, kann sich kaum mehr vorstellen, dass der ganze Rebhügel nicht nur auf der Seite gegen die Stadt, sondern auch auf der Rückseite gegen den Friesenberg mit Reben bepflanzt war. Die Lage war aber nicht so günstig, daß es da einen besonders guten Tropfen gegeben hätte, im Gegenteil: Die Wiediker von anno dazumal trugen den übernamen "Räbemoster" (als ob sie ihren Most oder Wein aus Räben gepreßt hätten) und böse Mäuler sagten, der Wein sei so sauer, dass er sogar die eisernen Fasshahnen anfresse. Letzte Reste der alten Weinbergsherrlichkeit waren ein paar Rebhäuschen, von denen hier eines von Karl Meili abgezeichnet erscheint. Vielleicht war es dasjenige, das an der höchsten Stelle der Steigung der Wiedingstrasse stand und unter welchem beim Abbruch 1893 Kelten- und Alemannengräber entdeckt wurden.

    Blick über die Dächer gegen Rebhügel

    Blick über die Dächer gegen Rebhügel
    Ein Bild ähnlich Nr. 3. Das Dach links aussen gehört zum Haus Nr. 41 (Hämiker), gleich vor dem Bethaus steht die alte Schmiede. Neben dem Bethaus erstreckt sich zuhinterst nach rechts das Dach der Scheune und des Wohnhauses Nr. 32, seit 1812 oder sogar früher im Besitz der Familie Koller, deren Name nach dem Abbruch des Gutes noch in der "Kollerwiese" erhalten geblieben ist - der durch sie führende Weg sollte eigentlich offiziell "Kollerweg" genannt werden, damit der Name noch erhalten bliebe. Der Riegelbau in der Mitte des Bildes ist die "Villa Sumatra". Rechts am Rand stehen die "Schlössli"-Häuser, auf dem Hügel scheint es sich um die Dächer des "Wyl" zu handeln.

    Zweierstrasse 124 und 128

    Zweierstrasse 124 und 128
    Das Haus rechts kennen wir schon von Bild 3, auf welchem es als das äusserste links gezeichnet ist, es ist Nr. 5 des alten Planes. Das Haus links, Nr. 7 des alten Planes, ist offensichtlich vielfach umgebaut worden.

    Äussere Au

    Äussere Au
    Noch einmal ähnlich Bild 2. Hier erkennt man besonders gut das von Dr. Konrad Escher erwähnte altertümliche Portal, links den Anbau am Wohnhaus, der in seinem oberen Stockwerk einen geräumigen Saal enthielt.

    Aus dem Leben des Künstlers Karl Meili

    nach den Angaben im Schweizer Künstler-Lexikon, Band IV, Supplement, Verlag Huber & Co. Frauenfeld, 1917

    Karl Meili wurde am 23. November 1871 geboren und war Bürger von Weisslingen. Zunächst in ländlichen Verhältnissen aufgewachsen, besuchte er die Primar- und Sekundarschule in Wiedikon. Zuerst hatte er die Absicht, Xylograph zu werden, aber die Aussichten dieses Berufes waren so ungünstig, dass er sich anders entschloss. Da er schon mit 16 Jahren Waise geworden war, musste er schon früh für sich selber sorgen. Zuerst arbeitete er während sieben Jahren bei der Firma Orell Füssli & Co. Als er aber eine kleine Erbschaft antreten konnte, bot sich ihm die Gelegenheit, seiner Liebe zur Kunst nachzugehen. Er besuchte die Kunstgewerbeschule in Zürich, dann die Eidgenössische Technische Hochschule und wandte sich dann an die Königliche Kunstschule in Stuttgart, wo er anlässlich einer Ausstellung eine öffentliche Auszeichnung erhielt. 1897/98 weilte er an der Kunstakademie in München, dann war er bis 1902 Hilfslehrer an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Seine eigentlichen Talente entwickelten sich, als er von Prof. Graf an den Kartographen Xaver Imfeld empfohlen wurde. Unter dessen Leitung erstellte er 1899 ein Modell der Jungfraubahn und blieb bis zu dessen Tode, 1909, sein ständiger Mitarbeiter. Ein Modell des Matterhorns, 1: 5000, Modelle des Berner Oberlandes, von Pilatus, Rigi und Simplon folgten im Maßstab 1: 25000. Er erstellte auch eine Landkarte des Lötschberggebietes in der Grösse von 3 x 1,5 Metern in Ölmalerei. Im Auftrag und unter Leitung von Prof. Dr. Albert Heim schuf er auch ein Relief der Säntisgruppe 1: 5000. Auf eigene Rechnung schuf er weitere Karten und Reliefs; Gebirgslandschaften in Öl, Tempera und Aquarell machten seinen Namen weiter bekannt. Dann wurde er ein bekannter Spezialist für Illustrationen in Klubführern und geologischen Wanderführern des Schweizerischen Alpenclubs. 1902 fand er eine Formel, bei den Modellen für jeden Massstab die entsprechende Bemalung zu finden.

    Karl Meili war in Wiedikon sehr bekannt, vor allem in den Kreisen des Turnvereins. Er verfasste dessen Reiseberichte und schmückte sie mit Zeichnungen. Zur Zeit, da die beiden Skizzenbücher entstanden, wohnte er an der Zweierstrasse 126, später an der Birmensdorferstrasse 261. Die so ansprechenden Skizzen von Alt- Wiedikon schuf er 1893 im Alter von etwa 22 Jahren! Seine Bilder zeichnen sich aus durch die Erfassung des Wesentlichen eines Motivs, die sichere Führung des Stiftes und die volle Beherrschung der Perspektive. Vor allem aber verdient er unsere Anerkennung und Dankbarkeit dafür, daß er so manches mit seinem Stifte fest gehalten hat, das sonst unwiederbringlich verloren wäre. Karl Meili starb 1919 und ist vielen älteren Wiedikern in lieber und freundlicher Erinnerung geblieben.

    Sechs Lithographien von Jakob Eschenmoser (1908 - 1993)

    Die Ortsgeschichtliche Kommission des Quartiervereins Wiedikon gab diese Kunstmappe «Alte Baukultur in Wiedikon» von Jakob Eschenmoser im Herbst 1980 heraus. Die sechs Originallithographien wurden vom Künstler direkt auf den Lithographiestein gezeichnet und von der Vontobel Druck AG, Feldmeilen, auf der Handpresse in 65 Exemplaren auf Büttenpapier «Rives Couronne»gedruckt. Die Blätter sind vom Künstler handschriftlich numeriert, mit der Bildlegende versehen und signiert. 50 Exemplare, numeriert von 1-50, gelangen in den Verkauf, die Nummern I-XV sind Künstler- und Mitarbeiter-Exemplare. Den Begleittext verfasste Paul Etter, vormals Pfarrer zu Wiedikon. Die graphische Gestaltung lag in den Händen der Orell Füssli Graphische Betriebe AG, Zürich. Die Herstellung der Leinenmappen und die Ausrüstung besorgte die GEWO Buchbinderei AG, Zürich.

    Die Rechte für die Grafiken besitzen die Erben von Jakob Eschenmoser, die Rechte für die Texte die Erben von Paul Etter.

    Bethaus

    Bethaus
    Am 1. Mai 1791 wurde dieses zum eigentlichen Wahrzeichen von Alt-Wiedikon gewordene einstige Bet- und Schulhaus durch den berühmten St. Peter-Pfarrer J. C. Lavater und den Wiediker Katecheten H. C. Stumpf eingeweiht, wie eine Urkunde aus der Turmkugel bezeugt. Es kostete 21 466 Pfund, 4 Schilling an Geld, dazu noch 8339 Mass Wein, 4181 Portionen Brot und 1738 Pfund Käse. Nachdem schon seit 1620 das Gesellenhaus (jetzt «Falken») auch für Schule und Kirche gedient hatte, war um 1700 neben diesem ein erstes eigentliches Bet- und Schulhaus erbaut worden, im 19. Jahrhundert als Gemeindekanzlei bekannt, 1910 abgerissen. Im neuen Bet- und Schulhaus befand sich rechts unten die Schulstube, oben die Lehrerwohnung. Das Schulhaus diente bis 1842. Der Kirchenraum im andern Teil diente der Kirchgemeinde bis 1896, doch vor dem Bau der Bühlkirche war eigentlich beschlossen gewesen, der Raumnot durch Verdoppelung des Grundrisses zu steuern und erst noch einen 25 m hohen Turm zu bauen. Die beiden Glocken des Dachreiters wurden 1897 eingeschmolzen, eine neue erklingt seit 1949. Das Bethaus dient noch heute der Kirchgemeinde Wiedikon und auch der Chiesa evangelica di lingua italiana von Zürich, an Wochenabenden für Chor- und Orchesterproben.

    Die einstige Burgmühle

    Die einstige Burgmühle
    Wer hätte gedacht, dass man dieses altehrwürdige, wenn auch leider recht zerfallene Haus Friesenbergstrasse 374 bis 380 so benennen könnte? Vorbehältlich einer überaus wünschbaren baugeschichtlichen Untersuchung dieses 1974 unter Denkmalschutz gestellten Hauses kann vom Historiker aus nur hohes Alter hervorgehoben werden. Allein aus der älteren Ge-schichtsliteratur ist zu erschliessen, dass hier 1829 durch den stark angeschwollenen Bach ein Mühlstein blossgelegt worden sei, doch sei dieser einzige bisher sichtbar gewordene Beweis einer einstigen Mühle später in das Widerlager eines neuen Bachsteges eingemauert worden. Die Lage am Bach und die Tatsache, dass zu einer Burg (auch zur nahen Manegg) einst eine Mühle gehörte, machen aber die einstige Bedeutung des Gebäudes begreiflich. Der erste Bau wäre demnach im 12. Jahrhundert zu denken, falls die Mühle nicht schon zur ersten vermuteten Burg gehört hätte. Bis 1800 handelte es sich hier auch um das eigentliche (und einzige) Bauernhaus des Friesenbergs, 1387 bis 1436 im Besitz der Aeppli, dann des Klosters Oetenbach, darauf der Werdmüller von Zürich und stets von den Lehenleuten besorgt, 1602 von der bisherigen Lehenfamilie Bosshart erworben, die hier bis 1813 daheim war und von der Familie Gut abgelöst wurde. 1871 wurde hier die erste Friesenberger Wirtschaft eröffnet.

    Bergruine Friesenberg

    Burgruine Friesenberg
    Wer hätte gedacht, dass man dieses altehrwürdige, wenn auch leider recht zerfallene Haus Friesenbergstrasse 374 bis 380 so benennen könnte? Vorbehältlich einer überaus wünschbaren baugeschichtlichen Untersuchung dieses 1974 unter Denkmalschutz gestellten Hauses kann vom Historiker aus nur hohes Alter hervorgehoben werden. Allein aus der älteren Ge-schichtsliteratur ist zu erschliessen, dass hier 1829 durch den stark angeschwollenen Bach ein Mühlstein blossgelegt worden sei, doch sei dieser einzige bisher sichtbar gewordene Beweis einer einstigen Mühle später in das Widerlager eines neuen Bachsteges eingemauert worden. Die Lage am Bach und die Tatsache, dass zu einer Burg (auch zur nahen Manegg) einst eine Mühle gehörte, machen aber die einstige Bedeutung des Gebäudes begreiflich. Der erste Bau wäre demnach im 12. Jahrhundert zu denken, falls die Mühle nicht schon zur ersten vermuteten Burg gehört hätte. Bis 1800 handelte es sich hier auch um das eigentliche (und einzige) Bauernhaus des Friesenbergs, 1387 bis 1436 im Besitz der Aeppli, dann des Klosters Oetenbach, darauf der Werdmüller von Zürich und stets von den Lehenleuten besorgt, 1602 von der bisherigen Lehenfamilie Bosshart erworben, die hier bis 1813 daheim war und von der Familie Gut abgelöst wurde. 1871 wurde hier die erste Friesenberger Wirtschaft eröffnet.

    An der Steinstrasse

    An der Steinstrasse
    Hier sind zwei uralte Wiediker Bauernhäuser zu sehen, so nahe beisammen, dass im Bild der geringe Abstand kaum bemerkt werden kann. Das Haus rechts (Steinstrasse 8) gehörte einst dem Fraumünster und wurde dort um 1400 als "Eselschreis Hofstatt" verzeichnet, 1549 als Haus des Hans Wetzel genannt Bär. Den Wetzel gehörte es bis ins 18.Jahrhundert hinein. Im 19. Jahrhundert gab es hier eine Armenstube. Aus diesem Haus wurde leider 1925 ein schöner alter Kachelofen verkauft. Es war stets zu drei Teilen bewohnt: eine Wohnung war im Erdgeschoss, von dessen Mitte aus je eine Treppe nach links und nach rechts zu den beiden oberen Wohnungen führte. Das Haus links (Steinstrasse 10) konnte 1543 von Jakob Schnetzler, Tochtermann von Nachbar Wetzel, nur gegen den Widerstand der Gemeinde gebaut werden, da der Dorfbann beim Nachbarhaus aufhörte. Die Obervögte bewilligten den Bau dann aber doch unter Auflage von Bedingungen. Im 17.Jahrhundert wohnte hier die Familie Hoffmann, dann die Familie Hämiker. Seit aber 1797 Rudolf Zollinger von Hirzel Dorothea Hämiker geheiratet hatte und ins Haus zu wohnen gekommen war, sich 1825 auch einbürgern liess, ist das Haus stets im Besitz der gleichen Familie geblieben, welche die von den Vorfahren erhalten gebliebenen Schätze sorgsam behütet und in hohen Ehren hält.

    Im unteren Wyl

    Im unteren Wyl
    Wahrscheinlich schon bald nach der Gründung von Wiedinc-hova durch Wiedo und die Wiedinge, die unterhalb des Bühlhügels anzunehmen ist, erfolgte auch eine Besiedlung der Anhöhe. Der Flurname Wyl ist seit 1367 urkundlich bekannt, die fünf hier ("Weiler ausserhalb des Dorfes") gegründeten Höfe waren in den Besitz der Fraumünsterabtei gekommen und sind möglicherweise mit dem Testament eines Perchtelo und der urkundlich ersten Erwähnung Wiedikons anno 889 gemeint. Das hier dargestellte Haus wurde - wohl anfangs des 16. Jahrhunderts - von einem Felix Zurlinden erbaut und gehörte zum "Selnauerhof", einem der grössten Bauernhöfe, der auf dem Gebiet des heutigen Bahnhofs Wiedikon lag. Das Haus war nie für mehrere Familien aufgeteilt. Es gehörte seit etwa 1650 mehr als 200 Jahre lang der Familie Steiner, welche der Gemeinde während Generationen den Weibel stellte. Seit 1912 ist das Haus Haldenstrasse 145 im Besitz der Familie Vögeli und mit einer Schreinerei verbunden. Leider hat sich auf der abgebildeten Giebelseite das alte Fachwerk nicht mehr sichtbar machen lassen wie auf den anderen Seiten.

    Zeichnungen von Godi Leiser, geb. 1920, gest. 2009

    Das Bethaus an der Schlossgasse

    Das Bethaus an der Schlossgasse

    Das Ortsmuseum vom Spielplatz der Kollerwiese aus gesehen

    Das Ortsmuseum vom Spielplatz der Kollerwiese aus gesehen

    Das Vöglihaus

    Das Vöglihaus

    Zweierstrasse 174

    Zweierstrasse 174

    Aquarelle von Thomas Vassella

    Thomas Vassella zusammen mit seiner Gattin Heidy bei der Übergabe Thomas Vassella zusammen mit seiner Gattin Heidy bei der Übergabe
    Am 13. September hat Thomas Vassella hat dem Ortsmuseum Wiedikon sämtliche Aquarelle geschenkt, welche er in Zürich gemalt hat, als er noch in Wiedikon wohnte. Die meisten Sujets befinden sich im Kreis 3 und sind teilweise auf der nebenstehenden Übergabe-Fotografie ersichtlich.Die offizielle Übergabe erfolgte im Sitzungszimmer des Ortsmuseums, im Beisein seiner Frau, seiner Schwiegertochter und eines Teils der Verwaltung der Genossenschaft Heimat- und Ortsmuseum Wiedikon. Wir werden diese schönen Zeichnungen nicht nur aufbewahren, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Vorgesehen ist, die Zeichnungen im Grünen Zimmer, zwischen den Wechselausstellungen, aufzuhängen.

    Unten aufgeführt ein Teil der Aquarelle, welche sich im Archiv des Ortsmuseums befinden.
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    Mein Weg zur Malerei

    Text von Thomas Vassella

    Durch meinen Vater, gebürtiger Puschlaver, kam ich in den Genuss der dortigen Bürgerschaft. Als ihm das schöne Tal zu eng wurde und es für ihn, wie für so viele andere damals, keine Verdienstmöglichkeiten gab, zog er als sogenannter Emigrant ins Unterland. Im Jahre 1922 konnte er ein kleines Heimwesen in der hinteren Bubenwies in Schönenberg ZH erwerben. 1924 lernte er seine zukünftige Frau, Albina Fässler aus Unteriberg, kennen und schloss ein Jahr darauf mit ihr den Ehebund. Aus dieser Ehe entsprossen sieben Kinder. Fünf Töchter und zwei Söhne. Ich, Thomas, traf als erster am 13. November 1925 ein.

    Die mageren Kriesenjahre, in die ich hineingeboren wurde, hinterliessen auch bei mir ihre Spuren. Schon sehr früh, als Fünfjähriger, fing ich an zu zeichnen. Als Erstklässler entdeckte ich meine Passion zum Zeichnen und Malen. Mein zeichnerisches Talent ist damals meinem Lehrer Ferdinand Hofmann aufgefallen. Da er nebenbei Kunstmaler war, wurde er ein grosser Förderer auf meinem Weg zur Malerei. Ich malte viel nach meinen Vorstellungen. Durch meinen Lehrer kam ich in die glückliche Lage der Kenntnisse und Ausbildung in der Malerei. Als Ferdinand Hofmann mich eines Tages einlud, mit ihm zusammen mit der Eisenbahn nach Zürich zu fahren, war die Überraschung und die Freude gross. Zur damaligen Zeit war die Seidengasse und somit der Mühlfellner-Rupf mit dem kleinen Tram zu erreichen, wo sich ein Mal- und Zeichenartikel-Geschäft befand, das wir besuchten. Er kaufte mir einen Malkasten. Das war schon ein herrliches Gefühl, erst die wunderschöne Reise, und jetzt noch einen eigenen Malkasten. So kam ich damals, schon als Zweitklässler, durch meinen Lehrer zu meinem ersten Malkasten. Die Begeisterung und die Freude waren um so grösser, da mir ja bewusst war, dass meine Eltern mit ihrem geringen Verdienst mir das nie hätten ermöglichen können.

    Die Sihl: Ein gefährlicher Fluss

    Eisgang der Sihl Eisgang der Sihl
    Nicht immer war die Sihl das friedliche Gewässer, das sie heute ist. Gefürchtet waren in alter Zeit die massiven Eisgänge, die auf der Sihl zu beobachten waren und Brücken und Ufer beschädigten. In der Vorfrühlingszeit kamen sie öfters vor, besonders hartnäckig im Jahre 1758, was unser Kupferstich festhält. Auf der Ansicht erkennt man den Zusammenfluss der Sihl mit der Limmat am Platzspitz. Links im Mittelgrund der ehemalige Schützenplatz, weiter rechts die damals noch gedeckte Sihlbrücke und die Kapelle zu St. Jacob. Auf dem linken Sihlufer, in der Gegend der heutigen Kaserne, das Quartier "im Kreuel". 1m Hintergrund der Üetliberg und das Bürgli ob der Enge. Es fällt auf, wie wenig besiedelt die Gegenden ausserhalb der Stadtmauern waren.

    Bis vor Hundert Jahren wurde auf der Sihl geflösst (Text von Eberhard Brecht)

    Sooft wir uns vergegenwärtigen wollen, welche Mühe es einer mittelalterlichen Stadt bereitete, ihre allerprimitivsten Existenzgrundlagen in der Form von Wasser und Holz, vielleicht auch von anderem Baumaterial und dergleichen, sicherzustellen, müssen wir unsere auf andere Perspektiven eingestellte Phantasie ganz gehörig anstrengen. Das Umdenken wird eventuell erleichtert, wenn wir uns daran erinnern, dass zum Beispiel die Stadt Zürich noch heute über ansehnliche und grossenteils gut gepflegte Waldungen verfügt. Diese sind allerdings wirtschaftlich unwichtig geworden. Was wir für Gerüststangen, für Möbel oder für Kistenbretter an Holz brauchen, könnte ebensogut durch private Waldbesitzer erzeugt werden. Früher aber versah das Holz auch weitere Aufgaben, die sich jetzt auf das Gas, die Elektrizität, die Kohle und das Rohöl verteilen. Waldbesitz bildete eine Voraussetzung für das Dasein einer früheren Stadt.

    Vom Waldbesitz der Stadt
    Bereits im ältesten Gesetzbuch der Zürcher, im sogenannten Richterbrief, sind Bestimmungen enthalten, aus denen hervorgeht, dass die Stadt ungefähr im Zeitpunkt des Rütlischwurs das Nutzungsrecht an bedeutenden Wäldereien im Sihltal besass. In Wirklichkeit stand ihr dieses Recht damals schon seit Jahrhunderten zu. Das volle und formelle Eigentum, an den Waldungen beidseits der Sihl im Banne unserer heutigen Gemeinden Horgen und Langnau ist jedoch erst später - teilweise im Zusammenhang mit dem Königsrnord bei Windisch - an Zürich gefallen. Dieser Sihlwald ist zwar nicht der einzige, aber bei weitem der ausgedehnteste Forst der Stadt. Obschon die Beziehungen über tausend Jahre alt sind, dürfen bloss wenige Einwohner des grossen Zürich von sich behaupten, dass sie diesen Wald wirklich kennen und auch lieben. Wenn der bereits erwähnte Richterbrief aus der Zeit um 1300 herum davon spricht, "was holzes die sile nider trait", so verweist dieser Ausdruck auf die bis über die Mitte des letzten Jahrhunderts hinaus übliche Form des Holztransportes. Ausser dem Flössen bestand damals keine andere Möglichkeit, das Holz aus dem Wald an den städtischen Verbrauchsort zu schaffen. Es wurde zur Sihl geschleppt, dort ins Wasser geworfen und in Zürich wieder herausgefischt. Natürlich war für Nutz- und Bauholz eine solche Beförderungsart wenig geeignet. Wohl scheinen bisweilen auch ganze Stämme auf Rechnung und Gefahr von städtischen Handwerksmeistern, die sie im Wald erworben hatten, geflösst worden zu sein, doch das Transportgut bestand hauptsächlich aus Brennholz. Etwa die Hälfte dieses Holzes kam den Ratsherren zu. Der grösste Teil des Restes gehörte anderen Inhabern öffentlicher Ämter oder bestimmten Pfründen. Der Holzanfall dürfte im Laufe der Zeit geschwankt haben. Für einzelne Jahre sind indes Angaben verfügbar, die auf eine Grössenordnung von tausend bis zwölfhundert Klaftern schliessen lassen. Soweit die geschlagene Holzmenge hinter dem Bedarf zurückblieb, ist die Stadt ihren Verpflichtungen gegenüber den Bezügern durch Holzankäufe im Kanton Schwyz nachgekommen. Umgekehrt konnte der Fall eintreten, dass die Stadt Holz aus dem Sihlwald an Schuldner lieferte oder an benachbarte Kantone veräusserte. Mit dem Untergang der alten Staatsordnung ist die Abgabe von sogenanntem Kompetenzholz an die Ratsherren und die übrigen Bezugsberechtigten dahingefallen. Von 1803 an wurde auf Beschluss der Gemeindekammer alles Holz als Bürgernutzen an die Bürgerhaushaltungen verteilt. Die zum Flössen dienenden Anlagen und Einrichtungen waren im Verlauf der Jahrhunderte ständig verbessert wor-den. Es steckte einiges Kapital darin. In der Stadt nahm die Sihl damals einen anderen Verlauf als jetzt. Ungefähr beim Bahnhof Giesshübel holte sie nach links aus und umfing das Sihlhölzli auf der äusseren Seite, also unserer Manessestrasse entlang.

    "Wilde Sihl" und "zahme Sihl"
    Von dieser "wilden Sihl" ist die "zahme Sihl" abgeleitet worden. Der Kanal, der diesen Namen trug, folgte mehr oder weniger dem gegenwärtigen Lauf der Sihl. Ein Wuhr zwischen dem Bahnhof Giesshübel und der Mitte der Sihlpromenade führte dem Kanal das Wasser zu, das für den Betrieb von Mühlen benötigt wurde. Es war rund dreihundert Meter lang. Ein davor angebrachter Rechen leitete das herangeschwemmte Holz in den Kanal. Hier musste es gleich am Anfang ans Ufer gezogen werden, bevor das Wasser bei der Sihlporte den Schanzengraben kreuzte und hernach die verschiedenen Wasserräder zu treiben hatte. Das städtische Holzdepot befand sich deshalb an der Stelle des heutigen Bahnhofs Seinau. So idyllisch das Flössen auf der Sihl auch gewesen sein mag, ist doch der Zeitpunkt herangereift, in dem die alte Methode aufgegeben werden musste. Vor etwa hundert Jahren war sie überlebt. Kurz vor 1860 hatte die Stadt zwischen Langnau und der Zuger Grenze einen Holzabfuhrweg errichtet sowie die Verbindung zwischen Langnau und Adliswil hergestellt. Ein Teil der Kosten war von Anstössern aufgebracht worden. Die neuen Strassenstücke bildeten die Grundlage für einen das ganze Sihltal durchziehenden Verkehrsweg. Nun war die Möglichkeit gegeben, das Holz aus dem Sihlwald per Achse abzuführen. Die Beförderungskosten stellten sich bei dieser Transportart allerdings um eine Kleinigkeit höher, doch wurde die Verteuerung wettgemacht, indem das Buchenholz weniger an Heizwert einbüsste und indem die ganzen Stämme weniger beschädigt wurden. Die Forstverwaltung war dazu übergegangen, schon gleich im Sihlwald, wo eine Sägerei errichtet wurde, das Holz in die von den Verbrauchern gewünschte Form zu bringen und so zu stapeln. Hinzu kam, dass sich der Unterhalt der zum Flössen erforderlichen Einrichtungen infolge steigender Löhne und zunehmender Holzpreise verteuerte. Zudem hätte sich über den blassen Unterhalt hinaus auch ein weiterer Ausbau der Flössereieinrichtungen aufgedrängt, denn einesteils hatten die Schwyzer im Herkunftsgebiet der Sihl während der vergangenen Jahrzehnte ziemlich radikal abgeholzt, was die Hochwassergefahr vergrösserte, und andernteils waren die Zürcher im Begriff, ihr vom Sihlkanal durchflossenes Bahnhofquartier aufzupäppeln. Nachdem diese Probleme einige Jahre geschwelt hatten, hat dann tatsächlich ein Hochwasser den Anlass zur endgültigen Einstellung der Holzflösserei auf der Sihl gegeben. Unsere Sihl war immer ein übler Geselle. Noch jetzt kann sie furchterregende, schmutzige Wassermassen in die Stadt, bringen, obschon der Sihlsee im früheren Hochmoor von Einsiedeln dafür da ist, Überschwemmungskatastrophen zu verhindern. Vor hundert Jahren bestand erst ein mitleidig belächeltes Projekt, das Sihlhochwasser bei Schindellegi abzuzapfen und in den Zürichsee zu leiten. Als am Nachmittag des 25. Juli 1865 im Einsiedler Tal schwere Wolkenbrüche niedergingen, konnte man das mit dem kurz zuvor eingeführten Telegraphen nach Zürich melden. Dem entstehenden Hochwasser Einhalt zu gebieten oder seinen rasenden Lauf zu reduzieren vermochte aber niemand.

    Das entscheidende Hochwasser
    Das vorher wochenlang trocken gewesene Flussbett schien ob der plötzlich auftretenden Wassermenge erstaunt. Tags darauf hatte die Sihl um zehn Uhr morgens in Zürich eine bedenkliche Höhe erreicht, die bis drei Uhr mittags immer noch weiter zunahm. In Langnau und Adliswil wurden die Brücken weggeschwemmt. Die Höcklerbrücke folgte. Ebenso der Steg anstelle unserer heutigen Utobrücke, Teile des Holzes aus dem Sihlwald, losgerissene Uferverbauungen und zerstörte Brücken trieben in den tosenden Fluten. Der Rechen im Giesshübel leitete alles Treibgut pflichtgemäss auf den Kanal zu. Es staute sich vor den Schleusen, versperrte dem Wasser den Durchgang und wuchs sich zu einer ernsthaften Bedrohung aus. Man musste befürchten, der Druck des angesammelten Wassers werde die Kanalschleusen aufbrechen, worauf sich die Wassermassen samt dem Treibgut in den Kanal ergiessen und die an seinem Ufer liegenden Betriebe und Quartiere beschädigen würden. An einen geordneten Abbruch des Rechens innert nützlicher Frist war nicht rriehr zu denken. Da verfiel jemand auf die rettende Idee. Eine zufällig in der Nähe übende Militärabteilung erhielt den Befehl, mit ihren Zwölfpfünderkanonen den Rechen einzuschiessen. Wenige Monate darauf beschloss der Stadtrat, die Einrichtungen zum Holzflössen nicht wiederaufzubauen. Auch für die Abgabe des Bürgerholzes liess sich später eine zweckmässigere Lösung finden. In Zürich ist das Holzflössen auf der Sihl vergessen. Bloss einige Strassennamen erinnern noch daran. So besteht in der Gegend des Selnau eine Sihlamtsstrasse. Sie zweigt ab beim ehemaligen Sihlamtsgebäude, in dem heute das städtische Fürsorgeamt untergebracht ist. Jenseits der Sihl hält die Wuhrstrasse die Erinnerung an das frühere Wuhr wach. In den Namen Holzgasse und Flössergasse klingt der Gedanke an die ehemalige Verwendung der Sihl als Verkehrsweg vollends deutlich auf.

    Geschichte der Zürcher Ziegeleien

    Werk Tiergarten Werk Tiergarten
    Der Text (Auszüge) stammt aus dem Jahr 1940. Anlass war das 75-Jahr-Jubiläum der Zürcher Ziegeleien AG

    Aus grauer Vorzeit

    Der Üetliberg, an dessen Nordhang sich die ausgiebigen Lehmflösse befinden, ist - geologisch gesprochen- ein verhältnismässig junger Berg. Er mag immerhin eine Million Lenze zählen, wenn man ihn sein fast ebenso langes "Vorleben" nicht anrechnen will. Als am Ende der Tertiärzeit die Alpen sich zu heben begannen, entstand ein gewaltiger See, der bis zum Schwarzwald reichte, in den sich die aus den Alpen hervorbrechenden Gebirgsströme ergossen und ihre Geschiebe warfen, das ihn im Laufe der Jahrtausende füllte. Diese verhärtete Schuttschicht, "Molasse" genannt, überlagerte unsere Gegend hunderte von Metern hoch. Während die am Alpenrand lagernde Molassedecke durch gewaltigen Druck in Wellen und Falten aufgeworfen wurde und die Nagelfluhberge Speer, Rigi, Rossberg u. a. gebar, blieb die weiter nördlich und nordwestlich liegende Schicht der gleichen Provenienz im wesentlichen unversehrt und lag als gewaltige, sich nach Nordwesten absenkende Platte ungefähr in Höhe des Üetliberges in unserer Gegend, das Grundgefüge dieses nachmalig entstehenden Berges bildend. Auf diesem Untergrund lagerten die Gletscher der ersten Eiszeit ihre Moränen aus Alpenschutt ab, die da und dort von den rückgehenden Gletschern wieder weggeschwemmt und an andern Stellen abgelegt wurden. Beim Wiedervorrücken der Gletscher legte sich über den Schotter wieder Grundmoränenmaterial. Wo keine Schotter lagen, kamen diese direkt auf die Molasse zu liegen. Bei allfälligem Rückzug des Eises legte sich über diese Grundmoräne wieder Schotter. Von dieser Schotterschicht ist am Üetliberg noch die Nagelfluhkappe erhalten geblieben. Erst die zweite Zwischeneiszeit wurde für die Entstehung des Üetliberges und die Formgestaltung des Mittellandes von entscheidender Bedeutung: Die dicke Molasseplatte wurde zerrissen, die Sihl frass sich tief in diese ein und bildete das heutige Tal des Zürichsees. Es entstand die Albiskettte als Rand der Zürichseetalausgrabung.

    Während der dritten Eiszeit ragte gerade noch die Schotterdecke des Üetlibergs über den Gletscher hinaus, während die Pfannenstielkette unter ihm begraben lag. Die Frucht dieser Vergletscherung war eine grosse Seitenmoräne längs der ganzen Albiskette, zwischen sich und ihr eine flache Mulde - das nachmalige Sihltal bildend. Die vierte Eiszeit veränderte wohl das Bild des Üetlibergs nicht stark, setzte ihm aber einige Moränen vor die Füsse: Die Hügel Katz, Bürgli-Enge, Hohe Promenade und auch den Rebhügel Wiedikon. Weiter talaufwärts von Enge über Kilchberg-Hirzel-Hütten-Schindellegi blieb ebenfalls ein mächtiger Moränendamm liegen, der der Sihl ihren bisherigen direkten Weg von Schindellegi in den Zürichsee verlegte und sie zwang, sich ein neues Bett zu graben. Dies geschah zwischen der Albiskelte und dem Moränenhügel längs des Sees: Das Sihltal wurde ausgehoben. Westlich des Albiskammes suchte sich auch die Reppisch, ein Abfluss des grossen Reussgletschers, ein neues Rinnsal längs des Molassewalles und bildete das Reppischtal. Diese beiden Tälerbildungen sind also erst in den letzten 20 000 Jahren erfolgt und haben die Formung des Üetlibergs beeinflusst. Die Sihl mit ihrem verhältnismässig starken Gefälle grub sich rasch ein, schnitt die ungeschützten Uferhänge an und verursachte Nachbrüche der Böschungen. Da die Hänge am Üetliberg sehr steil sind, entstehen nach Regenperioden und im Frühjahr Rutschungen und Schlipfe. Die Gerinsel der Albiskette vermochten sich rasch tief einzugraben und bildeten die bekannten typischen Rippen, über die heute teilweise Wege zur Höhe führen (Höckler, Juchegg, Rehegg, Goldbrunnenegg). Im Grunde der Auswitterungsnischen häufte sich Lehm an, der je nach Witterung schneller oder langsamer sich zu Tal bewegte. Im Laufe der Jahrtausende haben sich an beiden Seiten des Berges sanft geneigte Lehmkegel angesetzt. Meist sind diese Stellen mit einer Humusschicht überkleidet, aber schon in geringer Tiefe, stellenweise nur 20 bis 30 cm stösst man auf die Schicht guten Lehms. Die berganführenden Strassen, besonders diejenigen mit grossem Lastwagen- und Tramverkehr leiden unter diesem unsoliden Fundament. Der Lehmkegel hat eine Ausdehnung von 1500 Meter vom Berg gegen die Sihl gemessen und eine Mächtigkeit bis zu 25 Meter. Man glaubt, dass die noch abbaufähigen Gruben den Bedarf auf ca. 100 Jahre zu decken vermögen. Der Ton ist zuunterst, d. h. talzu immer am feinsten, während er hangwärts weniger gut ist, und hier z. B. für die Herstellung gewisser Tonwaren nicht geeignet ist. Es muss angenommen werden, dass sich der Lehmstrom vom Üetliberg her seinerzeit in einen lebenden Wald ergossen hat. Beim Abbau der Lehmschicht kommen nämlich - zum Leidwesen der Lehmstecher - oft Baumstrünke mit Wurzelwerk von 2 bis 4 mm Durchmesser und 1 bis 1,2 m Höhe zum Vorschein. Im Laufe der Jahre hüllte der herabrieselnde Schlamm die untere Partie der Stämme während ihres Wachstums ein und brachte sie langsam zum Absterben. Die Krone verwelkte und vermoderte, während der im Schlamm steckende Teil konserviert blieb. Man trifft Stieleichen, Rotbuchen, Birken und eine Weidenart nebst Schilfrohr.

    Die Ausbeutung der Lehmlager

    Abbau in der Lehmgrube Abbau in der Lehmgrube
    Der Abbau des Lehms und seine Verarbeitung zu Ziegeln, Backsteinen und anderen Tonwaren, geht schon auf Jahrhunderte zurück und ist die älteste und bedeutendste Industrie auf dem Boden Wiedikons. Sie bot Tausenden von fleissigen Händen all die Jahre her willkommene Arbeit und Verdienst. Gar vielfach war es so, dass die Leute tagsüber in den Ziegeleien arbeiteten und abends noch in ihren kleinen Bauerngewerben ringsum mithalfen. Viele dieser tätigen Leute haben es zu Wohlstand gehracht. Die Ziegelindustrie ist für Wiedikon geradezu charakteristisch geworden und aus unserm Landschafts- und Wirtschaftsbild nicht mehr wegzudenken. Auch die Verarbeitung des Lehms hat im Laufe der Zeit Wandlungen erfahren. Wir wollen dieser Entwicklung einige Worte widmen.

    Die Ziegelhütten im alten Zürich

    Blick in eine Trockenkammer Blick in eine Trockenkammer
    Die Verwendung von Ton für die Herstellung von Backsteinen, Ziegeln, Vasen, Röhren usw. war schon den alten Völkern bekannt. So wissen wir, dass Babylonier und Ägypter für ihre Bauten Ziegelsteine verwendeten und die biblische Geschichte erzählt uns, dass die armen Israeliten zu den harten Arbeiten in den Ziegelhütten der Pharaonen herangezogen wurden, allwo es ihnen, trotz voller Fleischtöpfe, gar nicht passte. Auch bei den Römern spielt die Kunst der Tonbehandlung eine Rolle und sogar die Pfahlbauer auf unsern Schweizerseen brannten Ton zu Gefässen, wie aus den hinterlassenen Spuren zu sehen ist. Einen besonderen Aufschwung nahm die Kunst der Lehmbearbeitung im ausgehenden Mittelalter im Ziegelgewerbe. Noch bis ums Jahr 1300 waren fast alle Häuser der Stadt Zürich aus Holz gebaut, nur zweistöckig und mit Schindeln oder Stroh gedeckt. So war es auch in andern Städten der Ostschweiz. Nachdem 1280 durch den Racheakt deses Bäckermeisters Wackerbold im Niederdorf der grösste Teil der «mehreren» Stadt ein Raub der Flammen geworden war, und 1313 - wie der Chronist Stumpf berichtet - ein furchtbarer Brand den Rennweg und sämtliche Häuser bis hinab zur "Niederen Brücke" verzehrt hatte, erliess der Rat die Verordnung, dass bei neuen Häusern der unterste Stock aus Stein und die Bedachung aus Ziegeln zu erstellen seien, was natürlich dem Zieglergewerbe grosse Förderung brachte. Zürich zählte damals etwa 8000 Einwohner.

    Die älteste Ziegelform die zur Anwendung kam, war der in seiner Grundform schon den Römern bekannte Hohlziegel oder Klosterziegel, auch Mönch und Nonne genannt, der sich vermöge seiner zweckmässigen und kräftigen Gestalt für das Schweizerhaus vorzüglich eignete und mit Vorliebe als Bedachung mittelalterlicher Türme und Burgen verwendet wurde. Nach und nach aber wurde der Hohlziegel durch den sogenannten "Biberschwanz" verdrängt, der in Burgund schon gegen das Ende des 11. Jahrhunderts bekannt war und in der Schweiz, vermutlich zuerst in Payerne und in St. Urban, hergestellt wurde. Wann die ersten Flachziegel auf die Dächer der Stadt Zürich und ihrer Umgebung gelangt sind, ist nicht völlig abgeklärt. Mit ziemlicher Sicherheit darf gesagt werden: Um 1500 herum, wie sich aus eingeritzten Jahreszahlen auf alten Ziegeln im Landesmuseum schliessen lässt.

    Es ist nicht genau bekannt, wann in Zürich die ersten Ziegelhütten entstanden sind. Zweifellos haben vom 16. bis ins 19. Jahrhundert ihrer gegen 10 auf dem Gebiete der heutigen Stadt bestanden und zwar fast sämtliche auf der linken Seite von See und Limmat. Alle haben das Material von Wiedikon bezogen, wo man schon frühzeitig auf den hohen Wert der ausgedehnten Tonlager aufmerksam geworden war. Als älteste kann wohl die sogenannte "Herren-" oder "obrigkeitliche Hütte" angesprochen werden, die der Stadt gehörte und von ihr dem "Meister Ziegler" als Lehen vergeben wurde. Bereits im Jahre 1364 muss sie in Betrieb gewesen sein, denn ein Ratsbeschluss aus diesem Jahr setzt dem Ziegler für drei Bürger den Preis für Ziegel, Backsteine und Kalk fest. Am 1. August 1416 wird Clausen Küng, der Ziegler, ins städtische Bürgerrecht aufgenommen und mit der Ziegelhütte belehnt. Diese stand wegen dern Feuersgefahr und des vielen Platzes, den sie benötigte, ursprünglich ausser den Mauern, vor dem Rennwegtor, an der Stelle, wo später der "grüne Seidenhof" erstellt wurde und heute das Warenhaus Jelmoli steht. In jener Gegend, etwas weiter gegen die Werdmühle hinunter, muss ferner - wie aus zahlreichen Funden an Topfscherben, Kacheln usw. aus ganz früher Zeit hervorgeht - eine grosse Töpferei bestanden haben. Anscheinend sind aber die Erzeugnisse hinsichtlich Kunstwert nicht über den Rahmen des gewöhnlichen Handwerks hinausgegangen. Im Jahre 1613 wurde die Stadtziegelhütte samt Wohnhaus und Scheune auf Wunsch und Kosten des reichen Seidenherren Heinrich Werdmüller zum alten Seidenhof, dem die unschöne Hütte samt der allzeit schmutzigen Umgebung - als Nachbarschaft zu seinem schönen Privatsitz - nicht behagte, abgetragen und vor die Sihlporte, zwischen der «innern Sihl» (Sihlkanal) und äussern Sihl verlegt, aber bereits 1647 beim Bau der Schanzen abermals geschleift und im Selnau neu erstellt. Von 1775 an war sie für längere Zeit an Kaspar Bosshard auf dem Muggenbühl verpachtet. Sie musste jedoch 1860 beim Ausbau des Selnauquartiers der Anlage der Sihlamtstrasse endgültig weichen. Der unter der Aufsicht des städtischen Bauherrn stehende Ziegler erhielt von der Stadt das Holz für den Brennofen aus dem Sihlwald, anfänglich 1200 Wellen, später 40 Klafter Spelten, die ihm durch Flössen in der Sihl und im Sihlkanal zur Stelle geschafft wurden. Was er mehr brauchte, sollte er "als ander lütt" bezahlen. Als Pachtzins hatte er durchschnittlich 60 bis 120 Gulden zu entrichten. In den Ratsprotokollen wird im Laufe der Jahrhunderte wiederholt des Zieglers Erwähnung getan. Das eine Mal beklagt sich einer über die durch Gründung von neuen Ziegeleien - namentlich im nahen Wiedikon - enstandene Konkurrenz oder er wünscht statt der Holzlieferung das bare Geld. Ein andermal (1541) muss ihm der Rat bedeuten: "der ziegler soll nit mehr das best Holz ausziehen (beim Flössen) und das abschätzig den Bürgern bleiben". Da die Ziegler ihr Produkt zufolge des Verhältnisses mit der Stadt an diese zu reduzierten Preisen abgeben mussten, waren oft Misshelligkeiten an der Tagesordnung. Die festgesetzten Preise wurden nicht inne gehalten oder die Qualität der Ware liess zu wünschen übrig, sodass das Verhältnis der Ziegler zum städtischen Bauamt sehr oft ein gespanntes und unerfreuliches war und ab und zu mit Strafen eingeschritten werden musste. So erhielt 1760 Frau Bockhorn eine hohe Busse auferlegt und einige Jahre später suchte die Stadt für den besseren Betrieb ihrer Hütten geeignete Bewerber, denen ein Betriebsdarlehen von 4000 Gulden angehoten wurde, um die Steinkohlenfeuerung einzuführen. Der Silhwald hatte offenbar Schonung nötig.

    Das eigentliche Ziegeleigebiet war Wiedikon mit seinen unerschöpflichen Lehmgruben. Dem 15. und 16. Jahrhundert verdanken fast alle dortigen grösseren Ziegelhütten ihre Entstehung und zwar auf Land, das von der Gemeinde als Erblehen an Bürger gegen geringen Zins abgetreten wurde. Während wir über die Stadthütten durch die Ratsprotokolle und Zinsurbare ziemlich gut unterrichtet sind, fliessen die urkundlichen Quellen. Über die Wiedikoner Hütten, weil sie Privateigentum waren, sehr spärlich. Ein wertvolles Aktenstück - der auf Pergament geschriebene Zinsrodel aus dem Jahr 1537 über "die Erbzys und bodenzys und ander Jerlich güllt einer ganzen Gemeinde von Wiedikon, wie das von allter harkommen ist" - gibt uns wenigstens über ihre Gründung sowie über einige nachträgliche Handänderungen Aufschluss. Eine solche Ziegelhütte, gegründet von Paul Trachsler 1557, zuletzt die Sallenbachsche Hütte geheissen, war bis um 1860 im Betrieb unmittelbar oberhalb der ehemaligen gedeckten Sihlbrücke, ungefähr da, wo heute der "Tages-Anzeiger" seinen Sitz hat. 1790 gehörte sie noch einem Johannes Hotz. Von da nur wenig sihlaufwärts, oherhalb des "werd" an der heutigen Schimmelstrasse, lag die 1541 von Ziegler Peter Keller erbaute Hütte. 1790 gehörte sie einem Meier und zuletzt Steiner-Höhn. 1891 wurde sie abgetragen. Unmittelbar daneben, unterhalb der Aegerten an der Sihl, stand die Bockhornhütte. Diese "so Caspar zur Linden uff der Egerten zu Wiedigkonn anno 1597 Jars gebuwen, gibt jerlich uff Sannct Martinstag einer ersamen Gmeind 3 Pf. 10 Schilling für das Erbgutt". Zur Bockhornhütte gehörte eine Lehmgrube im Albis. Zu Martini 1772 wird die Hütte verkauft von Leutnant und Geschworenen Hans Konrad Koller an Heinrich Rudolf und Hans Heinrich Bockhorn seI. des Zieglers nachgelassene Söhne, samt Zubehörde um 4000 FI. und 50 FI. Trinkgeld. Der Barbetrag wurde den Käufern vorgestreckt von dem Wohlgeachten, wohl Edlen Herren, Herren Johann Caspar Hess, gewesenen Sihlherren der LöbI. Stadt Zürich gegen Grundpfandverschreibung von Wiesen, Äckern, ZeIgen im Albis und Sihlfeld. Man sieht hieraus, dass die neuen Besitzer zu den begütertsten Bürgern der Gemeinde Wiedikon gezählt haben müssen. Unter dem gleichen Dach aber mit eigenem Brennofen und Lehmrüstplatz gegen das Werd gelegen, befand sich eine zweite Ziegelei, die Caspar Meier der Ziegler mit Martini 1774 dem Tit. Herren Haubtman Rollenbutz, Ferwer im Talacker um 800 FI. verschreibt; zuletzt von Fuhrhalter Johann Frey-Bader betrieben, der diese samt Lehmgrube 1876 an die Gebrüder Bockhorn verkaufte. Seither war die Hütte Eigentum dieser Familie und von ihr bis zum Jahre 1891 betrieben, als das Gütergeleise der Sihltalbahn das vorgelagerte Gelände durchschnitt. Die Liegenschaften gingen Ende 1923 an die Stadt Zürich über. Die durch den Umbau der linksufrigen Seebahn und der Sihltalbahn verursachte erhebliche Umgestaltung der dortigen Gegend machte die Beseitigung verschiedener Gebäulichkeiten zur Notwendigkeit. Dazu gehörte auch die bekannte alte Ziegelhütte, die schon seit Jahren ein beliebtes Objekt für Photographen, Zeichner, Maler und Altertumsfreunde war. Die Liegenschaft, die schon früher durch die Sihltalbahn und die Schimmelstrasse durchschnitten worden war, mass damals noch 6'930 m2 und wurde zum Preise von Fr. 270'000 an die Stadt abgetreten. Damit war das letzte Wahrzeichen einer einstmals bedeutenden Industrie reichlich bezahlt.

    Wohl die allerälteste der Ziegeleien auf dem Boden von Wiedikon war "die gross Ziegelhütte in der ow", erbaut, «als man zält dusend vierhundert vierzig und ein Jar, erstlich verlichen und geben Simon Ziegler, burger zürich und sinen erben nach üblichen sitt und gwohnheit und um ein zins von 3 Pfund und 10 Schilling". Sie wurde jedoch schon 1572 durch die Gemeinde zurückgekauft und geschleift, da bereits 1516 von Jakob Keller, dem Ziegler nebenan, am Fuss des sogenannten Reb- oder Fastnachthügels "auf einem bletz ob der allmeind als erbgutt" eine neue, offenbar zweckmässiger eingerichtete Hütte erstellt worden war. Gegen 200 Jahre gehörte diese der Familie Keller und musste 1860 der Gründung der Fuhrhalterei Dübendorfer - jetzt Stiefel - weichen. Eine weitere Ziegelhütte am alten Üetlibergweg war die im Jahr 1543 erstellte Bär'sche Hütte in der äussern Au". Die letzte der Hütten bergwärts, der Albishof, stammt aus dem 19. Jahrhundert und hat sich schon frühzeitig dem modernen Betrieb angepasst. Die Tonwarenfabrik der Gebrüder Bodmer im Albisgrund, gegründet 1871 und vorzugsweise auf Spezialitäten (Keramik) eingestellt, ist ebenfalls neuzeitlich eingerichtet und arbeitet heute noch mit Erfolg. Der Vollständigkeit halber seien noch zwei Unternehmen erwähnt, die ausserhalb des Gemeindebanns Wiedikon standen, aus dessen Gruben aber den Lehm bezogen: Die Ziegelei Wirz im Seefeld und die Staub'sche Hütte in Wollishofen.

    Von grösster Wichtigkeit war die Lehmausbeute im Albis. Die sämtlichen damaligen Gruben befanden sich in dem links und rechts an die heutige Üetliberg- und Bachtobelstrasse stossenden Gelände, wie noch aus alten Plänen ersichtlich ist, auf denen schon früh eine "kleine" und eine "grosse", eine "alte" und eine "neue Leimgrube" - nebst die der Stadt Zürich gehörende "obrigkeitliche" Grube eingezeichnet sind. Lehmgruben im Albis werden schon 1502 erwähnt. Da man in der Mischung des Materials noch nicht so bewandert war wie heute, benützte man meistens nur die oberste Schicht bis zu einer Tiefe von 3 bis 4 Metern. Dieses Material hielt man für besonders geeignet für die Herstellung von Dachziegeln. Die nur unvollständig ausgenützten Gruben wurden dann gewöhnlich mit den neuen "Abdecketen" ganz oder teilweise verschüttet und der Landwirtschaft zurückgegeben. Die Wohnkolonie "Im Laubegg", links von der Üetlibergstrasse, steht in einer dieser alten Lehmgruben. Die ehemaligen Ziegelhütten von Zürich lagen also - im Gegensatz zu den heutigen Betrieben - grösstenteils nicht in unmittelbarer Nähe der Gruben. Der Transport des Rohmaterials verteuerte das Produkt.

    Im Winter ruhte das eigentliche Gewerbe oder es beschränkte sich auf das Brennen des Kalkes und der während der wärmeren Jahreszeit an der Luft getrockneten Ware sowie auf die Ausbeutung und Herbeischaffung des Materials, das in nächster Nähe der Hütte zum Ausfrieren aufgeschichtet oder im Wasserbad zur Entfernung unreiner Beigaben geschlämmt wurde. Es waren sogenannte Handziegeleien, wie sie nun verschwunden sind. Jeder einzelne Backstein, jeder Ziegel wurde von Hand gemacht, indem der Ziegler den zubereiteten Lehm in eine hölzerne oder eiserne Form presste und das darüher hinausquollende Material mit der buchenen Streichliste abstrich. Daher die Bezeichnung "Ziegelstreichen" und "Ziegelstreicher". Es bedurfte einer gewissen Fertigkeit des Meisters, besonders um bei den noch weichen Biberschwänzen die "Nase" aufzusetzen und mit den zusammengefügten Fingerspitzen der beiden Hände auf der oberen Seite die Abflussrillen anzubringen. Dadurch kam eine gewisse Mannigfaltigkeit im Detail der Form zustande, die dem Maschinenziegel abgeht. Hurtige "Abtragbuben" verbrachten die auf Brettchen gelegten Ziegel - einen auf dem Kopf, zwei weitere auf den bis zur Schulterhöhe emporgehobenen Händen tragend - ins Trockengestell. Ein gewandter Ziegler erreichte so bei 13- bis 14-stündiger Arheitszeit im Sommer eine Tagesleistung von 1000 Stück und darüber an Dachziegeln und von 1200 bis 1500 an Backsteinen.

    Bedeutende technische Neuerungen und Rationalsierungen im Laufe des 19. Jahrhunderts führten indessen den Niedergang, ja den völligen Untergang des Handzieglergewerbes herbei. Die sogenannte Strangpresse in Verbindung mit dem das Rohmaterial knetenden Kollergang und dem automatischen Tonabschneider steigerte das Produktionstempo und die Produktionsmöglichkeit derart, dass Handarbeit nicht mehr aufzukommen vermochte, obwohl namentlich in den Anfangsstadien den mit der Maschine hergestellten Erzeugnissen in weiten Kreisen des Baugewerbes starkes Misstrauen hinsichtlich ihrer Güte und Dauerhaftigkeit entgegengebracht wurde und dieses Misstrauen noch lange bestand. Da für gewisse Zwecke der "Handware" immer noch der Vorzug gegehen wurde, vermochte sich der Handbetrieb da und dort bis auf die heutige Zeit zu halten. Die Erfindung des Ringofens durch Friedrich Hofmann im Jahre 1858 mit seinem Zellen- und Kammersystem ermöglichte eine viel rationellere Ausnüzung der erzeugten Hitze und bedeutete einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Verbilligung und Steigerung der Produktionskapazität. So hat hat ein Jahrhunderte altes Gewerbe, das für Zürich von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung war, das Feld räumen müssen.

    Die neuen mechanischen Ziegelfabriken

    Blick in das Sumpfhaus Blick in das Sumpfhaus
    Der Bodenschatz aber, dem das nunmehr entschwundene Handwerk seine Existenz verdankt hatte, liegt nicht brach. Er ist vielmehr die Quelle zu neuer industrieller Entfaltung mit intensiveren Betriebsmethoden und erhöhten Leistungen geworden. An die Stelle der alten Ziegelhütten traten schon in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts grosse sogenannte mechanische Backsteinfabriken. Oie erste dieser Art entstand im Jahre 1850 im Alhishof an der Uetlihergstrafk. Vermutlich lag sie anfänglich in privaten Händen, 1866 überahm die "Ziegelei Albishof A.-G" dieses Werk, das zu jener Zeit Ziegelei F. Diener-Bachmann hiess. Das Haupt der neuen Gesellschaft war Herr Oberst Fritz Locher, der ihr volle 38 Jahre, von 1867 bis 1905 ununterbrochen vorstand. Die Anlage war nach damaligen Begriffen schon ziemlich modern eingerichtet. Immerhin erhielt sie erst 1886 einen Ringofen. Im Jahre 1893 nannte sich die Firma "Mechanische Ziegelfabrik Albishof" und umfasste nun auch das 1892 neu angelegte Werk im Giesshübel, das die Grube im Giesshübel in Angriff nahm und heute noch benützt. In den zwanziger Jahren wurde ihm das sogenannte Kaminwerk angegliedert. 1906 erfolgte die Fusion der "Mechanische Ziegelfabrik Albishof" mit der "Dampfziegelei Heurieth", deren Fabrikationsgebäulichkeiten und Grube südlich des Höfliweges liegen, zur neuen Gesellsehaft "Ziegeleien Albishof-Heurieth" unter der Präsidentschaft von Dr. Locher-Freuder. Die Dampfziegelei Heurieth stammt aus dem Jahr 1876. An deren Spitze stand während der Gründung und in den folgenden 13 Jahren Mateo Cosulich. Im Zeitpunkt der Vereinigung der beiden Gesellschaften präsidierte Herr Nationalrat Ernst Schmidheiny aus Heerbrugg die Dampfziegelei Heurieth. Zu diesem Zeitpunkt taucht also in der Zürcher Ziegelindustrie der Name des Mannes auf, der später in der Ziegel- und Zementbranche der Schweiz führend wurde und dessen kühner Unternehmungsgeist auch im Orient grosse Unternehmungen schuf. Auf einer Geschäftsreise fiel er vor einigen Jahren in Syrien einem Flugunglück zum Opfer. Zu Anfang der Sechziger Jahre entstand in der Binz die "Mechanische Backsteinfahrik in Zürich", die als Vorläuferin der heutigen Jubilarin, der "Zürcher Ziegeleien A .G.", anzusprechen ist. Als offizielles Geburtsdatum der Firma wird der 1. Juni 1865 angegeben. Diesem Unternehmen stand während der ersten 11 Jahre Herr Schoch-Hahn vor. Ihm folgten 1877 Herr R. Kuschel, 1882 Herr D. EImer-Wild, 1889 Herr F. Hardmeier-Bleuler und 1909 bis zum grossen Zusammenschluss aller Werke Herr Prof. Rud. Escher. Die grosse Lehmgrube in der Binz wurde in den ersten Jahrzehnten intensiv beansprucht. Die Ausmasse der Abschürfung sind noch heute deutlich erkennbar. Vor der Jahrhundertwende erstellte die Gesellschaft im "Tiergarten" ein leistungsfähiges zweites Werk, das sein Rohmaterial aus der ausgiebigen dortigen Grube bezog. 1909 wurde ein weiterer Bau erstellt. Dann wurde der Betrieb in der Binz aufgegeben. Die Stillegung desselben fällt mit dem Ausbruch des Weltkrieges zusammen. In der Folge wurden Fabriktrakt und Lagerschuppen ahgetragen. Auf dem nun dadurch freigewordenen grossen Fahrik- und Grubenareal stehen heute die Lagerhäuser der Brann A.G., W. Hofmann, Werkstätten der Genossenschaft Hammer und der Baufirma Ing. Stäubli u. a. mehr. Die neue Grubenstrasse, die in die Üetlibergstrasse einmündet, erschliesst noch weiteres freies Bauland, auf dem zur Zeit Schrebergärten stehen. Das Gelände ist für Industriebauten vorzüglich prädestiniert: geschützte Arbeitslage, Geleiseanschluss an die Üetlibergbahn, gute Kommunikation und Stadtnähe. Am östlichen Rande des riesigen Trichters, längs der Bachtobelstrasse erhebt sich eine stattliche Siedlung. Im westlichen Teil ist die Grube noch nicht erschöpft und wurde vor einigen Jahren wieder angestochen. Das Material wandert mit einer Feldbahn unter Borrweg-Margretenweg, Üetlilbergbahn durch zum Tiergarten, der im Jahre 1939 durch einen stattlichen Neubau erweitert worden und heute das Hauptwerk und zugleich die modernste Fahrikationsanlage der Schweiz ist.

    Das Jahr 1912 ist das wichtigste in der aufsteigenden Entwicklungsgeschichte der Zürcher Ziegeleien A.G. Es brachte den grossen Zusammenschluss aller Unternehmungen auf dem Platze Zürich. Mit Ausnahme der Ziegelei Bodmer & Co., die bis heute ein privates Unternehmen geblieben ist. Man geht wohl in der Annahme nicht fehl, dass der grosse Organisator Schmidheiny die treibende Kraft und der spiritus rector der Vereinigung der beiden grossen Gesellschaften "Albishof-Heurieth" mit den Werken Giesshübel, Albishof und Heurieth und der "Mechanischen Backsteinfabrik in Zürich" mit dem Spitzenwerk Tiergarten zur Firma "Zürcher Ziegeleien A.G." gewesen ist, Als erster Präsident des Verwaltungsrates der neuen Grossfirma amtete 1912 bis 1921 Herr Prof. Rudolf Escher, der im Zeitpunkt der Fusion an der Spitze der "Mechanischen Backsteinfabrik Zürich" gestanden hatte. Durch Fusion mit der "Mechanischen Ziegelfabrik Wettswil" und durch Kauf der «Ziegelei in Rafz" im Jahre 1913 wurde der Wirkungskreis des Unternehmens auch über die Grenzen des bisherigen Interessengebietes ausgedehnt. Im September 1939 wurde der Fabrikationshetrieb im Werk Heurieth aufgegeben. Das Grubenareal war schon Jahre vorher in den Besitz der Stadt übergegangen und das Ausbeutungsrecht am 1. Oktober 1940 erloschen. Zunächst dienen die Gehäulichkeiten noch Lagerzwecken. Gelegentlich werden sie, da der modernisierte Betrieb im Hauptwerk Tiergarten allen Anforderungen zu genügen vermag, niedergelegt. Da das umliegende Terrain bereits mit Wohnbauten bedeckt ist, wird auch das freiwerdende Areal der nur 64 Jahre alt gewordenen Ziegelei Heuriet voraussichtlich gleichen Zwecken dienstbar gemacht. Das Gebiet südlich des Höfliweges ist für die Siedelungsanlagen infolge seiner Lage sehr günstig und dürfte bei Rückkehr normaler Zustände rasch belegt sein. Mit der weiteren Überbauung dieses Quartiers wird allerdings auch die Fortführung, bzw. die Durchführung der Talwiesenstrasse bis zur Binz akut werden.

    So bedauerlich einerseits - namentlich im Hinblick auf den endgültigen Wegfall einer willkommenen Arbeitsgelegenheit im Quartier - die Eliminierung der Ziegelfabrik ist, so versöhnt doch andrerseits die Aussicht, dass auch hier wieder neues Leben auf den Ruinen des Niedergerissenen blühen wird. Der Vollständigkeit halber seien noch die veränderten Verhältnisse hinsichtlich der Ausbeutungskonditionen der verschiedenen Gruben gestreift. Wie aus den Ausführungen über die alten Gruben ersichtlich ist, waren diese grösstenteils Lehengut, das oft als Erblehen an mehrere Generationen überging. Die Erstellung grosser mechanischer Fabriken mit ganz erheblich höheren Baukosten und der Investierung grösserer Kapitalien verlangte zur Sicherung des Betriebes und für die unbehinderte Fabrikation eine andere Rohmaterial-Basis. So sicherte sich jede Fabrik das entsprechende Terrain durch vorsorgliehe Käufe. Eventuell wieder freiwerdender Werkgrund oder abgebautes Grubenterrain konnte dann wieder - wenn nicht mehr für den Betrieb notwendig - abgestossen werden, wie dies beispielsweise in der ausgeschalteten Anlage in der Binz der Fall war. Mit dem Verschwinden der handwerklichen Hütten teilweise auch schon früher - nahmen also die alten bürgerlichen Lehensrechte an die Gruben ihr Ende. In die neuen Nutzungsverhältnisse spielen noch gewisse Wegrechte und Servituten - die sich nicht beseitigen liessen - eine störende Rolle. So setzen z, B. heute Üetlibergbahn, Margarethenweg, Borrweg und Schweighofstrasse einer ungeschmälerten Auswertung des vorhandenen Besitzes gewisse Schranken, weshalb man jetzt schon - wenigstens annähernd - den Termin zu errechnen vermag, an welchem die Grabgabel für immer beiseite gelegt werden muss. Vorerst ist allerdings noch keine Rede davon.

    Die neuen mechanischen Ziegelfabriken

    Im Brennofen
    Im Brennofen

    Die neuen mechanischen Ziegelfabriken

    Firmenfusionen und Namen
    Firmenfusionen und Namen

    Der fossile Wald vom Friesenberg

    Die Existenz fossiler Föhren in den Utolehmen am Friesenberg ist seit 1861 bekannt. Beim Lehmabbau der Zürcher Ziegeleien wurden sie während Jahrzehnten freigelegt. Ihr Erhaltungszustand ist derart gut, dass sie, obschon wahrscheinlich über 10'000jährig, noch nach Harz riechen. Leider sind die Bäume bis auf die Holzartbestimmung nie weiter untersucht worden, weshalb wir über das genaue Alter noch nicht restlose Klarheit haben. Doch muss es sich um ein eiszeitliches Relikt handeln oder um Funde aus der frühesten Nacheiszeit. Die Untersuchungen sind im Gange und werden hier zu gegebener Zeit auch bekanntgegeben.

    Die Würmeiszeit

    Von der Baggerschaufel gekappte Birkenstämmchen (dunkle Punkte) Von der Baggerschaufel gekappte Birkenstämmchen (dunkle Punkte)
    Die letzte Eiszeit, das Würmglazial, ging vor rund 10'000 Jahren zu Ende. Noch um ca. 18'000 vor heute, d.h. im Hochglazial, stirnte der Limmattalgletscher bei Zürich und staute mit seinen Endmoränen den See auf. Gleichzeitig verwehrte er der Sihl mit seiner linken Seitenmoräne den Eintritt ins Zürichseebecken. Später zogen sich die Gletscher schrittweise weiter zurück. So hinterliess beispielsweise der Limmattalgletscher ältere Moränenstände als das Zürichstadium bei Killwangen-Spreitenbach und bei Schlieren. Ein jüngeres Stadium bildete er, als er auf dem weiteren Rückzug nochmals bei Hurden-Rapperswil eine Ruhepause einlegte.

    Das Spätglazial

    Anstatt von epotrophen Wurzeln kann ein Baum auch ein zweites, höherliegendes Wurzelwerk bilden Anstatt von epotrophen Wurzeln kann ein Baum auch ein zweites, höherliegendes Wurzelwerk bilden
    Die eigentliche Klimaverbesserung setzte jedoch erst im Spätglazial ein (um 13'000 bis 12'500 vor heute), als die Gletscherzungen längst in den Alpentälern verschwunden waren. Damals begann sich im Schweizer Mittelland eine Kältesteppe mit Gebüschformen wie Wachholder, Sanddorn und Wermut zu entwickeln. Ab 12'500 sind dank einer Fundsteile im Dättnauertal bei Winterthur erstmals Bäume und die Entwicklung der ersten Wälder in den Talniederungen nachgewiesen. Erster Pionierbaum war wie heute an der polaren Waldgrenze die Birke. Sie wurde aber sehr rasch durch die Föhre (meist Waldföhre) ins Unterholz verdrängt. Vereinzelt fanden sich in diesen Wäldern auch Weiden. Diese Wärmephase, von den Wissenschaftern Bölling und Alleröd genannt, dauerte rund anderthalb Jahrtausende. Gegen 10'800 vor heute, also noch immer während der letzten Eiszeit wurde es erneut kalt, weshalb die bei uns wachsenden Birken/Föhrenwälder wieder abstarben. In dieser Jüngeren Tundrenzeit entwickelte sich nochmals kältesteppenartige Vegetation wie wir sie im heutigen nördlichen Skandinavien oder bei uns über der Waldgrenze begegnen. Die Gletscher stiessen jedoch nicht mehr bis ins Mittelland vor.

    Die Nacheiszeit

    Wasserschöpfi 15, Baumstumpf mit epitrophen Wurzeln Wasserschöpfi 15, Baumstumpf mit epitrophen Wurzeln
    Die Nacheiszeit, welche um 10'000 vor heute begann, führte zur Wiederbewaldung des Mittellandes mit Birken und Föhren. Auch diese postglaziale Wlederbewaldung ist in der Schweiz mit Föhrenfunden auf dem Belpberg nachgewiesen. Dank der deutlichen Erwärmung konnte sich diese Waldgesellschaft gegenüber dem einwandernden Buchen/Eichenmischwald nicht mehr behaupten und verschwand spätestens um 9'900 vor heute.

    Der Friesenberg in dieser Zeit

    Lehmschwemmfächer am Fusse der Utoabhänge Lehmschwemmfächer am Fusse der Utoabhänge
    Wie die Foto zeigt, liegen die Utolehme als gewaltiger Schwemmfächer am Fusse der sehr steil abbfallenden Üetlibergflanke. Diese erstreckt sich vom Albisgüetli bis zum Triemli und weiter gegen Albisrieden. Das untere Ende reicht bis etwa zur Schmiede Wiedikon und zum Ortsmuseum. In der Eiszeit, als das Llmmattal unterhalb des Sees schon eisfrei war, begannen die Moränen, die der Gletscher an die steilen Abhänge des Üetliberges geklebt hatte, abzurutschen und rissen dabei auch lockeres Molassegestein mit sich. Die obere Süsswassermolasse des Uto besteht vorwiegend aus Mergeln und Sandsteinen.

    Die späteiszeitliche Klimawende ändert die Ablagerungsbedingungen

    Wasserschöpfi 15, Winkel einer epitrophen Wurzel in Referenz zur horizontalen Wasserwaage Wasserschöpfi 15, Winkel einer epitrophen Wurzel in Referenz zur horizontalen Wasserwaage
    Erst gegen 13'000 vor heute begannen sich die Ablagerungsverhältnisse als Folge der Klimaverbesserung zu beruhigen. Schneeschmelzwasser und Regen schwemmten in der damals noch öden und kahlen Landschaft aus der Molasse und dem Moränenschutt an den steilen Utohängen Feinmaterial wie Sand und Ton ab, um dieses weiter unten wieder abzulagern. Bei stärkerem Niederschlag trug das Wasser Sand ab; ging die Wasserführung zurück, konnte nur noch der feinere Ton transportiert werden. Das Mischsediment aus Sand und Ton, das heute den Friesenberg bildet, nennen wir Lehm. Solange dort Bäume wuchsen, wurden sie von den Lehmeinschwemmungen langsam einsedimentiert, bis sie schliessl ich in der wassergesättigten Ablagerung ertränkt wurden und abstarben. Die Bedingungen blieben etwa gleich bis zum Zeitpunkt, als sich um 9'900 vor heute das Nacheiszeit-Klima einstellte und die Vegetation auch die Utohänge zu bedecken begann, was weitere Abschwemmungen verhinderte.

    Die ersten Bäume wandern bei uns ein

    Wasserschöpfi 15, Bau einer Tiefgarage mit Baumfunden in der Baugrube Wasserschöpfi 15, Bau einer Tiefgarage mit Baumfunden in der Baugrube
    Wahrscheinlich um 12'500 vor heute dürften auch in Zürich und Wiedikon die ersten Birken und Föhren eingewandert sein. Sie wuchsen als eine Art Galeriewald in der Talniederung und begannen sich langsam über den kahlen Lehmschwemmfächer Richtung Uto auszubreiten. Leider fehlen uns noch immer datierte Holzfunde aus dieser Zeit im Raume Zürichs. Im Dättnauertal bei Winterthur sind sie dagegen sehr zahlreich. Es begann dort mit Birken, welche sehr bald durch die Föhren ins Unterholz verdrängt wurden. Solange die oberhalb des Friesenbergs liegenden Hangbereiche kahl blieben, konnte der Lehm die Bäume langsam eingraben. Diesem Umstand verdanken wir die gut erhaltenen Baumstümpfe, welche immer wieder in Baugruben (Foto) zum Vorschein kommen können. Solange der Baum überlebte, reagierte er mit dem Ausbilden sogenannter epitropher Wurzeln, welche er im Boden drin aufwärts trieb. Wieder andere Bäume bildeten ein zweites Wurzelstockwerk über dem ursprünglichen. Sie konnten so länger überleben. Immer wenn viel Wasser den Üetliberghang herunter kam, führte dies zu engen Jahrringfolgen in den Bäumen. Die Jahrringe der Stammscheibe widerspiegeln daher die wechselvollen Umweltbedingungen. Nach dem Absterben des Baumes blieb der Stamm noch stehen, bis ihn ein Sturm umwarf. Die Stämme sind, weil sie der Luft ausgesetzt waren, in der Regel nicht erhalten geblieben. Auch von Waldbränden, ausgelöst beispielsweise durch Blitzschlag, blieb der Wald nicht verschont. Einer der ausgestellten Bäume korrigierte eine solche Schädigung durch überwalmen. Mit Ausnahme der waldlosen Jüngeren Tundrenzeit (zwischen 10'800 und 10'000 vor heute) können Bölling und Alleröd (zwischen 12'500 und 10'800) vor heute immer Bäume fossilisiert worden sein. In einer Baugrube an der Wasserschöpfi konnten wir in ca. 5 m Tiefe 20 Föhrenstümpfe sowie einen Weidenstumpf bergen und eine grosse Zahl dünner Birkenstämmchen feststellen. Leider warten wir noch auf eine Altersdatierung, doch vermuten wir, dass es sich eher um rund 11'000jähriges Holz aus der Späteiszeit als um solches aus der frühen Nacheiszeit (10'000 bis 9'900 vor heute) handelt.

    Alt-Wiedikon

    Der Name von Wiedikon leitet sich ab vom Hof eines alemannischen Siedlers namens Wiedo, was «der Gottgeweihte» bedeutet. Erstmals urkundlich erwähnt wird «Wiedingchova» im Jahre 889, als der Grundeigentümer Perchtelo seinen Besitz in Wiedikon dem wenige Jahrzehnte zuvor gegründeten Kloster Fraumünster schenkte. Ende des 15. Jahrhunderts waren die hohe und niedere Gerichtsbarkeit an die Stadt Zürich übergegangen, welche die Qbervogtei Wiedikon errichtete. Diese bestand bis 1798 und umfasste neben dem heutigen Wiedikon auch Aussersihl, das Industriequartier, Albisrieden und Altstetten sowie Aesch bei Birmensdorf. Beinahe ein ganzes Jahrhundert lang blieb Wiedikon schliesslich eine selbstständige Gemeinde. Die Entwicklung verlief in dieser Zeit rasant: Um 1800 hatte Wiedikon ungefähr 620 Einwohnerinnen und Einwohner, die im Haufendorf bei der Schmiede, den Weilern Wyl an der heutigen Haldenstrasse, Friesenberg oben an der gleichnamigen Strasse oder einem der Landgüter und Einzelhöfe wohnten, die über das Gemeindegebiet verteilt waren. 1837 eröffnete mit der Papierfabrik an der Sihl die erste Manufaktur ihre Pforten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgte eine ganze Reihe von Ziegel- und Backsteinfabriken. Etwas später erfolgte der Bau der ersten Eisenbahnen durch Wiedikon: Die linksufrige Seebahnlinie als Teil der Gotthardlinie, die Uetlibergbahn und die Sihltalbahn. Der auf Wiediker Boden liegende Friedhof Sihlfeld wurde durch das Rösslitram erschlossen. Es folgte der Bau der ersten Mietskasernen in Wiedikon. Und die Bevölkerungszahlen schossen von 2848 im Jahre 1870 auf 8125 im Jahre 1894. Die Gemeinde war durch die ungebremste Entwicklung - mit der auch die öffentlichen Dienste Schritt halten mussten - und durch die gleichzeitig ziemlich knappen Kassen sehr stark gefordert. Deshalb befürworteten die Stimmberechtigten von Wiedikon die Vereinigung mit der Stadt Zürich - die so genannte 1. Eingemeindung-, über die am 9. August 1891 abgestimmt wurde, mit 1113 Ja zu 23 Nein.

    Wiedikon bildete von 1893 an zusammen mit Aussersihl und dem damals noch zu Aussersihl gehörenden Industriequartier den Stadtkreis Zürich 111. Durch eine Aufteilung des Kreises Zürich 111 im Jahre 1912 wurde Wiedikon zum Kreis 3, Aussersihl zum Kreis 4 und das Industriequartier bildete den Kreis 5. Wiedikon gehörte immer zu den bevölkerungsreichsten Stadtkreisen von Zürich und in den 1940er und 1950er Jahren stand es sogar zuoberst auf der Liste. - Diesen Rang hat ihm später der Kreis Zürich 11 streitig gemacht. Der Kreis 3 wurde auf Grund seiner Grösse in die Quartiere Alt-Wiedikon, Friesenberg und Sihlfeld aufgeteilt. Das Zentrum der früheren Gemeinde Wiedikon befindet sich um die Tramstation Schmiede Wiedikon. Administrativ wird es heute zerschnitten durch die Grenze zwischen den Ouartieren Alt-Wiedikon und dem Sihlfeld, die der Birmensdorferstrasse vom Heuried an die Schmiede und der ZurIindenstrasse, und von der Schmiede bis zur Sihl am Sihlhölzli folgt. Vom Sihlhölzli bis zum Militärsteg in der Allmend Brunau bildet die Sihl die Grenze zur Enge und zu Wollishofen. Die Grenze zum Quartier Friesenberg geht von dieser Brücke über die Allmend Brunau bis zum Albisgüetliweg, von dort zwischen dem Strassenverkehrsamt und der Credit Suisse Brunau an die Uetlibergstrasse, über den Hegianwandweg bis zur Halde oberhalb der Binz, den Borrweg hinunter bis zum Agnes Robmann-Weg und den Geleisen der Uetlibergbahn. Der Bahnlinie folgt sie bis zur Station Friesenberg und geht schliesslich entlang der Strasse Wasserschöpfi bis an die Birmensdorferstrasse unterhalb des Gemeinschaftszentrums Heuried.

    Wiedikon war ein so genanntes Haufendorf, das sich entlang der beiden Strassenzüge der Birmensdorferstrasse und Schlossgasse und der Zweierstrasse gruppierte. Die Schmiede, nach der die Gegend heute genannt wird, wurde erst 1808 errichtet und 1933 für den Neubau an der Ecke Birmensdorferstrasse Schlossgasse abgebrochen. Gleich hinter der Schmiede wurde 1791 das Bethaus eingeweiht, und zwar durch den damaligen, schon zu Lebzeiten berühmten Pfarrer Johann Caspar-Lavater von St. Peter. An das Bethaus wurde ein kleines Schulhaus mit einer Wohnung angebaut. Und hinter dem Bethaus legte man zur gleichen Zeit den Friedhof an, der bis 1882 benutzt wurde. Heute führt die Kehlhofstrasse überTeile des ehemaligen Friedhofgrundstückes. An der Parallelstrasse zur Schlossgasse, der Zweierstrasse, befinden sich die denkmalgeschützten Oetenbachhäuser. Sonst sind die älteren Bauzeugen aus dem Zentrum von Wiedikon samt und sonders abgebrochen worden. Besonders stolz war man im Quartier, als 1958 an der Birmensdorferstrasse 155 das erste Hochhaus im Quartier errichtet wurde. Zu den älteren Häusern gehörten die Gebäude an der Steinstrasse 2 und 4. Sie wurden 1960 abgebrochen, um Platz zu schaffen für den jetzt dort befindlichen Parkplatz. Dagegen konnte das Gebäude an der Steinstrasse 8 erhalten werden. Es ist schon im Jahre 1594 nachgewiesen, nennt sich «Haus zum Eselsschrei» und beherbergt heute das Quartiermuseum von Wiedikon.

    Zwischen dem Dorf Wiedikon und der Sihl lag früher die Aegertenwiese, eine zeitweilig als Ackerland benützte Wiese, die als Gemeindeweide diente. Das Land wurde durch die Gemeinde in Bauplätze eingeteilt und mit Strassen und Kanalisation erschlossen. Da es aber im 19. Jahrhundert als sehr abgelegen galt, konnten erst 1888 die ersten Parzellen verkauft werden. Danach scheint die Überbauung zwischen ZurIindenstrasse und Steinstrasse recht zügig vor sich gegangen zu sein, sind doch schon um 1900 wesentliche Teile der ursprünglichen Bebauung errichtet gewesen. Deshalb wirkt das Ouartier zwischen Schmiede und Manessestrasse auch recht einheitlich. Als Abschluss der Erschliessung dieser Gegend ist besonders die Kolonie Austrasse/Steinstrasse der Baugenossenschaft Wiedikon erwähnenswert. Sie wurde 1930 errichtet und steht nicht mehr längs, sondern bereits quer zur Strasse. Ob dies auf die Topografie der Grundstücke am Wiedinghügel oder schon damals vermehrt auf den aufkommenden Strassenverkehr zurückzuführen ist, lässt sich nicht mehr entscheiden.

    In der Brunau beginnt die Nationalstrasse nach Chur, die ein starkes Verkehrsaufkommen in Alt-Wiedikon ausgelöst hat. Seit 1974 wird der Verkehr von dort «provisorisch» über die Sihlhochstrasse und dann als Westtangente quer durch die Stadt zu den Autobahnanschlüssen nach Bern und Winterthur geleitet. Ob die Eröffnung des Uetlibergtunnels dank flankierender Massnahmen künftig weniger Verkehr im Quartier mit sich bringen wird, wird allerorts bezweifelt. Die älteste Firma der Stadt Zürich, die 1471 gegründete Papierfabrik auf dem Werd, begann 1837 am Ufer der Sihl mit der Produktion von Papier. 1971 feierte die Firma noch ihr 500-jähriges Jubiläum. ln der Zwischenzeit hat sie weitere Werke erworben, Abteilungen ausgegliedert und fusioniert. Heute hat die Papierhandelsgesellschaft Sihl + Eika Papier AG ihren Sitz in Thalwil und gehört zum finnischen Stora Enso-Konzern. Die Papierproduktionsgesellschaft Sihl Holding AG hingegen hat ihre Produktionsstätte an der Giesshübelstrasse zu Gunsten des Standortes Manegg in Zürich-Wollishofen aufgegeben und ist an die italienische Diatec-Gruppe übergegangen. Übrig geblieben ist die Sihl Manegg Immobilien AG, die mit der Bauherrin Credit Suisse im Moment mit dem Bau von Sihlcity auf dem ehemaligen Fabrikareal das grösste private Hochbauprojekt der Schweiz betreibt. 2007 soll ein eigener Stadtteil mit 100000 Quadtratmeter Mietfläche eröffnet werden, zu dem ein Einkaufszentrum und Multiplexkino, Diskothek und Hotel, Restaurants und Stadtwohnungen gehören. Gegenüber von Sihlcity befindet sich das intensiv genutzte Naherholungsgebiet der Brunau, für das die Stadt ein Nutzungskonzept erstellt hat, das etwa fest-legen soll, wo sich Hunde frei bewegen können und wo man sich «hundefrei» bewegen kann. Vorläufig ist das Projekt einer Freestyle-Anlage in der Brunau wegen angedrohter Einsprachen von Anwohnerinnen und Anwohnern geplatzt. Unbestritten sind dagegen die Fussballplätze oder die Saalsporthalle.

    Oberhalb des alten Dorfes Wiedikon wurde zwischen 1898 und 1901 die so genannte Stadtkrone auf dem Bühl errichtet, welche die Bühlkirche und die Schulhäuser umfasst. Um 1910 wurde an der Wiedingstrasse auf dem Bühlhügel eine repräsentative Villa an die nächste gebaut, so dass der Hügel heute den Übernamen «Millionenhügel» trägt. Zwischen dem Bühlhügel und der Grenze zum Quartier Friesenberg wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts Lehm abgebaut, um die dort ansässigen Backstein- und Ziegelfabriken zu beliefern. 1912 fusionierten sie allesamt zur Aktiengesellschaft Zürcher Ziegeleien. Seit den 1980er Jahren verfolgt diese Gesellschaft eine konsequente Diversifikationsstrategie; sie stieg in den letzten Jahren völlig aus der Baubranche aus. Seit 1992 wurden die Zürcher Ziegeleien zu einer Holdinggesellschaft, die heute den Namen Conzzeta Holding trägt. Die ehemaligen Fabrikgelände der Ziegelei-Industrie wurden von der ZZ Immobilien AG, heute Piazza Immobilien, übernommen. Sie dienen der Wohnnutzung, wie etwa die Überbauung auf dem Gelände der Ziegelei im Tiergarten oder werden eher gewerblich genutzt, wie das Gelände der Ziegelei in der Binz. Aber auch die Areale dazwischen sind mit privaten Ein- und Mehrfamilienhäusern, Bauten der Genossenschaften Suwita oder der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Wiedinghof oder Wohnungen der Stadt Zürich in der städtischen Wohnsiedlung Heuried überbaut worden. Als letztes grösseres Areal wurde das über 40000 Quadratmeter grosse Gelände des Werkhofes der Baufirma Hatt-Haller zwischen der Halden- und der Bühlstrasse und dem Trassee der Uetlibergbahn umgenutzt. Heute steht dort die riesige Wohnüberbauung Stadtsiedlung Binz. ln vier Häuserreihen mit vier bis sechs Geschossen wurden 364 Wohnungen gebaut. Die Autos werden gleich an der Arealgrenze unter den Boden verbannt, so dass sich die ganze Siedlung als Stadt im Park präsentiert.

    Friesenberg

    Das Quartier Friesenberg grenzt im Süden von der Höcklerbrücke über die Sihl bis an die Falletsche an Leimbach. Auf dem Uetliberg bildet der Grat ungefahr der Gratstrasse entlang die Grenze zu Stallikon. Die ehemalige Annaburg, die Häuser beim Uto Staffel sowie der Fernsehturm stehen auf Stadtzürcher Boden, während das Utokulm mit Hotel und Aussichtsturm sowie die Bergstation der Uetlibergbahn zur Gemeinde Stallikon gehören. Unterhalb dieser Station bis zur ersten gros sen Kurve der Uetlibergbahn sind die Uitiker die Nachbarn. Von dort aus geht eine gerade Grenzlinie zum Hohenstein und dann weiter an den Döltschibach hinunter. Sie folgt weiter dem Hohensteinweg bis zum Triemli. Von dort folgt sie der Birmensdorferstrasse bis zur Strasse Wasserschöpfi, die zugleich die Grenze zum Quartier Sihlfeld bildet. Zu Alt-Wiedikon, dem dritten Quartier von Wiedikon, verläuft die Grenze der Strasse Wasserschöpfi entlang bis zur Station Friesenberg der Uetlibergbahn, entlang des Agnes Robmann-Weges und den Geleisen der Uetlibergbahn bis zum Borrweg, oberhalb der Halde zur Binz bis zum Hegianwandweg, ein kurzes Stück der Uetlibergstrasse aufwärts, zwischen dem Strassenverkehrsamt und der Credit Suisse Brunau, dem Albisgüetliweg entlang bis hinunter auf die Allmend Brunau und von dort an den Militärsteg zur Gfellstrasse in Wollishofen. Die Grenze zu Wollishofen bildet die Sihl zwischen dieser Brücke und der Höcklerbrücke.

    In kaum einem Ouartier in der Stadt Zürich lassen sich die geologischen Gegebenheiten so klar aus jeder Karte ablesen wie im Friesenberg. Der Hügelzug des Albis besteht weitgehend aus Nagelfluh. Er ist von einem Wald bewachsen, der etwa die Hälfte der Fläche des Quartiers Friesenberg bedeckt. Vom Hügel ist Erosionsmasse abgebröckelt und hat einen Schuttkegel gebildet, dessen Ausläufer bis zum Bühlhügel und der Schmiede Wiedikon reichen. Auf dem unteren Teil des Kegels haben sich Lehmschichten abgelagert, die an gewissen Stellen meterdick sind. Die Waldgrenze entspricht ungefähr der geologischen Grenze zwischen der Nagelfluh am Uetliberg und dem flacheren Schuttkegel am Albis. Die Grenze zwischen dem unteren, durch Lehm bedeckten und dem oberen, nicht durch Lehm bedeckten Teil des Schuttkegels entspricht ungefahr der Quartiergrenze zwischen dem Friesenberg und Alt-Wiedikon.Dieser Schuttkegel bildet besonders im oberen Teil keinen sehr stabilen Untergrund. Deswegen ist im Friesenberg - im Gegensatz zu Albisrieden - nur der untere Teil des Quartiers systematisch überbaut. An der Oberkante des Schuttfächers und damit direkt am Waldrand liegen die drei Uetliberghöfe. Am weitesten nördlich befindet sich der ehemalige Döltschihof. Der ursprüngliche Bauernhof brannte 1843 ab, wurde aber etwas weiter unten wieder aufgebaut. Hier wurde auch der Gasthof Döltschi betrieben, der 1969 dem Neubau des Luxushotels Atlantis weichen musste. Dieses moderne Fünf-Sterne-Hotel wurde im Jahre 2000 von der Richmond Hotels Holding Luxemburg erworben und soll 2006 nach einer eineinhalbjährigen Renovation in neuem Glanz wieder eröffnet werden.

    Zwischen der Uetlibergbahn und derTramendstation Triemli eröffnete die Stadt Zürich im Jahre 1970 das Stadtspital Triemli. Die anfängliche Aufregung darüber, ob der Standort für ein 70 Meter hohes Hochhaus am Uetliberghang der richtige sei, hat sich inzwischen gelegt. Nun plant die Stadt dort für 700 Millio­nen Franken ein neues Bettenhaus zu errichten und das Hochhaus und die Personalhäuser zu sanieren. Falls das Stimmvolk dem Kreditbegehren zustimmt und alles rund läuft, wird die Eröffnung im Jahre 2017 sein. In die entgegengesetzte Richtung führt der Panoramaweg von der Uetlibergbahn zur Uetlibergstrasse an Schrebergärten entlang. Oberhalb des Panoramaweges zwischen dem Döltschi und dem Weiler Friesenberg befindet sich der jüdische Friedhof Friesenberg der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich ICZ. Er kam auch auf Grund von Vandalenakten in die Schlagzeilen. Ernster war jedoch der kaum verdeckte antisemitische Angriff, den die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger 1988 abwehren mussten, als ein Komitee mit einer Volksabstimmung den Ausbau des Friedhofs zu verhindern suchte.

    Der Weiler Friesenberg besteht aus einer Gruppe von Häusern, deren ältestes Hauptgebäude an der Friesenbergstrasse 374 bis 380 teilweise bis ins 14./15. Jahrhundert zurückgeht und das seit 1974 unter Denkmalschutz steht. Der Hof gehörte im Mittelalter zur Friesenburg, deren Ruine sich über dem Weiler auf dem Grat vom Uetliberg zur Goldbrunnenegg befindet. Oberhalb des Panoramaweges geht es die Bachtobelstrasse bergaufwärts zum letzten der drei Uetliberghöfe, zum Kolbenhof. Richtung Schützenhaus Albisgütli gesellen sich nun zu den Schrebergärten auch Tennisplätze. Auf Grund einer Volksabstimmung im Jahre 1896 kaufte die Stadt ein erstes Mal 22 Hektaren Land im Friesenberg, da die Gemeinde für die Erstellung von billigen Wohnungen mit Gärten sorgen müsse. Weitere Landerwerbe und die Erschliessung des Quartiers durch die Schweighofstrasse folgten. Es dauerte aber fast 30 Jahre, bis tatsächlich Wohnungen gebaut wurden. In der Zwischenzeit veranstaltete die Stadt Zürich in den Jahren 1915 bis 1918 einen internationalen Wett­bewerb für einen Bebauungsplan der Stadt Zürich und ihrer Vororte. Angestrebt wurde eine Gartenstadt mit strikter Trennung von Wohn- und Gewerbezonen. Federführend bei der Überbauung des Friesenberges war die Familienheimgenossenschaft Zürich FGZ, weIche über die Hälfte der Wohnungen im Friesenberg erstellt hat. Seit 1925 folgte eine Bauetappe der anderen. Aktuell hat sie gerade die 24. Etappe beendet. Die FGZ hat mit diesem beeindruckenden Bauprogramm die Planungsvorgaben des internationalen Wettbewerbes für einen Bebauungsplan von Zürich und ihrerVororte umgesetzt: Das Friesenberg-Quartier ist ein reines Wohnquartier geworden. Es fehlen jegliche Gewerbezonen, jedoch existieren viele Grünflächen, die als Schrebergärten, Friedhöfe, Spiel- und Sportplätze dienen. Auch die Natur wurde geschont, indem die Wälder nicht angetastet und der Friesenberg- und der Kolbenhofbach freigehalten wurden und nun der Öffentlichkeit zugänglich sind.

    Jenseits der Uetlibergstrasse liegt der Schiessplatz Albisgüetli. Er wird seit 1898 von der Schützengesellschaft der Stadt Zürich betrieben, die auch das jährliche Knabenschiessen organisiert, an dem seit einiger Zeit auch Mädchen zugelassen sind. Und gleich darunter befindet sich seit 1973 das kantonale Strassenverkehrsamt. Das Ouartier endet im Südosten an der Allmend Brunau. Dort, auf der Grenze zu Leimbach, wird im Moment der Uetlibergtunnel fertig gestellt, mit dessen Eröffnung im Jahre 2008 gerechnet wird. Wie sich der Betrieb des Tunnels auf die Stadt Zürich auswirken wird, ist noch offen. Zwar haben Stadt und Kanton fleissig flankierende Massnahmen geplant und vorbereitet, aber in der Brunau wird man wohl um negative Auswirkungen als Folge einer Zunahme des Strassenverkehrs nicht herumkommen.

    Sihlfeld

    Das Quartier Sihlfeld ist das am nördlichsten gelegene Quartier von Wiedikon. Die Grenze zu Alt-Wiedikon verläuft vom Triemli entlang der Birmensdorferstrasse bis zur Schmiede Wiedikon, folgt von dort der Zurlindenstrasse bis zum Sihlhölzli und setzt sich in der Anlage fort bis zum neu errichteten Hermann-Herter-Steg. Dann bildet die Sihl bis zur Sihlhölzlibrücke die Grenze zur Enge. Die Grenze zu Aussersihl wurde von dort aus entlang der Schimmelstrasse bis zum Bahnhof Wiedikon, dem Bahneinschnitt der Seebahnlinie bis zur Badenerstrasse und der Badenerstrasse bis zum Letzigraben gezogen. Der Letzigraben bildet einerseits auf einem kurzen Abschnitt die Grenze zu Altstetten, andererseits - bis zur Kreuzung mit der Albisriederstrasse - die Grenze zu Albisrieden. Der letzte Teil der Grenze folgt der Gutstrasse und ungefähr dem Triemlifussweg wieder zurück zum Triemli. Die Bezeichnung dieses spezifischen Quartiers als Sihlfeld ist eine Verlegenheitslösung. Natürlich liegen die Sihlfeldstrasse und der Friedhof Sihlfeld in diesem Quartier, doch wurde einst die ganze Ebene zwischen Limmat und Sihl und dem Uetlibergfuss Sihlfeld genannt. Der westlichste Punkt des Quartiers befindet sich im Triemli oben. Von dort führt der Triemlifussweg in einem langen Korridor mitten durch ruhige Wohnquartiere an die Gutstrasse hinunter. Dieser Grünstreifen wurde für eine Fernverkehrsstrasse freigehalten, die vom Triemli unter dem oder durch den Friedhof Sihlfeld mit Anschluss am Hardplatz an die Westtangente vorgesehen war. Der negative Volksentscheid über den Ausbau des Hardplatzes von 19721 liess diese Planung zur Illusion werden. Doch erst vor 20 Jahren wurden die wirklichen Konsequenzen gezogen und der Fussweg hergerichtet. Seit 1985 heisst er offiziell Triemlifussweg.

    Zwischen der Birmensdorferstrasse und dem Letzigraben standen um 1930 noch kaum Häuser. Die Baugenossenschaft Im Gut konnte deshalb die Siedlung Gutstrasse mit ihrem markanten Hochhaus aus dem Jahre 1954 noch auf der grünen Wiese erstellen. Ebenso konnten die Baugenossenschaft St. Jakob und Eigengrund, die Stadt Zürich und die Nura AG zwischen 1950 und 1955 nördlich der Albisriederstrasse verfahren, als sie im Heiligenfeld in der Kombination von genossenschaftlichen und kommunalen Wohnkolonien, privaten Hochhäusern und einer Parkanlage eine Einheit gestalten konnten, die als die grosszügigste Quartierbebauung dieser Zeit in der Schweiz gilt. Gleich südlich davon kauften die Stadtzürcher Kirchgemeinden Grossmünster, Fraumünster und Prediger im Jahre 1873 einen grossen Landkomplex für einen neuen Friedhof, da ihre Friedhöfe in der Altstadt überfüllt waren. Mit der Revision der Bundesverfassung von 1874 wurde das Friedhofswesen jedoch den politischen Gemeinden übertragen, weshalb die Stadt den drei Kirchgemeinden das bis dahin landwirtschaftlich genutzte Land abkaufte und 1877 den Zentralfriedhof gründete. Seit 1896 trägt der Friedhof den heutigen Namen als Friedhof Sihlfeld. Schon von Anfang an war geplant, ein Krematorium zu bauen. Weil dies aber eine ungewohnte und besonders von religiösen Kreisen stark bekämpfte Bestattungsart war, überliess die Stadt die Initiative dazu dem Feuerbestattungsverein. Zwischen 1887 und 1889 errichtete dieser hier das erste Krematorium der Schweiz und eines der ältesten in Europa. Um die Akzeptanz durch das Publikum zu fördern, wurden unentgeltliche Führungen angeboten, damit sich die Leute ein Bild von dieser Bestattungsart machen konnten. Weil der Friedhof ziemlich weit weg von der Stadtgrenze lag, wurde 1882, als in Zürich das Rösslitram eingeführt wurde, auch eine Verbindung vom Helmhaus über den Paradeplatz zum Friedhof gebaut. Die Endstation lag an der Badenerstrasse ungefahr bei der heutigen Station Zypressenstrasse.

    Zwischen der Tramstation und dem FriedhofSihlfeld hatte die Gemeinde Aussersihl ihren Friedhof eingerichtet. Heute sind diese Grundstücke Teil der Fritschiwiese, die nach Benjamin Fritschi, dem Aussersihler Vorkämpfer der Stadtvereinigung von 1893, benannt ist. Entlang dieser Wiese baute die Stadt Zürich nach dem 1. Weltkrieg Arbeiterwohnungen, um die damals drückende Wohnungsnot zu lindern. Da das Geld knapp war, wurde die grosszügige Anlage so einfach gestaltet, dass sogar auf Badezimmer verzichtet wurde. Ganz anders präsentiert sich die Gegend zwischen Aemtler- und Sihlfeldstrasse um den Idaplatz.ln damals ruhiger Wohnlage und mit Tramanschluss wurden um 1900 repräsentative, grosszügige und manchmal sogar luxuriöse Blockrandsiedlungen erstellt. Leider wurde der Genuss dieser Wohnlage in den letzten 40 Jahren sehr gemindert durch die innerstädtische Autobahnverbindung, die seit 1967 über die Seeebahn- und Weststrasse abgewickelt wird. Mindestens die Anwohnerinnen und Anwohner in der Umgebung der Weststrasse können allerdings hoffen, von der Abklassierung und Verkehrsberuhigung der Strasse im Zusammenhang mit der Eröffnung des Uetlibergtunnels profitieren zu können.

    Das Quartier jenseits der Aemtlerstrasse, zwischen Friedhof Sihlfeld und der Kalkbreitestrasse gelegen, wurde ursprünglich als nicht so attraktiv angesehen, weshalb hier vermehrt der Wohnungsbau für Familien im Vordergrund stand. 1908 liess die Stadt durch den Architekten Gustav Gull die grosse Schulhausanlage des Aemtlerschulhauses in prächtigem Heimatstil erbauen.ln gleichem Stil baute die Baugenossenschaft zur Beschaffung billiger Wohnungen, später Genossenschaft Berowisa, an der Bertastrasse eine der frühesten Genossenschaftssiedlungen von Zürich. 20 Jahre später folgten die Bauten der Genossenschaft Rotach zwischen Wiesendanger- und Nussbaumstrasse. Gegen Ende der 1970er Jahre mussten die Höfe der Genossenschaft Rotach saniert werden. Das Projekt weitete sich aus und umfasste mit der Zeit die ganze Umgebung. Nun lief es unter der Projektbezeichnung Wohninsel Rotach. In der Folge wurden auch die Strassen beruhigt und Wohnstrassen errichtet. Der Prozess konnte 1985 erfolgreich abgeschlossen werden und brachte eine merkliche Qualitätssteigerung der ganzen Wohngegend. Zwischen der Birmensdorfer- und der Seebahnstrasse, der Zurlinden- und der Schimmelstrasse wur de die Quartierentwicklung von 1875 an stark durch die linksufrige Seebahn - vom Hauptbahnhof in die Enge - geprägt. Wirkte diese Eisenbahnlinie anfangs eher trennend, so löste 1891 die Eröffnung der Bahnstation eine gewisse Euphorie im Quartier aus. 1880 wurde die parallel zur Eisenbahnlinie verlaufende Strasse Zentralstrasse getauft. 1894 wurde eine Stationsstrasse eröffnet. An der Seebahnstrasse wurden - wie um den Idaplatz herum - Wohnungen für gutbetuchte Einwohnerinnen und Einwohner errichtet. Weil die Bahnschranken ständig geschlossen waren, wirkte sich die ebenerdige Linienführung der Eisenbahn um die Jahrhundertwende zunehmend störend auf den kreuzenden Verkehr im Quartier aus. Die Tieferlegung der Eisenbahn wurde durch die Turbulenzen des 1. Weltkrieges verzögert und konnte erst 1928 vollendet werden. Die Veränderungen durch die Tieferlegung der Eisenbahn waren gewaltig. Die Sihl wurde von der heutigen Manessestrasse ins Bett des ehemaligen Sihlkanals jenseits des Sihlhölzlis verlegt, das Sihlhölzli selbst vom Schiess- zum Sportplatz aufgewertet. Den Bahnhofsbetrieb verlegte die SBB in den Reiter­bahnhof an die Birmensdorferstrasse. Und schliesslich liess die Stadt über dem Bahntunnel zwischen dem Bahnhof und dem Sihlhölzli die Schimmelstrasse als Prachtsstrasse mit zwei Eingangstürmen errichten. Beim Sihlhölzli waren sogar Qbelisken vorgesehen. Leider wurde die Lösung des Eisenbahnproblems durch das ständige Anschwellen des Autoverkehrs zunichte gemacht. Seit 1967 sind die Seebahn- und Schimmelstrasse Teile der innerstädtischen Autobahnverbindung, der Westtangente. Für die Anwohnerinnen und Anwohner wird sich mit der Eröffnung des Uetlibergtunnels lediglich eines ändern: der Verkehr wird nicht mehr zweispurig in einer Richtung, sondern einspurig in beiden Richtungen fahren.

    Seebahn

    Baudokumentation aus der Zeitschrift "Das Werk" 1927

    Seebahn
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    Seebahn Lageplan

    Pläne aus alter und neuer Zeit

    Ausschnitt Murerplan 1560

    Ausschnitt aus dem Murerplan 1560

    Ausschnitt aus dem Gygerplan 1702

    Ausschnitt aus dem Gygerplan 1702

    Dietzinger-Plan 1817/1818

    Dietzinger-Plan 1817/1818

    Plan vom Üetliberg

    Plan vom Üetliberg

    Dorfkern 1885

    Dorfkern 1885

    Planausschnitt aus dem 19. Jahrhundert

    Planausschnitt aus dem 19. Jahrhundert

    Planausschnitt aus dem 19. Jahrhundert

    Planausschnitt aus dem 19. Jahrhundert

    Planausschnitt aus dem 19. Jahrhundert

    Planausschnitt aus dem 19. Jahrhundert

    Die neuen Quartiergrenzen

    Die neuen Quartiergrenzen